• vom 28.09.2012, 23:05 Uhr

Weltpolitik

Update: 29.09.2012, 11:53 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Rede vor UN-Vollversammlung in New York

Spindelegger erinnert UNO an Verantwortung in Syrien



  • Russlands Außenminister wirft Westen Blockade vor.

Die Kämpfe in Syrien dauern an - die Situation im UN-Sicherheitsrat ist verfahren. - APAweb/AP/Manu Brabo

Die Kämpfe in Syrien dauern an - die Situation im UN-Sicherheitsrat ist verfahren. APAweb/AP/Manu Brabo

New York. Der Syrien-Konflikt als "Nagelprobe" für die Vereinten Nationen: Österreichs Außenminister Michael Spindelegger hat in seiner Rede vor der UNO-Generalversammlung in New York den Sicherheitsrat zur Lösung des Bürgerkrieges in die Pflicht genommen. "Der UNO-Sicherheitsrat muss in dieser Frage endlich seiner Verantwortung nachkommen", betonte Spindelegger mit Blick auf Russland und China, die eine Einigung im Rat blockieren. Russland will das jedoch nicht auf sich sitzen lassen: Außenminister Lawrow warf dem Westen vor, eine Lösung zu blockieren.

Spindelegger forderte, dass Syriens Präsident Bashar al-Assad, dessen Regime "jegliches Grundrecht mit Füßen tritt, nur um an der Macht zu bleiben", zurücktreten soll. Gleichzeitig rief Österreichs Außenminister beide Seiten im syrischen Bürgerkrieg zur sofortigen Einstellung der Gewalttätigkeiten auf und betonte die Notwendigkeit eines Dialogs unter der Leitung des Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, Lakhdar Brahimi. "Uns ist es völlig klar, dass es keine Zukunftslösung gibt, wenn Präsident Assad nicht zurücktritt und den Kräften der Vernunft und Versöhnung den Weg öffnet", sagte der Außenminister.

Blockade im UN-Sicherheitsrat
Spindelegger kritisierte den für die Erhaltung des Weltfriedens und der Sicherheit zuständigen Weltsicherheitsrat, der im Syrien-Konflikt aufgrund des russischen und chinesischen Vetos handlungsunfähig ist. Der Sicherheitsrat könne sich seiner Verantwortung nicht auf ewige Zeiten entziehen, weil sich die Lage in dem Land sonst noch verschlimmern würde, mahnte der Vizekanzler.

Die erneute Kritik in Richtung Russland und China ließ der russische Außenminister jedoch Sergej Lawrow nicht auf sich sitzen: Er warf dem Westen vor, eine Lösung zu blockieren. Vor der UN-Vollversammlung sagte Lawrow, sein Land habe eine Resolution für einen politischen Übergangsprozess in Syrien vorgeschlagen, die auf dem im Juni in Genf vorgestellten Friedensplan basiere. Dieser Vorschlag sei aber blockiert worden, sagte Lawrow. "Diejenigen, die die Umsetzung des Genfer Dokuments ablehnen, laden eine enorme Verantwortung auf sich", fügte er hinzu.

In dem Genfer Dokument sind die Grundsätze für einen politischen Übergangsprozess in Syrien festgehalten. Der Rücktritt von Syriens Staatschef Bashar al-Assad wird allerdings darin nicht verlangt. Dies wird aber beispielsweise von den USA gefordert. Aus Sicht des Westens sind vor allem Russland und China für die Lähmung des UN-Sicherheitsrats im Syrien-Konflikt verantwortlich. Beide Länder legten bereits mehrfach ihr Veto gegen Resolutionen ein.

Atomfreier Naher Osten "dringender denn je"
Vor dem Hintergrund des Atomkonflikts mit dem Iran forderte Spindelegger indes eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten. "Die Einrichtung einer Zone, die frei von Kernwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen ist, ist dort dringender denn je", betonte er. Der Iran solle den friedlichen Charakter seines Atomprogramms glaubhaft beweisen, fügte Spindelegger hinzu.

Grundsätzlich kritisierte er, dass es bei den Atomwaffen bisher keine substanziellen multilateralen Abrüstungsverhandlungen gegeben habe. "Im 21. Jahrhundert kann eine solche existenzielle Bedrohung für die gesamte Menschheit nicht mehr von einigen Staaten als eine reine Angelegenheit von nationaler Sicherheit gehandhabt werden", betonte Spindelegger.

Abschluss der "österreichischen Woche"
Mit Spindeleggers Rede vor der 193 Staaten umfassenden Generalversammlung endet die "österreichische" Woche in New York, die mit der Teilnahme von Bundespräsident Heinz Fischer am Montag an einem hochrangigen Treffen zum Thema Herrschaft des Rechts begonnen hatte.

Dieses Treffen, an mehr als hundert Staats-und-Regierungschefs teilnahmen, hätten den Mitgliedsstaaten erneut Gelegenheit dazu gegeben, ihr Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit auf nationalen und internationalen Ebenen zu bekräftigen, betonte Spindelegger. Doch Folgemaßnahmen seien notwendig. "Österreich ist bereit, an Initiativen zur Erreichung dieses Ziels auch im Rahmen unseres künftigen Vorsitzes im Europarat mitzuarbeiten", sagte Spindelegger.



1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-28 22:06:34
Letzte Änderung am 2012-09-29 11:53:12


Beliebte Inhalte



Barack Obama will Guantanamo schließen. - APAweb/REUTERS/Larry Downing
  • Noch immer 166 Menschen in Gefangenenlager auf Kuba inhaftiert
  • weiter

In Syrien gefallener Hisbollah- Kämpfer wird im Libanon zu Grabe getragen. - reuters
  • Aufhebung des Waffen-Embargos für Syrien: EU streitet, Faymann droht.
  • weiter

Hohe Wellen schlägt nun auch ein Zwischenfall, der fast zum diplomatischen Bruch zwischen Taiwan und den Philippinen geführt hätte. - APAweb/EPA/DENNIS M. SABANGAN
  • Späte Entschuldigung: Philippinische Küstenwache erschoss Fischer.
  • weiter

Trümmerfeld in Al-Qusayr – die Stadt hat das Pech, strategisch wichtig zu sein. - APAweb / AP / Qusair Lens
  • Deutscher Geheimdienst sieht Assad-Truppen auf der Siegerstraße.
  • weiter

  • Rafsanjani: Führungsriege ist "inkompetent und ignorant".
  • weiter

Trümmerfeld in Al-Qusayr – die Stadt hat das Pech, strategisch wichtig zu sein. - APAweb / AP / Qusair Lens
  • Deutscher Geheimdienst sieht Assad-Truppen auf der Siegerstraße.
  • weiter

PKK-Mitglieder sammeln Unterschriften für die Freilassung Öcalans am Fuße der Zitadelle in Erbil. - sven
  • Syrien-Konflikt beflügelt Frieden zwischen Kurden und Türken.
  • weiter

David Kilcullen  ist ein australischer Terror-Experte und war von 2007-2008 Berater von General David Petraeus. Heute ist er CEO von Caerus Associates. Er war auf Einladung des IPI in Wien.
  • Der Terror- und Nahost-Experte Kilcullen über Krieg in den Städten und Syrien.
  • weiter

  • USA und UNO rufen zur Zurückhaltung auf.
  • weiter

Die Benachteiligung der konservativen Organisationen durch die IRS sei "unentschuldbar", sagte Obama. "Die Amerikaner haben ein Recht, darüber wütend zu sein, und ich bin wütend darüber." - APAweb/EPA/Olivier Douliery / POOL
  • E-Mail-Korrespondenz zum Benghazi-Anschlag veröffentlicht.
  • weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

23.05.2013: Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung