• vom 02.10.2012, 17:40 Uhr

Weltpolitik

Update: 03.10.2012, 08:16 Uhr
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US-Wahl: Obama und Romney sind auf Einwanderer angewiesen

Heftig umworben: Floridas Latinos


Von Konstanze Walther aus den USA

  • Für Romney führt kein Weg am "Sunshine State" vorbei.

"Gemeinsam für mehr Rechte": US-Latinos entscheiden, wer ins Weiße Haus kommt. - © EPA

"Gemeinsam für mehr Rechte": US-Latinos entscheiden, wer ins Weiße Haus kommt. © EPA

Miami. Die pastellfarbene Architektur am Art-Deco-Drive in Miami ist durchsetzt mit den Neon-Schildern der Bars, die lateinamerikanisches Essen und Trinken anpreisen. In der Wirtschaftsmetropole Floridas hat Univision seinen Sitz, eine Art CNN, aber auf Spanisch: Univision sendet Nachrichten, Gameshows und Telenovelas für die Latinos in den USA. Ende August pilgerten sowohl Präsident Barack Obama als auch sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney zu Univision für stundenlange Interviews mit dem Star des Senders, Jorge Ramos. Dass beide Kandidaten dafür Zeit fanden, ist kaum verwunderlich. "Sie brauchen uns", konstatiert Ramos nüchtern. 16 Prozent der US-Bevölkerung - 55 Millionen - sehen sich als Latinos. 60 Prozent werden laut Berechnungen für Barack Obama stimmen. Die Frage ist nur: Wo? Es hat für Romney keinen Sinn, nach Stimmen der (mehrheitlich mexikanischen) Latinos in Kalifornien zu fischen, da dieser Staat fix an die Demokratische Partei geht.

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Beide Kandidaten konzentrieren sich jetzt nur noch auf die "Swing States", deren Votum unabsehbar ist. Hat man bei den Wahlmännerstimmen auch nur eine mehr, gewinnt man alle Stimmen des Bundesstaates. Und Florida ist wegen der zu vergebenen 19 Wahlmännerstimmen der größte dieser "Battleground States". "Wenn Obama die Wahlen gewinnen will, muss er nicht unbedingt Florida überzeugt haben. Aber für Romney führt wegen der Wahl-Arithmetik an Florida kein Weg vorbei", erklärt Andres Oppenheimer, argentinisch-stämmiger Kolumnist bei der Zeitung "Miami Herald" (und Mitbegründer ihrer spanischen Schwester-Publikation "El Nuevo Herald").

Knapp ein Viertel - nämlich 23 Prozent - der Bürger Floridas sehen sich als Hispanos, ihre Stimmen sind entscheidend. Doch die Community ist tief gespalten - und wehrt sich obendrein dagegen, als eine Einheit angesehen zu werden. "Das Einzige, was uns Latinos eint, ist das Interesse für Bildungsthemen. Aber was den Rest betrifft, sind wir keine homogene Gruppe", erklärt Bruno Lopez, ehemaliger Journalist bei Univision und jetziger Consulter für die medizinische Versorgung der Latinos.

Ältere Kubaner gegen Obamas "Kuschelkurs"
Die politische Einstellung der Migranten hat zum großen Teil mit dem Land zu tun, aus dem sie ausgewandert oder geflüchtet sind. Für die Kubaner in Miami zum Beispiel ist die Immigrationspolitik kein Thema - denn sie werden automatisch Staatsbürger dank des "Wet Foot, Dry Foot"-Gesetzes, das Kubanern, die von der Insel fliehen, legalen Aufenthaltsstatus garantiert, wenn sie erst einmal US-Festland erreicht haben. Das erklärt, warum zum Beispiel laut einer Fox-Umfrage noch immer 30 Prozent der landesweiten Latino-Bevölkerung in den USA für Romney und die Republikaner stimmen werden. Das überrascht, den Romney hat erklärt, dass er für die gesamten USA das Modell von Arizona übernehmen will - wo Verkehrspolizisten jemanden aufhalten, nur weil er "braun" aussieht - und anschließend kontrollieren dürfen, ob alle im Auto einen legalen Aufenthaltsstatus haben. "Racial Profiling" nennen das die zahlreichen Kritiker.

In Miami sind 50 Prozent der Latinos Kubaner. Die Älteren von ihnen goutieren die Annäherung an Kuba nicht und wählen republikanisch. Und junge Kubaner interessieren sich weder für das Embargo noch für Politik und werden deshalb kaum wählen gehen. Trotzdem zeichnet sich am Tag des ersten TV-Duells zwischen Obama und Romney auch in Florida laut Umfragen ein Sieg des Demokraten ab.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-02 17:48:06
Letzte Änderung am 2012-10-03 08:16:39


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