• vom 04.10.2012, 18:21 Uhr

Weltpolitik

Update: 04.10.2012, 19:37 Uhr

Star-Karikaturist Chan Lowe über die Stimmung in den USA

US-Wahlen "fast wie ein Bürgerkrieg"




  • Artikel
  • Fotostrecke
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander U. Mathé

  • Demokraten und Republikaner in den USA sind extrem radikalisiert.
  • Romney legt sich mit "Big Bird" an.

Chan Lowe: "Du kannst durchs Leben gehen, ohne die Stimme der anderen zu hören." - © Alexander Göd

Chan Lowe: "Du kannst durchs Leben gehen, ohne die Stimme der anderen zu hören." © Alexander Göd

Wenn in seiner Heimatstadt Boca Raton das dritte TV-Duell zwischen US-Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney abgehalten wird, werden seine Cartoons am Eingang hängen: Chan Lowe ist politischer Karikaturist, Blogger (www.sun-sentinel.com/chan) und ein scharfer Analyst der politischen Stimmung in den USA.

Werbung

"Wiener Zeitung":Sprechen wir über einen Ihrer jüngsten Cartoons. Er zeigt Mitt Romney, wie er jubelnd den Arm seines Vizes hochhält, der sein Gesicht unter einem Papiersackerl versteckt hält. Wie sind Sie darauf gekommen?

Chan Lowe: Das war nach dem katastrophalen Kommentar Romneys über die 47 Prozent an Empfängern sozialer Dienstleistungen. Das ist eine generelle Ansicht unter eingesessenen Reichen, dass es eine große Zahl von Amerikanern gibt, die nur faul herumsitzen und auf ihren Scheck vom Staat warten. Romney hat geschadet, dass er das Bad mit dem Kind ausgeschüttet hat. Er hat mit seinem Kommentar nämlich auch Pensionisten, Leute im Krankenstand oder Kriegsversehrte angesprochen. Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan wiederum ist nicht dumm und will eines Tages selbst für das Präsidentenamt kandidieren, außerdem kandidiert er heuer gleichzeitig für den Kongress. Er hat kommen sehen, dass Romney mit fliegenden Fahnen untergehen wird - was sich natürlich noch ändern kann -, und hat begonnen, sich von Romney zu distanzieren. Er will verhindern, dass ihn Leute mit Romney in Verbindung bringen.

Ist Humor der einzige Weg, Politik erträglich zu machen?

Chan Lowe greift bei seinen politischen Cartoons nicht nur auf Humor zurück. Die Bilder von links nach rechts: Erste Anzeichen für Ärger bei Mitt Romney und Vize Paul Ryan - "Keine Trennstriche mehr" (also etwa afro - amerikanisch) - Das Erwartungsspiel: "Was ist das?", fragt Barack Obama. "Ein Laib Brot und ein Fisch . . . Tu etwas."

Chan Lowe greift bei seinen politischen Cartoons nicht nur auf Humor zurück. Die Bilder von links nach rechts: Erste Anzeichen für Ärger bei Mitt Romney und Vize Paul Ryan - "Keine Trennstriche mehr" (also etwa afro - amerikanisch) - Das Erwartungsspiel: "Was ist das?", fragt Barack Obama. "Ein Laib Brot und ein Fisch . . . Tu etwas." Chan Lowe greift bei seinen politischen Cartoons nicht nur auf Humor zurück. Die Bilder von links nach rechts: Erste Anzeichen für Ärger bei Mitt Romney und Vize Paul Ryan - "Keine Trennstriche mehr" (also etwa afro - amerikanisch) - Das Erwartungsspiel: "Was ist das?", fragt Barack Obama. "Ein Laib Brot und ein Fisch . . . Tu etwas."

Vielleicht. Ich sehe mich nicht als Künstler, sondern als Journalist, der zeichnet. Ich verwende nicht immer Humor in meinen Zeichnungen, manchmal wird es dramatisch. Ich möchte vor allem effektiv sein. Nach 9/11 etwa habe ich den Zusammenhalt des amerikanischen Volks durch ein Verbotsschild dargestellt, das besagt, dass es keine Trennungsstriche mehr gibt, also keine Afro-, Indo- oder sonstigen Amerikaner, sondern nur noch Amerikaner.

Dieses Gefühl der Einheit ist inzwischen wieder verflogen. Wie geteilt sind die Vereinigten Staaten von Amerika?

Sehr. Die politischen Gefühle sind extremer geworden. Bildlich gesprochen ist es fast wie ein Bürgerkrieg. Es gibt Amerikaner, die nicht mehr miteinander befreundet sind, weil sie herausgefunden haben, dass der andere Obama beziehungsweise Romney wählt. Es ist geradezu so, als sagte man: "Ich kann mit Dir nicht sprechen, wenn Du diese Person wählst. Es sagt so viel über Dich aus, dass ich nicht Dein Freund sein kann." So etwas habe ich noch nie gesehen. Früher hat man einen Kandidaten gewählt und hat damit leben können, wenn der andere gewonnen hat. Jetzt wollen Menschen das Land verlassen, wenn ihr Kandidat verliert.

Es gibt also keine Berührungspunkte unter den Lagern?

Du kannst inzwischen durchs Leben gehen, ohne jemals die Stimme der anderen zu hören. Du hast den Sender "Fox" für Konservative und "MNSBC" für Liberale. Liberale sprechen nur mit Liberalen, Konservative mit Konservativen. Es gibt keine Moderaten mehr, auch nicht im Kongress. Früher sind die Abgeordneten gemeinsam ausgegangen, haben einander getroffen, weil sie Mitglieder des Kongresses sind, und das war gut so, denn die sollen ja miteinander reden. Aber das gibt es jetzt nicht mehr.

Ist die Stimmung elektrisierender als bei der letzten Wahl?

Diesmal sind die Menschen deprimiert. Es läuft wirtschaftlich nicht gut. Wenn Menschen deprimiert sind, sind sie nicht so begeisterungsfähig. Ich wäre nicht überrascht, wenn es eine niedrige Wahlbeteiligung gibt.


Video auf YouTube




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-10-04 18:26:02
Letzte Änderung am 2012-10-04 19:37:32


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Stichwahl in Tunesien zeichnet sich ab
  2. Ein Schattenpapst im Vatikan?
  3. 100 Extremisten nach Bus-Angriff in Kenia getötet
  4. Iran hält Verlängerung um ein Jahr für denkbar
  5. Kaum Chancen auf Atomdeal mit dem Iran bis Montag
Meistkommentiert
  1. Erdogan: Muslime sind Entdecker Amerikas, nicht Kolumbus
  2. Ein "Signal der Hoffnung"
  3. Israel will hart durchgreifen
  4. Russlands "Gruß" an Brisbane
  5. "Es gibt keine Alternative zu Assad"

Werbung




Martin Winter als "Don Juan" (Mitte) und das Ensemble vom Wiener Staatsballett in "Don Juan" in der Volksoper in Wien. Siehe dazu auch: <a href="http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/buehne/708343_Wuestling-dreigeteilt.html" target="_blank"> Wüstling, dreigeteilt</a>

Der Pavillon X am Otto-Wagner-Areal. Das gesamte Areal bleibt im Eigentum der Stadt Wien. Nutzungsrechte für die Pavillons werden nur zeitlich begrenzt und für geeignete Nutzungsformen vergeben werden. Schneebedeckte Häuser in West Seneca im US-Bundesstaat New York. Für Donnerstag werden weite Schneefälle erwartet.

Die Fleischerei RINGL in der Gumpendorferstraße ist einer der letzten "traditionellen" Betriebe in Wien, die alles selbst machen. 23.11.2014 - Eine Impression vom Pride-Marsch der Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (LGBT)-Initiative im indischen Bangalore.

Werbung