Istanbul/Damaskus/New York.

Ankara ist nicht bereit, sich eine weitere Provokation gefallen zu lassen. Das war auch die Botschaft, die der türkische Ministerpräsident Freitag in Istanbulan die Adresse des syrischen Regimes von Bashar al-Assad richtete. Wer die Abwehrfähigkeit der Türkei testen wolle, mache einen tödlichen Fehler, warnte Recip Tayyip Erdogan vor einer Gruppe von Demonstranten. "Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind nicht weit davon entfernt." "Wer Frieden haben will, muss auf den Krieg vorbereitet sein", zitierte die türkische Zeitung "Hürriyet" den AKP-Politiker.
Auch Damaskus verzichtete trotz der Spannungen nicht auf neue verbale Sticheleien gegen den Ex-Verbündeten. Der syrische UNO-Botschafter Bashar Jaafari wies am Vortag Berichte zurück, wonach sich Syriens Regierung bei Ankara wegen des Mörserbeschusses vom Mittwoch schriftlich entschuldigt habe. Die Regierung untersuche den Vorfall derzeit, von einer Entschuldigung könne keine Rede sein, sagte er gegenüber der libanesischen Zeitung "El Nashra". Die Regierung habe lediglich den getöteten Zivilisten "ihr Bedauern und ihre Solidarität" ausgesprochen. Ankara hatte zuvor von einem öffentlichen Entschuldigungsschreiben berichtet. Die syrische Regierung habe ein Jahr und acht Monate - gemeint war der Beginn des syrischen Volksaufstandes - auf eine Entschuldigung für türkische "Aktionen" in Syrien gewartet, meinte Jaafari. Warum solle sich Damaskus umgekehrt bemüßigt fühlen, um Verzeihung zu ersuchen. Darüber hinaus wisse niemand, wer für den Zwischenfall von Mittwoch verantwortlich sei. Es gebe viele, die Interesse an einer Verschlechterung der bilateralen Beziehungen hätten, so Jaafari in Anspielung auf syrische Oppositionsgruppen und deren arabische und westliche Verbündete.
Rebellen drohen mit Ermordung von Geiseln
Eine der Rebelleneinheiten drohte am Freitag damit, 45 iranische Geiseln zu ermorden, die sich seit August in ihrer Gewalt befinden. Die Verhandlungen mit der syrischen und der iranischen Regierung über eine Freilassung der Geiseln seien gescheitert, begründete ein Rebellenführer in einem Video, das arabische Fernsehsender am Freitag veröffentlichten, den Beschluss. Die Revolutionäre hatten die Freilassung ihrer Gefangenen und ein Ende der "willkürlichen Angriffe auf wehrlose Zivilisten" gefordert, diese wurden offenbar nicht erfüllt. Mit der Tötung der Geiseln, von denen laut Rebellen die meisten den iranischen Revolutionsgarden angehören, würde am Samstag begonnen, hieß es. Auch die Angriffe gingen weiter: Die Armee nahm vor allem die Städte Homs, Aleppo und Damaskus ins Visier.