• vom 07.10.2012, 15:36 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.10.2012, 15:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Längst nicht alle angekündigten Vorhaben sind umgesetzt

100 Tage Präsident in Ägypten: "Mursi-Meter" gibt schlechte Noten



  • Mursis Vorgänger Husni Mubarak war im Februar 2011 nach knapp drei Jahrzehnten an der Macht und wochenlangen Massenprotesten gestürzt worden.

Bei einer Rede zum Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs, bei dem ägyptische und syrische Streitkräfte Israel angriffen, räumte Mursi am Samstag vor Tausenden Anhängern ein, noch nicht alles umgesetzt zu haben - aber immerhin 70 Prozent. - APAweb/REUTERS/Egyptian Presidency/Handout

Bei einer Rede zum Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs, bei dem ägyptische und syrische Streitkräfte Israel angriffen, räumte Mursi am Samstag vor Tausenden Anhängern ein, noch nicht alles umgesetzt zu haben - aber immerhin 70 Prozent. APAweb/REUTERS/Egyptian Presidency/Handout

Kairo. Nach 100 Tagen im Amt darf Ägyptens neuer Präsident Mursi nicht mehr auf Nachsicht hoffen. Längst nicht alle angekündigten Vorhaben sind umgesetzt. Auf dem "Mursi-Meter" gibt das schlechte Noten.

  Ägyptens neuer Präsident Mohammed Mursi bekommt für die ersten 100 Tage im Amt eher schlechte Noten. In einem von Aktivisten ins Internet gestellten "Mursi-Meter" gaben 58 Prozent der Nutzer an, zum Ende der Schonfrist unzufrieden mit der Arbeit des Islamisten zu sein. 42 Prozent äußerten sich aber auch zufrieden. Das Staatsoberhaupt selbst räumte ein, nicht alle selbstgesteckten Ziele erreicht zu haben.

Das "Mursi-Meter"  
Nach seiner Wahl im Juni hatte Mursi, dessen politische Heimat die Muslimbruderschaft ist, 64 Vorhaben genannt, die er in den ersten 100 Tagen umsetzen wollte. Die Aufgabenliste liest sich in Teilen eher wie die eines Kleinstadtbürgermeisters - und nicht wie die des Präsidenten eines Riesenlandes im Umbruch. So geht es etwa um Parkplätze für Minibusse, ein besseres Ampelsystem oder die Straßenreinigung.

  Zugleich werden aber auch Themen angesprochen, die das Land emotionalisieren, wie die Reform des verhassten Polizeiapparates und die Sicherung der Brot-, Benzin- und Gasversorgung. Das "Mursi-Meter" bilanzierte am Sonntag, Tag 99, allerdings, dass das neue Staatsoberhaupt nur fünf seiner genannten Ziele erreicht habe.

  Bei einer Rede zum Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs, bei dem ägyptische und syrische Streitkräfte Israel angriffen, räumte Mursi am Samstag vor Tausenden Anhängern ein, noch nicht alles umgesetzt zu haben - aber immerhin 70 Prozent. Das reiche nicht aus, und er werde weiterarbeiten, bis alle Aufgaben erfüllt seien, versprach er.

  Zugleich verurteilte er die jüngsten Übergriffe von Islamisten auf christliche Kopten. "Jeder Angriff auf Kopten ist auch ein Angriff auf mich", sagte Mursi. Der Präsident hatte sich vor wenigen Tagen medienwirksam mit koptischen Familien aus dem Grenzort Rafah auf der Sinai-Halbinsel getroffen. Zuvor waren dort Flugblätter mit dem Aufruf verteilt worden, alle Christen zu vertreiben. Zwischen Muslimen und Kopten kommt es in Ägypten immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen.

  Mursis Vorgänger Husni Mubarak war im Februar 2011 nach knapp drei Jahrzehnten an der Macht und wochenlangen Massenprotesten gestürzt worden. Zu den ersten Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz hatte die Jugendbewegung vornehmlich über das Internet mobilisiert.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-07 15:37:23
Letzte Änderung am 2012-10-07 15:39:00


Beliebte Inhalte



Abdo ist mit seiner Familie aus Syrien in den Libanon geflohen und wohnt nun in einer Garage. Vor der Tür seiner Behausung ist eine Zeltstadt für Flüchtlinge entstanden. T. Seifert
  • Kann eine geplante internationale Syrien-Konferenz das Land vor dem völligen Abgleiten ins Chaos bewahren?
  • weiter

Brot für Deir al-Zor. Ein junges Mädchen verkauft an einer zerstörten Straßenecke Brot. - reuters
  • Zahl der Kriegsopfer und Flüchtlinge droht die Helfer zu überfordern.
  • weiter

Dana Sleiman, Sprecherin des UNHCR im Libanon. - T. Seifert
  • UNO-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit einer Verschärfung der Flüchtlingskrise.
  • weiter

Verlierer des syrischen Bürgerkriegs ist die Bevölkerung. Viele Gebiete sind praktisch unbewohnbar (hier:  Deir al-Zor ). Die UNHCR zählt bereits 1,5 Millionen Flüchtlinge. - Foto: apaWeb / Reuters - Khalil Ashawi
  • Vorbereitungen für eine Offensive der Regierung in Qusayr
  • weiter
  • Update vor 46 Min.

PKK-Mitglieder sammeln Unterschriften für die Freilassung Öcalans am Fuße der Zitadelle in Erbil. - sven
  • Syrien-Konflikt beflügelt Frieden zwischen Kurden und Türken.
  • weiter

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad soll verschiedenen Medienberichten zufolge am 29. April für sieben Stunden verhaftet worden sollen sein...weiter

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will ein härteres Vorgehen gegen Syrien. - APAweb / Reuters, Umit Bektas
  • USA setzen auf politische Lösung.
  • weiter

Dominik N. und zwei Finnen sind frei. - APAweb / APA, Robert Jäger
  • Dominik N. wird im Heeresspital betreut.
  • weiter

PKK-Mitglieder sammeln Unterschriften für die Freilassung Öcalans am Fuße der Zitadelle in Erbil. - sven
  • Syrien-Konflikt beflügelt Frieden zwischen Kurden und Türken.
  • weiter

Probe für den Ernstfall? Israelische Soldaten stürmen bei einer Übung ein Gebäude. - epa
  • Israels Alleingang kommt angesichts der Sicherheitsrats-Blockade nicht ungelegen.
  • weiter




Werbung



Umfrage

Werbung


Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung