
Caracas. In Venezuela hat am Sonntag die mit großer Spannung erwartete Präsidentenwahl begonnen. Die Bevölkerung entscheidet über die politische Zukunft des sozialistischen Staatschefs Hugo Chavez. Der 58-Jährige tritt trotz seiner Krebsoperationen für eine weitere Amtszeit an. Nach knapp 14 Jahren an der Macht ist Chavez mit dem Oppositionspolitiker Henrique Capriles erstmals ein ernster Gegner erwachsen. Umfragen deuteten zuletzt auf ein knappes Rennen hin. Vor einigen Wahllokalen bildeten sich Warteschlangen lange vor Beginn der Abstimmung. Trotz einiger Verzögerungen verlief die Wahl reibungslos. "Der Kampf hat begonnen", schrieb Chavez auf dem Kurznachrichtendienst Twitter am Morgen. "Heute werden wir ein weiteres Kapital in der Geschichte schreiben".
Das Ergebnis wird in der Nacht auf Montag erwartet. In der Hauptstadt Caracas riefen Anhänger des Staatschefs: "Lang lebe Chavez". Auch Capriles äußerte sich auf Twitter: "Heute entscheiden wir über die Zukunft Venezuelas". Einige seiner Unterstützer hatten aus Protest gegen Chavez die gesamte Nacht über auf Töpfen und Pfannen getrommelt.
Der frühere Offizier Chavez hat mit seiner Politik der Verstaatlichung und Umverteilung die Gesellschaft in dem ölreichen Land tief gespalten. Seine Anhänger verweisen auf eine niedrigere Armut und bessere Grundversorgung in Elendsvierteln. Seine Kritiker prangern die hohe Arbeitslosigkeit, wachsende Kriminalität sowie Vetternwirtschaft in Staatsbetrieben an.
Herausforderer Capriles propagiert eine Kombination aus freier Marktwirtschaft und Sozialpolitik. Als Vorbild nennt der 40-jährige Jurist den früheren brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, der als pragmatischer Linker gilt. Auch deshalb hoffen ausländische Investoren auf einen Sieg des ehemaligen Gouverneurs und ein Ende der Verstaatlichungswelle. Ein Machtwechsel in Caracas hätte nicht nur Auswirkungen auf andere links-gerichtete Regierungen in der Region, sondern auch auf das Verhältnis zu den USA.