Damaskus/Doha/Washington. Der Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi wird am Wochenende noch einmal in Damaskus vorsprechen - allerdings ohne einen konkreten Friedensplan. Brahimi werde am Samstag in der syrischen Hauptstadt erwartet, meldete das Staatsfernsehen am Donnerstag. Ob der Vermittler von UNO und Arabischer Liga bei seinem zweiten Besuch in Syrien Präsident Bashar al-Assad treffen wird, blieb offen. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der Opposition gehen indes unvermindert weiter, bei einem Luftangriff im Nordwesten des Landes kamen 44 Menschen ums Leben.
Die syrische Regierung hat bisher nicht einmal Brahimis Vorschlag für eine Waffenruhe während des islamischen Opferfestes Eid al-Adha in der kommenden Woche zugestimmt. Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) erklärte sich in der Angelegenheit für nicht zuständig. "Der SNC kann über Brahimis Vorschlag nicht entscheiden, denn dieser betrifft die bewaffneten Gruppen in Syrien", sagte Mohammed Najati Tajjara.
Iran für Waffenstillstand
Der Iran hingegen kündigte seine Unterstützung für Brahimis Vorschlag an. "Die anhaltenden Kämpfe und das Morden unschuldiger und unbewaffneter syrischer Staatsbürger sind inakzeptabel", so der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad in einer Erklärung, die am Donnerstag in kuwaitischen Medien veröffentlicht wurde. Die Lösung für den Konflikt müsse aber "vom syrischen Volk kommen".
Unterdessen setzte die syrische Luftwaffe ihre Angriffe auf die Rebellenhochburgen fort. Landesweit starben am Donnerstag laut Aktivisten 98 Menschen. Am heftigsten tobten die Kämpfe im Umland von Damaskus und in der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei. Bei einem Luftagriff auf die Stadt Maaret al-Numan kamen laut Rettungskräften insgesamt 44 Menschen ums Leben. Zuvor hatte ein Arzt von mindestens 20 Toten und 30 Vermissten gesprochen. Kampfflugzeuge der syrischen Luftwaffe hatten die Stadt den ganzen Vormittag überflogen.
EU-Sanktionen treffen angeblich Volk
Das Assad-Regime, das auf die EU-Sanktionen anfangs noch mit einem Schulterzucken reagiert hatte, erklärte derweil, die Zwangsmaßnahmen zeigten jetzt Wirkung. Sie träfen aber nicht die Führungsriege, sondern das Volk. Ein Beamter des Außenministeriums erklärte: "Diese Sanktionen treffen den syrischen Bürger. Sie haben aus einem Bürger, der von seiner eigenen Hände Arbeit lebt, einen Empfänger humanitärer Hilfe gemacht."