• vom 18.10.2012, 17:23 Uhr

Weltpolitik

Update: 18.10.2012, 19:32 Uhr

CIA

"Langer und blutiger Bürgerkrieg"




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Von Ramon Schack aus Berlin

  • Peter Scholl-Latour: "Das Syrien von Bashar al-Assad ist der letzte säkulare Staat in der Region"
  • Nahost-Experte Scholl-Latour: Westen hat nichts aus dem Arabischen Frühling gelernt.

Peter Scholl-Latour über Syrien: Es geht um den Iran, nicht um Freiheit und Menschenrechte. - © dapd

Peter Scholl-Latour über Syrien: Es geht um den Iran, nicht um Freiheit und Menschenrechte. © dapd

"Wiener Zeitung": Herr Scholl-Latour, die Spannungen zwischen Syrien und der Türkei nehmen beständig zu.

Peter Scholl-Latour: Damaskus und Ankara haben gegenseitige Luftraumsperren verhängt. Der türkische Außenminister drohte, dass bei weiteren Grenzverletzungen durch Syrien "ohne Zögern" zurückgeschlagen werde. Die Türkei hat eine radikale Kehrtwende vollzogen, bezüglich ihrer Politik gegenüber Syrien, die bis vor kurzem noch von einer engen Zusammenarbeit gekennzeichnet war. Assad kann kein Interesse daran haben, jetzt auch noch die Türkei militärisch gegen sich aufzubringen. Schon seit Beginn des jüngsten Aufstands erhalten die Aufständischen Nachschub auch über die türkische Grenze.

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Was bezweckt Ankara mit einer Einmischung in Syrien?

Darüber kann man nur spekulieren. Sicher ist die Regierung Erdogan daran interessiert, die Türkei als sunnitische Vormacht in der Region zu etablieren. Dieses Unterfangen ist aber für die Türkei nicht risikolos, denn auch unter syrischen Sunniten hegt man eher zwiespältige Gefühle - gegenüber einer türkischen Vormachtstellung, basierend auf den historischen Erinnerungen an die Osmanische Herrschaft. Aus der türkischen Perspektive stellt sich noch natürlich ein ganz anderes, viel drängenderes Problem da.

Welches?

Das kurdische Problem. Der syrische Präsident hat sich ja schon damit abfinden müssen, den im Nordosten seines Staatsgebietes lebenden Kurden, deren Anzahl etwa zwei Millionen beträgt, eine ähnliche Souveränität einzuräumen wie den Kurden im benachbarten Irak. In Ankara sieht man diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis, da diese souveränen Territorien natürlich auch eine Sogwirkung ausüben könnten, auf die Kurden in der Türkei. In letzter Zeit gab es ja in den türkischen Kurdengebieten wieder verstärkte Aktivitäten der PKK, die ja schon als besiegt galt.

Im Westen fordert man den Abgang Assads.

Im Westen hat man anscheinend noch immer nichts aus dem sogenannten "Arabischen Frühling" gelernt. Wahrscheinlich träumt man immer noch von einer automatischen Hinwendung zu Demokratie und Marktwirtschaft in Syrien, wenn Assad erst einmal weg ist. Das Gegenteil wird der Fall sein. Ein nicht unerheblicher Anteil der Aufständischen in Syrien ist auf einen radikalen Islamismus eingeschworen, der von den reaktionären Golf-Monarchien Saudi-Arabien und Katar unterstützt wird, der sich letztendlich auch gegen den Westen richten wird. Man ignoriert dabei gerne, dass mit dem Syrien Bashar al-Assads der letzte säkulare Staat in der Region untergehen würde, mit fatalen Folgen für die Christen und andere religiöse Minderheiten dort.

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Dokument erstellt am 2012-10-18 17:29:11
Letzte nderung am 2012-10-18 19:32:05




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