
Seoul/Pjöngjang. Nordkorea und Südkorea gehen wieder auf Konfrontationskurs: Die Streitkräfte des kommunistischen Nordkorea drohten am Freitag mit "gnadenlosen Militärschlägen" ohne Vorwarnung auf Grenzgebiete im Nachbarland, sollten erneut anti-nordkoreanische Flugblätter aus Südkorea über die Grenze gelangen, hieß es am Freitag in einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.
Nordkoreanische Exilanten planen für Montag, 200.000 regierungsfeindliche Flugblätter mit Ballons aus Südkorea in den Norden zu schicken. Das weithin abgeschottete Nordkorea fühlt sich durch Aktionen wie diese provoziert und macht die südkoreanische Regierung dafür verantwortlich.
Eine "unverzeihliche Herausforderung"
Solche Aktionen seien eine "unverzeihliche Herausforderung für die Armee und Bevölkerung der Volksrepublik", zitierten die staatlichen Medien Nordkoreas eine Erklärung des Westlichen Frontkommandos der Volksarmee. Die Bewohner in den betroffenen südkoreanischen Grenzgebieten sollten sich in Sicherheit bringen. Ziel eines Militärschlages werde ein Touristengebiet nahe der Grenzstadt Paju sein, hieß es in der KCNA-Meldung. Der Ort liegt nur wenige Kilometer von der Demarkationslinie entfernt, die beide Länder trennt.
Südkoreas Verteidigungsminister Kim Kwan-jin sagte, auf einen Schlag aus dem Norden werde es die entsprechende Antwort geben. "Wenn das passiert, werden wir zurückschlagen", sagte Kim der Nachrichtenagentur Yonhap.
Südkoreas Außenminister Kim Sung-hwan äußerte unterdessen die Hoffnung, dass die erneute Wahl seines Landes in den Weltsicherheitsrat dazu beitragen könne, Nordkorea von Provokationen abzuhalten. Südkorea habe nun eine "bedeutende Abschreckung", da das Land direkt an den Diskussionen im mächtigsten UNO-Gremium teilnehmen könne, sagte Kim vor Journalisten in Seoul. Als Mitglied des Rats wolle Südkorea seine Rolle in der internationalen Gemeinschaft stärken, um den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in der Welt zu festigen.
Das ostasiatische Land war am Donnerstag neben Argentinien, Ruanda, Australien und Luxemburg zu einem neuen nichtständigen Mitglied des Rats in New York gewählt worden.
Gegner der nordkoreanischen Regierung in Südkorea, darunter Überläufer aus dem Norden, schicken regelmäßig Flugblätter über die Grenze, in denen sie das autoritäre Regime in Pjöngjang anprangern und zum Sturz des Machthabers Kim Jong-un aufrufen.
Die für Montag geplante Aktion ist die zweite dieser Art binnen eines Jahres. An einigen der Flugblätter sind Ein-Dollar-Scheine angebracht. "Wir hatten ähnliche Drohungen im vergangenen Jahr, und sie haben uns nicht stoppen können, und sie werden uns auch diesen Mal nicht aufhalten", sagte Pak Sang-hak, Chef einer Allianz nordkoreanischer Oppositioneller in Südkorea.
Seit dem Krieg 1950-1953 befinden sich Nord- und Südkorea offiziell im Kriegszustand. Seither gilt lediglich ein Waffenstillstand. Vor knapp zwei Jahren wurden beim Beschuss einer südkoreanischen Insel durch Nordkorea mehrere Zivilisten getötet. Nordkorea wird auch für die Versenkung eines südkoreanischen Marineschiffes verantwortlich gemacht.