Nach dem Mord an acht Menschen durch eine Autobombe hat die libanesische Regierung für Samstag Staatstrauer ausgerufen. Aus Protest gegen den Anschlag besetzten aufgebrachte Libanesen zahlreiche Straßen. Sie demonstrierten nach Behördenangaben in mehrheitlich von Sunniten bewohnten Vierteln in Beirut, in der südlich gelegenen Stadt Sidon, in Tripoli im Norden sowie in mehreren Städten im Bekaa-Tal im Osten des Landes.
Aufgebrachte Demonstranten zündeten Reifen an. Anlässlich des Trauertags blieben Geschäfte und Schulen geschlossen, an allen Regierungsgebäuden wehten die Fahnen auf halbmast.
Bei dem Anschlag am Freitag wurden der Chef des libanesischen Polizeigeheimdienstes sowie sieben weitere Menschen getötet. Dutzende Menschen wurden bei der Explosion der Autobombe verletzt, deren Ziel nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur der Fahrzeugkonvoi von Geheimdienstchef Wissam al-Hassan war.
Wer hinter dem Anschlag steckt und ob es möglicherweise eine Verbindung zum Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien gibt, war zunächst unklar. Die syrische Regierung verurteilte das Attentat scharf. Es sei ein "feiger terroristischer Angriff" gewesen, sagte der syrische Informationsminister Omran al-Subi.
Die Hisbollah, der engste Verbündete des syrischen Regimes im Libanon, erklärte, sie sei schockiert über das "furchtbare terroristische Verbrechen" und rief die Behörden auf, die Täter zu fassen. Alle politischen Kräfte im Libanon müssten gegen "jeden Verschwörer wider das Leben und die Sicherheit der Nation" zusammenarbeiten.
Gefahr für die Region
"Es gibt keine Rechtfertigung dafür, einen Mordanschlag als politisches Werkzeug zu nutzen", sagte Tommy Vietor, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in Washington. Die USA würde der libanesischen Regierung zur Seite stehen, während sie die Verantwortlichen für die "barbarische" Tat mit acht Toten zu Verantwortung zöge. Vietor betonte, dass die Sicherheit des Landes sehr bedeutend für die Stabilität in der Region sei.
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Anschlag. Das Attentat müsste gründlich aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, forderte Ban am Freitag in New York in einer Mitteilung. Er rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem "abscheulichen Terrorakt" nicht provozieren zu lassen.
Der UNO-Sicherheitsrat sprach in einer einstimmig von allen 15 Mitgliedern des Rates verabschiedeten Erklärung von einer "abscheulichen Tat". Die Bevölkerung des Libanon solle sich nicht darin beirren lassen, die Einheit des Landes und die Stabilität zu wahren.
US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte hat den Bombenanschlag in Beirut scharf und warnte und vor einer Destabilisierung des Libanon. Sie sprach in Washington von "Terrorismus". Dass der Chef des Polizei-Geheimdienstes, Wissam al-Hassan, zu den Todesopfern zähle, sei ein "gefährliches Zeichen, dass es Menschen gibt, die weiter versuchen, die Stabilität des Libanon zu untergraben".
"Der Libanon muss das Kapitel seiner Vergangenheit schließen und die Straffreiheit für politische Morde und andere politisch motivierte Gewalt beenden", forderte die US-Chefdiplomatin. Zugleich rief sie alle Seiten dazu auf, "sich in Zurückhaltung zu üben und die Stabilität und Sicherheit des Libanon zu respektieren". Zuvor hatte der Sprecher des US-Sicherheitsrats, Tommy Vietor, erklärt, die USA stünden dem Libanon bei seinen Bemühungen bei, "die Verantwortlichen für diesen barbarischen Angriff zur Rechenschaft zu ziehen".
In den Jahren 2005 bis 2008 war der Libanon von einer Mordserie erschüttert worden, der zumeist syrienkritische Persönlichkeiten, unter ihnen Ex-Regierungschef Rafik Hariri, zum Opfer fielen. Syrien verstand sich lange Zeit als Schutzmacht des Libanon. Der in Syrien seit gut anderthalb Jahren wütende Konflikt zwischen den Truppen von Staatschef Bashar al-Assad und aufständischen Kämpfern weckte Befürchtungen, der Konflikt könne auf das Nachbarland übergreifen.
Die libanesische Presse war sich am Samstag einig, dass der Anschlag vom Vortag die Lage des Landes drastisch verändert. Der Mord an al-Hassan, "der Speerspitze gegen das syrische Regime", habe den Libanon "von einem Ufer zum anderen gebracht, mit allen Gefahren, die der Stabilität und der Sicherheit auflauern", schrieb "Al-Nahar", eine der syrienfeindlichen Opposition nahestehende Zeitung. "Der zivile Frieden ist in Gefahr", titelte "Al-Safir".