
Havanna/Caracas. Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro ist mit einem venezolanischen Politiker in Havanna zusammengetroffen und damit Spekulationen über seinen angeblich sehr schlechten Gesundheitszustand entgegen getreten. Venezuelas früherer Vizepräsident Elias Jaua sagte am Sonntag, Castro gehe es "sehr gut". Er habe sich am Samstag fünf Stunden lang mit Castro über Landwirtschaft, Geschichte und internationale Politik unterhalten. Dieser sei bei "ganz klarem Verstand".
Jaua erzählte, nach dem Treffen habe Castro ihn zu seinem Hotel gebracht. Dort habe er mit einem Sombrero als Kopfbedeckung gemeinsam mit Hotelangestellten für Fotos posiert. Der Direktor des Hotel Nacional, Antonio Martinez, sagte, Castros Frau Dalia Soto del Valle habe ihren Mann begleitet. Jaua zeigte den Journalisten unter anderem Fotografien, auf denen ein lächelnder Castro mit seiner Frau und dem Hoteldirektor in einem Fahrzeug zu sehen ist. Fernsehaufnahmen waren von dem Treffen zunächst nicht im Umlauf.
Mehrere Monate nicht mehr in der Öffentlichkeit
Jaua tritt Mitte Dezember bei der Wahl zum Gouverneur des Bundesstaats Miranda als Kandidat der sozialistischen Regierungspartei von Präsident Hugo Chavez an. Der derzeitige Amtsinhaber ist der konservative Henrique Capriles, der Chavez bei der Präsidentschaftswahl am 7. Oktober unterlag. Am 10. Oktober trat der bisherige venezolanische Außenminister Nicolas Maduro Jauas Nachfolge als Vizepräsident an.
Zuletzt war Castro vor mehreren Monaten in der Öffentlichkeit gesehen worden. Ende März traf er in Havanna mit Papst Benedikt XVI. zusammen und Anfang April mit der chilenischen Studentenführerin Camila Vallejo. Seit Juni war auch keine seiner regelmäßig veröffentlichten "Reflexiones" (Betrachtungen) mehr erschienen. Angesichts von Gerüchten über den Tod des 86-Jährigen hatte sein Sohn, der Fotograf Alex Castro Soto del Valle erklärt, sein Vater sei wohlauf, gehe seinen täglichen Aktivitäten nach, treibe Sport, lese und halte sich in Form.
Seit 2008 regiert der Bruder
Auch nahm Fidel Castro am Sonntag an den Kommunalwahlen teil. Er schickte seinen Wahlzettel per Boten an sein Wahllokal in Havanna, wie die Webseite der Regierung Cubadebate am Abend berichtete. Bereits in den vergangenen Jahren seit seiner Erkrankung hatte sich Castro stets für die Briefwahl entschieden. Castro, der fast ein halbes Jahrhundert an der Spitze des karibischen Inselstaats gestanden war, hatte die Macht 2006 aus gesundheitlichen Gründen an seinen jüngeren Bruder Raul abgegeben.
In den vergangenen Tagen waren wieder einmal Gerüchte über den Gesundheitszustand Fidel Castros im Umlauf gewesen. Vor allem im sozialen Netzwerk Twitter sorgten Interview-Äußerungen des venezolanischen Arztes Jose Rafael Marquina für Gesprächsstoff. Der aus Venezuela emigrierte Mediziner hatte am Donnerstag der Zeitung "ABC" in Spanien gesagt, Fidel Castro habe eine "massive Embolie" in einer Arterie der rechten Gehirnhälfte erlitten. Staatliche Medien in Venezuela bezeichneten den Mediziner als "Scharlatan". Er habe auch falsche Prognosen über den Gesundheitszustand von Präsident Chavez gemacht.