Washington. Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat Wirbelsturm "Sandy" die Wahlkampfparolen beider Kandidaten verstummen lassen. Während Präsident Barack Obama seine Wahlkampftermine auch für Mittwoch absagte, sammelte sein Herausforderer Mitt Romney am Dienstag Spenden für die Sturmopfer. Romney geriet aber in Erklärungsnot, weil er im Vorwahlkampf den nationalen Katastrophenschutz infrage gestellt hatte.
"Der Präsident wird in Washington bleiben, um den Umgang mit dem Hurrikan zu überwachen", teilte Regierungssprecher Jay Carney am Dienstag mit. Obama wolle sicherstellen, dass "weiter alle Ressourcen" der Bundesebene zur Unterstützung der Bundesstaaten und der örtlichen Behörden zur Verfügung gestellt würden. Bei einer Telefonkonferenz zur Koordinierung der Katastrophenschutzmaßnahmen drückte Obama den Angehörigen der Sturmopfer sein Mitgefühl aus.
Republikanisches Lob für Obama
Für sein Krisenmanagement erhielt Obama unerwartetes Lob aus dem Lager der Republikaner. "Der Präsident war großartig, ich habe gestern drei Mal mit ihm telefoniert, zuletzt hat er mich um Mitternacht angerufen und gefragt, was wir brauchen", sagte Chris Christie, Gouverneur des Bundesstaats New Jersey und Parteifreund von Romney. Der Einsatz Obamas verdiene "große Anerkennung". Christie gilt als Aspirant auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur in vier Jahren, sollte Romney bei der Wahl am kommenden Dienstag verlieren.
Romney hatte seine Wahlkampftermine für Dienstag abgesagt. Einen geplanten Auftritt im besonders umkämpften Bundesstaat Ohio wandelte der Republikaner in eine Spendenveranstaltung für Sturmopfer um. "Unsere Herzen sind schwer angesichts des Leids in einem großen Teil unseres Landes", sagte Romney in Kettering. Am Mittwoch wollte Romney wie geplant drei Wahlkampfauftritte in Florida absolvieren. Dem Bundesstaat, in dem sich die Mehrheit für die Demokraten und Republikaner traditionell abwechseln, kommt ebenfalls eine entscheidende Rolle im Rennen um das Weiße Haus zu.
Romney wurde am Dienstag mit Äußerungen aus einer Debatte im Vorwahlkampf der Republikaner konfrontiert, bei der er die Rolle der Bundesregierung beim Katastrophenschutz infrage gestellt hatte. "Jedes Mal, wenn man die Möglichkeit hat, etwas von der Bundesregierung wegzunehmen und zurück zu den Bundesstaaten zu senden, dann ist das die richtige Entscheidung", sagte er vergangenes Jahr auf eine Frage nach der nationalen Katastrophenschutzbehörde FEMA. "Und wenn man sogar noch weiter geht und es privatisiert, dann ist es noch besser."