
New York. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat den Palästinensern grundsätzlich die Eigenstaatlichkeit zugebilligt. Der Antrag zur Aufwertung des Westjordanlands und des Gazastreifens zum Beobachterstaat ("non-member state") wurde am Donnerstagabend (MEZ) von 138 Staaten unterstützt. Neun Länder sprachen sich gegen den Antrag aus, 41 enthielten sich der Stimme.
Damit haben die Palästinenser einen mit dem Vatikan vergleichbaren Status. Zudem können die Palästinenser internationalen Organisationen wie dem Strafgerichtshof in Den Haag beitreten.
Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde und PLO-Vorsitzende Mahmoud Abbas erklärte vor der Abstimmung, man wolle nicht einem Staat, nämlich Israel, die Legitimität nehmen, man wolle vielmehr die Legitimität Palästinas bestätigen.
Im Westjordanland und im Gazastreifen wurde die Nachricht aus New York mit Freudenfesten, Hupkonzerten und Schüssen in die Luft begrüßt. Die größte Kundgebung gab es in Ramallah. In dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Westjordanlandes verfolgten etwa 3.000 Menschen die kämpferische UNO-Rede von Mahmud Abbas unter großem Beifall. Nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses schwenkten Männer, Frauen und Kinder zu patriotischer Musik und Tanzaufführungen palästinensische Flaggen. Auch im Gazastreifen füllten sich die Straßen rasch mit begeisterten Menschen.
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon interpretierte das Ergebnis als einen Aufruf zur Wiederaufnahme von Verhandlungen. Er rief Israel und die Palästinenser zu verantwortungsbewusstem Handeln auf und appellierte an die internationale Gemeinschaft, neue Verhandlungen voll zu unterstützen. "Ich glaube, dass die Palästinenser das Recht haben, in ihrem eigenen unabhängigen Staat zu leben. Ich glaube, dass Israel das Recht hat, in Frieden und Sicherheit mit seinen Nachbarn zu leben", sagte Ban vor der Vollversammlung.
Die USA sind skeptisch
Die USA und Israel lehnten die Aufwertung der Palästinenser-Gebiete mit dem Argument ab, eine volle Staatlichkeit könne erst am Ende von Friedensverhandlungen stehen. "Der Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung, die den Wünschen des palästinensischen Volkes entspricht, führt über Jerusalem und Ramallah und nicht über New York", brachte Außenministerin Hillary Clinton vor dem Votum die Haltung der US-Regierung auf den Punkt.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu warnte nach der Abstimmung vor iranischem Terror vom Westjordanland aus. "Wir werden es nicht zulassen, dass Judäa und Samaria (Westjordanland) so wie der Libanon und der Gazastreifen zu einem Stützpunkt für iranischen Terror werden", teilte sein Büro am Donnerstagabend mit. Die Anerkennung der Palästinenser als Beobachterstaat kommentierte er als Hardliner: Sie sei bedeutungslos und werde vor Ort nichts ändern. Ohne Sicherheitsgarantien für Israel werde es keinen Palästinenserstaat geben.
Deutschland enthielt sich der Stimme
Deutschland hat sich in der Abstimmung der Vollversammlung der Stimme wie angekündigt enthalten. Auch Kroatienwollte sich nicht entscheiden Kroatien unterstütze vollkommen den Grundsatz der Zwei-Staaten-Lösung, die in ihren Grundfesten das Recht Israels nach einem Leben in Frieden und Sicherheit haben werde, sowie ein Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat, hieß es in einem Statement des Außenministeriums.

Deutschland befürchtet, dass das Votum den Friedensprozess belasten könnte. "Das könnte uns weiter von einer friedlichen Lösung entfernen", sagte Berlins UNO-Botschafter Peter Wittig am Donnerstag nach der Anerkennung Palästinas als Beobachterstaat. "Wir glauben an zwei Völker in zwei Staaten. Der palästinensische Staat kann aber nur durch direkte Friedensgespräche mit Israel kommen." Die Sicherheitsbedenken Israels müssten berücksichtigt werden, sonst bleibe der Friedensprozess stecken.
Olmert für Palästinenserstaat
Mehr Unterstützung für das palästinensische Anliegen kam ausgerechnet von einem früheren israelischen Ministerpräsidenten: Ehud Olmert stellte sich hinter die Forderung der Palästinenser nach Anerkennung ihrer Staatlichkeit durch die Vereinten Nationen. "Ich glaube, dass der palästinensische UN-Antrag im Einklang mit den grundlegenden Prinzipien der Zwei-Staaten-Lösung steht", sagte er der US-Zeitschrift The Daily Beast.