• vom 28.12.2012, 15:40 Uhr

Weltpolitik

Update: 28.12.2012, 15:50 Uhr

Melange

Auf eine Melange in Pjöngjang




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Von Luca Faccio

  • Eine Reise in Nordkoreas Hauptstadt ein Jahr nach der Einsetzung von Kim Jong-un
  • Nordkoreas Hauptstadt einmal anders: zwischen Wolkenkratzern und Bars.

Das Großmonument Mansudae im Stadtbezirk Chung-guyo, das Kim Il-sung und Kim Jong-il zeigt, ist eine Pilgerstätte für nordkoreanische Ausflügler. - © Luca Faccio/planet next

Das Großmonument Mansudae im Stadtbezirk Chung-guyo, das Kim Il-sung und Kim Jong-il zeigt, ist eine Pilgerstätte für nordkoreanische Ausflügler. © Luca Faccio/planet next

Pjöngjang. Die Gruppen deutscher, chinesischer und amerikanischer Touristen, die die Bänke auf dem internationalen Flughafen Sousan besetzen, dürfen nicht täuschen. Sicher, das Lächeln und die Erinnerungsfotos mit Grenzsoldaten sind ein Bild, das bis vor wenigen Jahren dem unvorsichtigen Besucher die sofortige Ausweisung eingebracht hätte. Aber hinter dieser scheinbaren Normalität verbirgt sich ein Land, das noch immer hermetisch abgeschlossen ist, in dem der Informationsfluss noch immer der Zensur unterliegt und die von oben verfügte Ordnung noch immer die gleiche ist: Es gilt zu verhindern, dass "antirevolutionäres und kapitalistisches Material" in den Häusern des nordkoreanischen Volkes zirkuliert.


Zeichen des Kapitalismus
Ein Jahr nach Einsetzung von Kim Jong-un, des "jungen Führers", nach sind die ersten Zeichen des politischen und sozialen Wandels im isoliertesten Land unübersehbar. Auch wenn die letzte Herausforderung an die Welt, eine vor einigen Wochen abgefeuerte Rakete, zeigt, dass Nordkorea immer noch eine ernstliche Bedrohung des Westens bleibt.

Nach 20 Minuten Autofahrt sind die gläsernen Wolkenkratzer, die die neue Skyline der Stadt prägen, die erste Überraschung.

Viele der grauen Wohnbauten des "asiatischen Moskau" wurden abgerissen, erzählt stolz eine der Führerinnen. An ihrem Platz ist am Ufer des Flusses Taedong die neue City entstanden: "In nur 14 Monaten", präzisiert die Begleiterin zufrieden. In den Straßen Pjöngjangs rahmen an jeder Kreuzung eine Gruppe von Fahnen der Arbeiterpartei und Nordkoreas die sechsspurigen Verkehrswege ein. Der Verkehr ist höllisch und die Überquerung der Straßen von einem Gehsteig auf den anderen gleicht einem Lotto-Haupttreffer, trotz der Zebrastreifen, die hier niemand wirklich respektiert. Die Taxis sind noch immer die alten Ladas sowjetischer Bauart, aber auch Mercedes und Toyota fehlen nicht, die noch vor kurzem tabu waren.

Wandel in Pjöngjang: Nun gibt es dort auch ein Kaffeehaus (l.). An der Pilgerstätte für Kim Il-sung (M.). Ein gemeinsames Wochenende für Vater und Sohn. Luca Faccio/planet next

Wandel in Pjöngjang: Nun gibt es dort auch ein Kaffeehaus (l.). An der Pilgerstätte für Kim Il-sung (M.). Ein gemeinsames Wochenende für Vater und Sohn. Luca Faccio/planet next Wandel in Pjöngjang: Nun gibt es dort auch ein Kaffeehaus (l.). An der Pilgerstätte für Kim Il-sung (M.). Ein gemeinsames Wochenende für Vater und Sohn. Luca Faccio/planet next

Das ist ein Zeichen des steigenden Wohlstands im Land - zumindest für die Nomenklatura. Das Land befindet sich in einer schweren Krise, aber versucht langsame, behutsame Änderungen. Vor dem Geburtshaus Kim Il-sungs protzen einige Mädchen mit Markenhandtaschen - natürlich Fälschungen aus China -, während einige ihrer Freunde am Mobiltelefon tratschen. In Peking, Seoul oder Tokio wären das Szenen der Normalität, waren aber in Pjöngjang noch vor wenigen Jahren undenkbar, als man sich nur in den Parks traf und kaum jemand sich ein Abendessen in einem Restaurant leisten konnte.

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Dokument erstellt am 2012-12-28 15:44:12
Letzte Änderung am 2012-12-28 15:50:08




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