• vom 22.08.2013, 17:17 Uhr

Weltpolitik

Update: 22.08.2013, 17:48 Uhr

Prozess

Große Show im Schauprozess




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Von WZ-Korrespondent Wu Gang

  • Chinas KP will ein Exempel statuierten
  • Bo Xilai zeigt sich kämpferisch und widerruft am Tag eins sein Geständnis.

Klein und verletzlich sollte der Angeklagte wirken. Dafür hat das Gericht extra Polizisten einfliegen lassen, die den 1,83 Meter großen Bo Xilai noch um einen Kopf überragen.

Klein und verletzlich sollte der Angeklagte wirken. Dafür hat das Gericht extra Polizisten einfliegen lassen, die den 1,83 Meter großen Bo Xilai noch um einen Kopf überragen.© ap Klein und verletzlich sollte der Angeklagte wirken. Dafür hat das Gericht extra Polizisten einfliegen lassen, die den 1,83 Meter großen Bo Xilai noch um einen Kopf überragen.© ap

Peking. Es sind nur wenige Bilder, die das Volksgericht von Jinan über einen Mikroblog an die Öffentlichkeit weitergibt. Sie zeigen - erstmals seit seinem Verschwinden vor 17 Monaten - den angeklagten Bo Xilai, wie er sich einmal an einem Tischchen abstützt und ein andermal die Beine lässig übereinanderschlägt.

Und immer trägt der ehemalige chinesische Spitzenpolitiker ein mildes Lächeln im Gesicht, als würde er sich über das um und für ihn veranstaltete Schauspiel insgeheim amüsieren. Dabei hat sich das Gericht mit der Inszenierung alle Mühe gegeben und extra Polizisten einfliegen lassen, die den 1,83 Meter großen und etwas abgeschlankten Bo noch einmal um eine Kopfhöhe überragen. Klein sollte er wirken und reuig, so hätte es das Drehbuch der Parteiführung vorgesehen. Doch selbst die gefilterten Blog-Updates machen schon in den ersten Stunden des Prozesses klar: Bo Xilai kooperiert nicht. Und sollte es jemals einen Deal gegeben haben, der dem Angeklagten bei einem Geständnis ein milderes Urteil und Schonung für seine Familie ermöglicht - er ist mit den ersten Attacken gegen den Kronzeugen hinfällig.


Dabei war alles genau geplant: Kurz nach 8 Uhr morgens erreicht der Konvoi mit dem entmachteten und aus der KP ausgeschlossenen Ex-Parteichef von Chongqing den weiträumig abgesperrten Gerichtskomplex. Wie schon am Tag zuvor demonstrieren vor dem Gebäude sowohl Befürworter als auch Gegner des ehemaligen Politbüromitglieds, diesmal sind es jedoch bedeutend mehr und auch die Polizei schreitet häufiger ein. Ausländische Journalisten oder andere unabhängige Beobachter sind im Gebäude nicht zugelassen, im mit 110 ausgesuchten Personen gefüllten Sitzungssaal sitzen auch fünf Familienmitglieder wie Bos jüngere Schwester Xiaoying.

Der vorsitzende Richter spricht zu Prozessbeginn von einem "extrem komplizierten" Fall, der reich an Daten, Fakten und Zeugenaussagen sei. Gemessen daran wirkt die Anklage der Staatsanwalt jedoch dürftig: Bo werden "Bestechlichkeit, Unterschlagung und Amtsmissbrauch" in einer Gesamthöhe von rund 27 Millionen Yuan (3,3 Millionen Euro) vorgeworfen - überschaubare Vorwürfe für einen Mann, der ein weitaus höheres Vermögen außer Landes geschafft und politische Gegner mit skrupellosen Methoden hinter Gitter gebracht haben soll.

Bo weist alle Vorwürfe zurück
Konkret geht es in diesem Verfahren nur um zwei Anklagepunkte. Zum einen soll Bo als Bürgermeister von Dalian von Tang Xiao Ling, dem Chef der Dalian International Development Ltd. 1,1 Millionen Yuan angenommen haben. Knapp 22 Millionen Yuan sollen zudem vom Unternehmer Xu Ming, dem Präsidenten des Fußballclubs Dalian Shide, gekommen sein. Beim zweiten Vorwurf geht es um Machtmissbrauch: Bo soll seine Position als Parteichef und Gouverneur von Chongqing genutzt haben, um seine Frau Gu Kailai zu decken, die den britischen Geschäftsmann Neil Heywood im November 2011 vergiftet hatte.

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Schlagwörter

Prozess, China, Bo Xilai

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-08-22 17:20:05
Letzte nderung am 2013-08-22 17:48:03




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