• vom 26.09.2013, 18:30 Uhr

Weltpolitik

Update: 26.09.2013, 19:48 Uhr

Iran

"Israel trauert Ahmadinejad nach"




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Von Arian Faal

  • Atomgespräche
  • Iran-Experte Bahman Nirumand im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".



Am heutigen Freitag gehen die Atomgespräche zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und dem Iran in Wien in die nächste, entscheidende Runde. Zuvor haben sich die Außenminister der fünf UN-Vetomächte (USA, Großbritannien, Frankreich, China und Russland) plus Deutschland mit ihrem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif nach der vorsichtigen Annäherung zwischen Washington und Teheran am Donnerstagabend getroffen. Iran-Experte Bahman Nirumand analysiert im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die neuesten Entwicklungen.

"Wiener Zeitung": Was sagen Sie zu den versöhnlichen Tönen in New York zwischen dem Iran und den USA nach 34 Jahren Eiszeit?

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Bahman Nirumand: Das sind sehr hoffnungsvolle Töne, aber es sind eben nur Töne. Konkrete Taten müssen noch folgen. Ich bin gespannt, wie die Atomgespräche in Wien und Genf weitergehen. Beide Seiten scheinen bemüht zu sein. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass dem Verhandlungsspielraum der USA und des Iran Grenzen gesetzt sind.

Welche?

US-Präsident Barack Obama sitzen die Hardliner unter den Republikanern und die pro-israelischen Lobbyisten im Nacken, Irans Präsident Rohani wiederum wird von den ultrakonservativen iranischen Kräften und den Revolutionsgarden genau beobachtet. Deswegen darf man keine Wunder erwarten. Aber Rohani will eine Lösung des Konflikts in drei Monaten.

Ist das realistisch?

Nun, der Westen ist jetzt am Zug. Der Iran hat sein Entgegenkommen angeboten, nun muss auch der Westen dem Iran ein Stück die Hand reichen und auf seine Wünsche reagieren. Bewegt sich der Westen nicht, dann könnte die Stimmung sofort kippen und es kommt zum Scheitern der Gespräche. Die Chance dafür ist da, dass etwas weitergeht, denn Obama hat bei seiner UN-Rede von Kriegsrhetorik und Sanktionsdrohungen Abstand genommen. Gleichzeitig hat Rohani völlige Transparenz und Zusammenarbeit versprochen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sieht Rohani als "Wolf im Schafspelz" und nannte seine UN-Rede "zynisch" und "heuchlerisch".

Das ist logisch. Israel trauert Rohanis Vorgänger Mahmoud Ahmadinejad nach. Denn mit ihm haben sie ihr Feindbild verloren, das sie brauchten. Die Tatsache, dass sich der Iran jetzt auf Kuschelkurs mit dem Westen begibt, passt den Israelis nicht in ihre Strategie. Denn sie wissen ganz genau, dass der Iran sein Atomprogramm niemals vollständig aufgeben wird. Beachten Sie aber, dass die ultrarechten Ansichten der israelischen Führung in Jerusalem selbst auch nicht unumstritten sind.

Israel kritisiert auch, dass Rohani sich zu wenig vom Holocaust distanziert hätte.

Rohani hat den Holocaust klar und deutlich verurteilt. Er hat das Recht zu sagen, dass er kein Historiker ist.

Ist Rohanis Kurswechsel ernst gemeint?

Die Notwendigkeit gebietet es aufgrund der westlichen Wirtschaftssanktionen, die dem Iran schwer zu schaffen machen, dass er nun einen kooperativen Kurs einschlägt. Die letzten acht Jahre hat der Iran auf stur geschaltet, die Hardliner waren unnachgiebig und das Resultat kennen wir ja. Daher hat die Lockerung bzw. Aufhebung der Sanktionen oberste Priorität für Rohani.

Zur Person

Bahman Nirumand

ist Autor zahlreicher Publikationen. Seit 2001 ist der 77-Jährige Verfasser des monatlich erscheinenden Iran-Reports der Heinrich-Böll-Stiftung.




Schlagwörter

Iran, Juden, Holocaust

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2013-09-26 18:14:04
Letzte Änderung am 2013-09-26 19:48:45




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