• vom 11.12.2013, 18:15 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.12.2013, 22:23 Uhr

Chinas Schulsystem

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Von WZ-Korrespondent Wu Gang

  • Militantes Training, exzessive Lernzeiten, Dauer-Nachhilfe: Chinas Schulsystem setzt Kinder stark unter Druck
  • Drill bringt Erfolge wie beim Pisa-Test,
  • die Schüler zahlen einen hohen Preis.



Shanghai. So sehen also Sieger aus: 42 Kinder in blauen Trainingsanzügen und mit roten Halstüchern, in perfekter Symmetrie angeordnet an kleinen Tischchen, die konzentriert auf eine Leinwand starren. Englisch steht auf dem Programm, nicht unbedingt die ausgewiesene Stärke der Kids, aber immerhin lernen sie gerade sinnstiftende Sätze wie "In Amerika essen die Menschen Hamburger" oder "Sie ist seit zwei Jahren Parteimitglied." Begonnen hat der Tag für die meisten der 1500 Internatsschüler an der Yu Cai Highschool in Shanghai mit dem Weckruf um sechs Uhr morgens. Viele stehen noch früher auf, denn schon eine halbe Stunde später startet der Morgensport mit dem 800-Meter-Lauf. Danach Antreten auf dem Sportplatz in schnurgeraden Reihen zum Fahnenappell, die Hymne wird gesungen, bevor es zum Unterricht geht, der bis in den späten Nachmittag hinein dauern wird.

"Schon in der ersten Klasse bekommen die Neulinge ein militärisches Training. Das ist wichtig, damit sie Stärke und Disziplin erlangen", erklärt Direktorin Chen Qingyun. Nicht nur das: Auch Sport spielt eine große Rolle, seitdem die Regierung 2007 dem zunehmenden Übergewicht bei Kindern den Kampf angesagt hat. Und während aus den Lautsprechern klassische Musik tönt, formieren sich die Schüler im Hof und joggen in Kolonnen über das riesige Areal. Ausruhen können sie sich nach Schulschluss nicht, denn dann stehen Hausaufgaben auf dem Programm; die meisten strebern bis zur Nachtruhe um halb zehn Uhr. Länger geht’s nicht, denn um zehn gehen die Lichter aus.

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Beim Rundgang erinnert das Haupthaus ein wenig an die in China üblichen Parteipaläste, uniformierte Sicherheitskräfte bewachen den Eingang und es ist so sauber, dass nicht das kleinste Papierstück auf dem Boden liegt. Kein Wunder, immerhin gibt es selbst bei den Putzplänen einen harten Wettbewerb unter den Schülern, die Sauberkeit der Schlafräume wird beispielsweise mit einem 100-Punkte-System bewertet. Auch für "herausragende Disziplin beim Mittagessen" werden Urkunden verliehen. Dementsprechend stapeln sich in den Vitrinen die Auszeichnungen für die Schule: Preise bei der Roboterolympiade, Medaillen bei Mathe-Meisterschaften, Pokale für Drama-Wettbewerbe. Nur die Ergebnisse der Pisa-Studie, über die die ganze Welt spricht, sind nirgendwo zu finden. "Ach mein Gott", zuckt Direktorin Chen mit den Schultern, "die Schüler haben jedes Jahr vier große Prüfungen und mindestens 30 kleine Tests zu bestehen. Die wichtigste ist natürlich die große Abschlussprüfung ‚Gaokao‘, auf die wir unsere ganzen Kräfte konzentrieren müssen, damit wir unseren Schülern die Zulassung zu einer guten Universität ermöglichen. Diese Pisa-Sache, naja, die war halt einfach nicht so wichtig."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2013-12-11 18:20:05
Letzte nderung am 2013-12-11 22:23:04




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