• vom 12.06.2014, 22:23 Uhr

Weltpolitik


Fundamentalismus

Jihadismus hat viele Gesichter




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  • Islamistische Gruppenkämpfen von Westafrika bis Südostasien gegen moderate Regierungen und "Ungläubige".

Kabul/Riad/Abuja (is) Nicht nur im Irak und dem angrenzenden Syrien bringen Jihad-Kämpfer ihre Regierungen in Bedrängnis. Der Traum vom Gottesstaat und der tiefe Hass gegen die ihrer Meinung nach vom Westen korrumpierten und verdorbenen Regierungen breitet sich auch in anderen Weltgegenden gefährlich aus. Eine Bedrohung sind die Islamisten dabei nicht nur für die politische Machtelite, sondern auch für die ansässige Zivilbevölkerung, die den radikalen Gruppen mit ihren atavistischen Wertvorstellungen hilflos ausgeliefert ist. Vor allem dann, wenn sie ganze Landstriche unter ihre Kontrolle bringen - wie in Afghanistan, Pakistan, dem Jemen oder afrikanischen Staaten wie Nigeria, Somalia und Mali.

In Afghanistan ist es den Taliban gelungen, nach dem Massenbombardement und anschließenden Einmarsch der Amerikaner sowie ihrer Verbündeten im Jahr 2001 wieder weite Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Vor allem im Süden und den an Pakistan grenzenden Gebieten im Osten des Landes hat die Zentralregierung des scheiden Präsidenten Hamid Karzai so gut wie keinen politischen Einfluss. Befürchtet wird, dass nach dem Abzug der westlichen Kampftruppen, der bis Ende 2014 abgeschlossen sein soll - die Ausbildungsmission geht bis 2016 weiter -, die radikal-islamischen Milizen ganz Afghanistan im Sturm zurückerobern könnten. Dass sie ihren Kampf "bis zur Vertreibung des letzten ungläubigen Eindringlings und der Schaffung einer islamischen Regierung" fortsetzen, haben die Taliban, die sich vor allem aus paschtunischen Kämpfern rekrutieren, selbst immer wieder angekündigt.

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Etwas weniger dramatisch ist die Lage in Pakistan, wo neben vielen Taliban-Kämpfern auch Al-Kaida-Führer Osama bin Laden bis zu seiner extralegalen Hinrichtung durch US-Sondertruppen Unterschlupf gefunden hat. Doch auch dort hat die Regierung in der Grenzregion die Kontrolle mehrere Regionen an militante Islamisten abgeben müssen. Die Machtbastion der Tehreek-e-Talibani Pakistan (TTP), Namensvetter der afghanischen Taliban, liegt in den westlichen Autonomen Stammesgebieten der Paschtunen. Die Grenzen ihrer Einflussgebiete sind allerdings fließend - der Armee gelingt es mittels Militäroffensiven immer wieder, TTP-Kämpfer zumindest vorübergehend aus bestimmten Regionen zu vertreiben. Darüber hinaus destabilisieren die Islamisten Pakistan mit Bombenanschlägen und spektakulären Angriffen wie jüngst auf den größten Flughafen des Landes in Karatschi. Eine vereinbarte Waffenruhe mit Islamabad kündigten sie im Vormonat überraschend auf.

Permanent präsent ist die islamistische Gefahr auch im Jemen. Extremisten aus dem von Armut geprägten Staat und aus Saudi-Arabien hatten 2008 die "Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel" gegründet. Diese verübt immer wieder Terroranschläge und hatte zwischenzeitlich erhebliche Gebiete erobert. Ebenso wie in Pakistan unterstützen die USA die Zentralregierung mit Drohnenangriffen.

Neuer Hotspot des Terrors
Zum neuen Hotspot des islamistischen Terrors zählt der Norden Afrikas. Das von Bürgerkrieg zerrüttete Somalia ist zum Rekrutierungsfeld für Terroristen mutiert. Die islamistische Miliz Al-Shabaab ("Die Jugend") kämpft für einen Gottesstaat am Horn von Afrika, der sich am weltweiten Heiligen Krieg ("Jihad") beteiligen soll. 2011 konnten somalische Regierungstruppen mit Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten aus der Hauptstadt Mogadischu vertreiben. Trotz weiterer Niederlagen beherrscht die Al-Shabaab aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias und verübt weiter Anschläge - auch in Nachbarländern.

In Norden Nigerias sorgt die Terrorgruppe Boko Haram für Angst und Schrecken. Zuletzt kam sie wegen der Entführung von 200 Schulmädchen international in die Schlagzeilen. Der besonders grausam agierenden Gruppe, der Kontakte zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern nachgesagt werden, kontrolliert nur einige Urwaldregionen. Dennoch bringt sie kurzfristig immer wieder auch Teilbezirke unter ihre Kontrolle.

Hingegen hat sich die Lage in Mali wieder beruhigt. Dort die Gruppe Ansar Dine 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden des Landes besetzt. Französische und afrikanische Truppen konnten die Extremisten aber weitgehend vertreiben.




Schlagwörter

Fundamentalismus, Isam

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Dokument erstellt am 2014-06-12 18:47:02




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