• vom 09.07.2014, 10:26 Uhr

Weltpolitik

Update: 09.07.2014, 11:51 Uhr

Gastkommentar

Ressourcenfluch reloaded?




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Von Melanie Pichler

  • Indonesien verdankt sein Wirtschaftswachstum der Rohstoffausbeutung - daran wird auch der Wahlausgang nichts ändern.

Melanie Pichler ist Universitätsassistentin an der Universität Wien und Direktorin der Österreichischen Gesellschaft für Südostasienwissenschaften.

Melanie Pichler ist Universitätsassistentin an der Universität Wien und Direktorin der Österreichischen Gesellschaft für Südostasienwissenschaften. Melanie Pichler ist Universitätsassistentin an der Universität Wien und Direktorin der Österreichischen Gesellschaft für Südostasienwissenschaften.

Von Europa weitgehend unbeachtet wählt Indonesien einen neuen Präsidenten. Die beiden Kandidaten - der Ex-General Prabowo Subianto und der charismatische Provinzpolitiker Joko "Jokowi" Widodo - stehen dabei symbolisch für die turbulente Entwicklung Indonesiens der letzten Jahre.


Indonesien ist mit 240 Millionen Einwohnern der viertgrößte Staat der Welt, der Reichtum des Landes basiert auf der Ausbeutung von Rohstoffen. Während der vom Westen unterstützten Militärdiktatur von General Suharto haben sich befreundete und verwandte Unternehmer ebenso wie ausländische Konzerne mit der Ausbeutung von Erdöl, Erdgas, Holz und Metallen eine goldene Nase verdient, die insbesondere einer urbanen Elite in Java, der bevölkerungsreichsten Insel des Archipels, zugutekam. Als ehemaliger General einer militärischen Spezialeinheit und Ex-Schwiegersohn von Suharto vertritt Prabowo dieses System wie kein anderer. Seine Kampagne wird hauptsächlich von seinem Bruder Hashim finanziert, der mit der Ausbeutung von Rohstoffen zu einem der reichsten Männer Indonesiens aufgestiegen ist.

Nach kurzen Industrialisierungstendenzen in den 1990er Jahren, insbesondere im Textil- und Elektronikbereich, setzt Indonesien seit der Asien-Krise 1998, die Suharto zu Fall brachte, einmal mehr auf den Rohstoffsektor. Die Abholzung der Regenwälder schreitet alarmierend voran, auf den gerodeten Flächen wird hauptsächlich Palmöl für den Export gepflanzt. Erdöl muss mittlerweile importiert werden, und die hohen Subventionen dafür reißen tiefe Löcher ins Budget; kompensiert wird diese Entwicklung mit einer enormen Expansion des Kohlebergbaus. Politisch ging diese Entwicklung mit einem Dezentralisierungsprozess einher, der mehr Mitsprache und Beteiligung für die Regionen außerhalb der Hauptstadt brachte.

Als Möbelhändler aus einer Kleinstadt in Zentraljava symbolisiert Joko Widodo diese aufstrebende Fraktion aus kleinen und mittleren Unternehmen, die seit dem Sturz von Suharto an Einfluss gewann. Gleichzeitig wurde mit der Dezentralisierung auch der Wettbewerb um den Ausverkauf der Ressourcen angekurbelt - die Korruption wurde dezentralisiert und auf mehr Köpfe verteilt.

Die Rohstoffabhängigkeit sowie die damit einhergehende Ungleichheit, Armut und Korruption stellen eine der größten Herausforderungen für beide Kandidaten dar. Prabowo Subianto verspricht Megaentwicklungsprojekte im Suharto-Stil zur Bekämpfung der Armut, wettert lautstark gegen den Ausverkauf von Rohstoffen an ausländische Investoren und hat gleichzeitig als Ex-General die symbiotische Verbindung zwischen westlichen Rohstoffunternehmen und indonesischen Eliten perfektioniert.

Widodo spricht sich für ein besseres Ressourcenmanagement aus und setzt in puncto Korruptionsbekämpfung auf die "mentale Revolution". Zumindest leise spricht er von einer Umschichtung der Benzinsubventionen in Sozialprogramme. Mit seiner offenen Kampagne konnte der junge, aber unerfahrene Politiker zwar viel Unterstützung gewinnen, ob er dem Machtpoker in Jakarta gewachsen ist, bleibt allerdings fraglich.

Wohlgesonnene Kritiker meinen, Jokowi hätte noch ein paar Jahre warten sollen, um sein Profil auf nationaler Ebene zu schärfen. Doch wenn Prabowo die angekündigte Verfassungsänderung und damit die Abschaffung der Direktwahl des indonesischen Präsidenten umsetzt, wäre es für ihn in ein paar Jahren vielleicht zu spät.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-07-09 10:29:03
Letzte ─nderung am 2014-07-09 11:51:11




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