• vom 06.03.2015, 10:54 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.03.2015, 10:59 Uhr

NGO

"NGOs werden zu Co-Eliten"




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Von Saskia Blatakes

  • Barbara Unmüßig von der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung warnt NGOs davor, auf Dauer staatliche Aufgaben zu übernehmen.

Böden in Südamerika werden überdüngt , damit Futtermittel für Europa produziert werden können. Die Heinrich-Böll-Stiftung geht unter anderen der Frage nach, auf wessen Kosten wir gut leben.

Böden in Südamerika werden überdüngt , damit Futtermittel für Europa produziert werden können. Die Heinrich-Böll-Stiftung geht unter anderen der Frage nach, auf wessen Kosten wir gut leben.© fotolia Böden in Südamerika werden überdüngt , damit Futtermittel für Europa produziert werden können. Die Heinrich-Böll-Stiftung geht unter anderen der Frage nach, auf wessen Kosten wir gut leben.© fotolia

"Wiener Zeitung":Die Heinrich-Böll-Stiftung ist weltweit aktiv, unter anderem auch in China. Wie gestaltet sich diese Arbeit?

Information

Zur Person: Barbara Unmüßig, geboren 1956 in Freiburg im  Breisgau, ist Vorstandsmitglied der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahesteht. Die Sozialwissenschafterin publiziert über Fragen der internationalen Finanzbeziehungen, der Umweltpolitik und der Nord-Süd-Thematik. Sie bezeichnet sich selbst als Brückenbauerin
zwischen Politik, Zivilgesellschaft und Staat. In Wien sprach sie zuletzt bei dem Kongress "Gutes Leben für alle" an der Wirtschaftsuniversität.

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Barbara Unmüßig: Zum Beispiel klären wir auf, was der Verlust der Bodenfruchtbarkeit für die Zukunft der Ernährungssicherheit bedeutet. Wir zeigen, dass chemisierte, technisierte Landnutzung auch ihre Folgen hat. Wir zeigen, dass Stadtentwicklung auch auf der Basis von Nahverkehrsmobilität stattfindet. Wir propagieren die Energiewende. Generell ist unsere Arbeit in China sehr prekär, und wenn ich jetzt darüber spreche, gefährde ich sehr schnell auch Menschen. Prinzipiell sind wir eine Demokratiestiftung und versuchen mit Menschen zu kooperieren, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte einsetzen, und in vielen Ländern des globalen Südens ist das sehr, sehr schwer und gefährlich. Unsere Partner sind Pioniere, die zum Beispiel auch die Naturzerstörung aufhalten wollen. Wir versuchen aufzuklären, was es bedeutet, wenn der Klimawandel in diesen Regionen ankommt oder welche Folgen es hat, wenn wir unseren hohen Fleischkonsum noch weiter ausdehnen.

Barbara Unmüßig.

Barbara Unmüßig. Barbara Unmüßig.

Der von Ihrer Stiftung veröffentlichte Fleischatlas rechnet vor, dass die weltweite Fleischproduktion bis Mitte des Jahrhunderts um die Hälfte ansteigen wird. Was sind die Folgen?

Das hat ökologische und soziale Folgen. Wir verseuchen die Böden, wir überdüngen, um Futtermittel anzubauen. Wir bauen Soja in Südamerika an und verdrängen damit Bäuerinnen und Bauern von ihrem Land. Landschaften wie die Pampa umzupflügen hat letztendlich auch Klimafolgen. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat ein weltweites Netzwerk und unter anderem Partner in Argentinien. Dort werden mehrheitlich die Sojabohnen für die Mastschweine in Europa angebaut. Den Fleischatlas ins Spanische zu übersetzen und die Menschen dort zu informieren ist immens wichtig. Die zentrale Frage ist, auf wessen Kosten wir hier eigentlich gut leben.

Zum Verzicht auf Fleisch raten Sie jedoch nicht?

Nein, das ist auch nicht notwendig. Information ist die Grundlage, sich selbst zu entscheiden. Das gilt auch für Textilien oder die Haselnüsse in der Schokolade, die in der Türkei mit Kinderarbeit geerntet werden. Der aufgeklärte Bürger entscheidet selbst und kann gleichzeitig Druck auf die Politik ausüben, sich einer anderen Agrarpolitik zuzuwenden. Politischer Handlungswille und individuelle Veränderungsbereitschaft müssen Hand in Hand gehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-03-05 17:59:11
Letzte ─nderung am 2015-03-06 10:59:03




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