• vom 02.09.2015, 20:19 Uhr

Weltpolitik


Libanon

Müllkrise lässt Libanesen gegen Politik aufbegehren




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief






    Beirut. (sig/ag) "Ihr stinkt!" - unter diesem Slogan demonstrierten in den vergangenen Tagen tausende Menschen gegen die Müllkrise in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Seit Juli türmt sich der Müll auf den Straßen, weil eine überquellende Deponie geschlossen wurde. Die Demonstranten machen die Regierung dafür verantwortlich und werfen ihr Inkompetenz und Korruption vor.

    Ihren Höhepunkt erreichten die Proteste, als die Demonstranten in der Nähe des Regierungssitzes zur Revolution aufriefen. Sie warfen Steine und leere Flaschen auf Sicherheitskräfte, mehrere Menschen wurden festgenommen. Die Demonstrationen gelten als größte politische Bewegung in der Geschichte des Landes. Am Dienstagabend hat die libanesische Bereitschaftspolizei das von den Demonstranten besetzte Umweltministerium gewaltsam geräumt. Etwa sechs Stunden zuvor hatten mehrere Dutzend Aktivisten Teile des Gebäudes besetzt. Das Rücktrittsultimatum, das die Demonstranten Umweltminister Mohammed Machnouk gegeben hatten, war ausgelaufen.

    Werbung

    "Revolution!"
    Vertreter der "Ihr stinkt"-Kampagne berichten von Polizeigewalt während der Räumung. Laut dem Roten Kreuz wurden 15 Demonstranten verletzt. Doch die Räumung tut den Protesten keinen Abbruch: Bei Einbruch der Dunkelheit bekundeten hunderte Menschen ihre Solidarität mit den Aktivisten. "Wir machen weiter - Revolution!", riefen sie im Chor.

    Die Müllkrise hat sich längst zu einer umfassenden Staatskrise ausgeweitet. Die Bürger fordern ein Ende der Korruption und der Misswirtschaft sowie eine bessere Infrastruktur. Der Libanon steckt schon lange in einer politischen Krise. Das Parlament ist gespalten zwischen dem Lager des sunnitischen Ex-Premiers Saad Hariri und dem von der schiitischen Hisbollah angeführten Block.




    Schlagwörter

    Libanon

    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2015-09-02 19:23:03




    Werbung



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. "Nächstes Nordkorea vor der Tür"
    2. Militärbündnis erklärt Rakka für befreit
    3. Iran steht nach wie vor zum Atom-Deal
    4. Keine Scheu vor Deal mit Rechten
    5. Täglich sterben 15.000 Kleinkinder
    6. Die großen Visionen von Präsident Xi
    7. Santiago Maldonado bleibt verschwunden


    Werbung


    Werbung