• vom 05.11.2015, 18:16 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.11.2015, 12:17 Uhr

Myanmar

Myanmars radikale Mönche als Wahlhelfer des Militärs




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Von Ronald Schönhuber

  • Die Buddhistenbewegung Ma Ba Tha macht Stimmung gegen Muslime und für die Regierungspartei. Der NLD könnte das empfindlich schaden.

Mandalay. Um erkennen zu können, welche Rolle Religion hier spielt, reicht schon ein Blick flussabwärts auf das gegenüberliegende Ufer des Irrawaddys. Auf den Sagaing-Hügeln reihen sich mehr als 600 Stupas, Klöster und Meditationszentren aneinander, von überall blitzt das Gold der Dächer durch das hier oft fahle Licht. Aber auch in Mandalay selbst sind viele Mönche unterwegs, das Stadtbild ist geprägt von buddhistischen Tempeln.

Die zweitgrößte Stadt Myanmars ist allerdings nicht nur aus historischer Sicht eines der bedeutendsten religiösen Zentren des Landes, sie war vor zwei Jahren auch der Geburtsort der ultranationalistischen Buddhistenbewegung Ma Ba Tha, die laut vielen Experten nun einen entscheidenen Einfluss auf den Ausgang der historischen Wahl am Sonntag hat. Denn Ma Ba Tha wird vor allem von Mönchen getragen und in den ländlichen Gebieten Myanmars hat das Wort des Klerus bis heute noch enormes Gewicht. Mittlerweile scheint es sogar möglich, dass das Engagement der radikalen Mönchsbewegung der NLD von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi die erhoffte absolute Mehrheit kostet.


In den vergangenen Monaten hatten zentrale Figuren der Ma Ba Tha massiv Stimmung gegen die NLD gemacht. "Die NLD-Leute sind vor allem mit sich selbst beschäftigt. Sie haben keine großen Siegchancen", sagte das einflussreiche Ma-Ba-Tha-Mitglied Wirathu von kurzem in einem Interview. Zugleich streute der 47-jährige Mönch der USDP, der Partei des nach wie vor sehr mächtigen Militärs, Rosen. Ex-Junta-General Thein Sein, der Myanmar seit 2011 als ziviler Präsident vorsteht, habe viele Türen geöffnet und den Frieden ermöglicht.

Dass die Mönche, die sich eigentlich nicht in die Politik einmischen dürften, so offen Stimmung für die Regierungspartei machen, hat nach Ansicht von Kritikern viel damit zu tun, dass im Frühsommer ein paar Herzenswünsche der radikalen Bewegung erfüllt wurden. Damals hatte die USDP ein Gesetzespaket auf den Weg gebracht, das von Menschenrechtsorganisation wie Human Rights Watch als "anti-muslimisch und rassistisch" bezeichnet wird. So dürfen Frauen in armen Regionen nun frühestens drei Jahre nach einer Entbindung ein weiteres Kind zur Welt bringen. Wer mehr als einen Ehepartner hat, soll ebenfalls bestraft werden.

Die rund 2,5 Millionen Muslime, die in Myanmar fünf Prozent der Bevölkerung stellen, gehören zum tradionellen Feindbild von Ma Ba Tha. Die Mönche sehen den Buddhismus durch den Islam bedroht und haben in der Vergangenheit mehrfach zum Boykott muslimischer Geschäfte aufgerufen. Auch gegen interkonfessionelle Hochzeiten von Buddhisten und Muslimen wurde massiv mobilisiert. Die radikale Rhetorik trifft dabei auf eine ohnehin schon extrem aufgeheizte Stimmung. Bei religiös motivierten Zusammenstößen kamen in Myanmar seit 2011 hunderte Menschen ums Leben. Mit Ma Ba Tha anlegen will sich derzeit aber nicht einmal die NLD. Aus Angst vor den Mönchen stellte die Partei von Aung San Suu Kyi für die Wahl am Sonntag keinen einzigen muslimischen Kandidaten auf.




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Dokument erstellt am 2015-11-05 18:20:03
Letzte nderung am 2015-11-06 12:17:03




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