• vom 06.11.2015, 12:05 Uhr

Weltpolitik

Update: 09.11.2015, 19:20 Uhr

Myanmar

Die Verehrten




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Von Klaus Huhold

  • Oppositionsikone Aung San Suu Kyi und ihre Partei NLD symbolisieren in Myanmar die Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft. Deshalb gelten sie als Favoriten für die Wahl am Sonntag.

Die Ikone: Anhänger der NLD mit einem Bild von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi. - © reuters/Soe Zeya Tun

Die Ikone: Anhänger der NLD mit einem Bild von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi. © reuters/Soe Zeya Tun

Rangun/Wien. Wo sie auftaucht, ist das Land in Rot getaucht. Wenn Myanmars (Burmas) Oppositionsikone Aung San Suu Kyi Wahlkampfveranstaltungen abhält, dann marschieren ihre Anhänger los, werden die Wangen von Kinder geschminkt, Autos, Balkone, ganze Straßenzüge geschmückt mit der knallroten Flagge der Nationalen Liga für Demokratie (NLD), auf der auch noch ein Stern und ein Pfau in herausfordernder Angriffsstellung abgebildet sind.

Burma mit Gebieten separatistischer Rebellenbewegungen.

Burma mit Gebieten separatistischer Rebellenbewegungen.© M. Schmitt Burma mit Gebieten separatistischer Rebellenbewegungen.© M. Schmitt

Myanmar wählt am Sonntag ein neues Parlament. Es gibt keinerlei Umfragen, was den Ausgang schwer vorhersagbar macht. Doch bei keiner Partei sind die Wahlveranstaltungen so gut besucht, herrscht eine derart euphorische Stimmung wie bei der NLD. Deshalb rechnen Beobachter damit, dass die NLD siegen und die Union für Solidarität und Entwicklung (USDP), die aus dem Militär hervorgegangen ist, als stärkste Partei ablösen wird.

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Für Ideale gelitten
Die NLD repräsentiert im bitterarmen Myanmar, das jahrzehntelang von einer Militärdiktatur beherrscht wurde, die Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft. Und keine Familie symbolisiert das Streben nach Freiheit so sehr wie die von NLD-Anführerin Aung San Suu Kyi. Bis heute wird ihr Vater Aung San, ein mit 32 Jahren ermordeter Held des Unabhängigkeitskampfes, hoch verehrt. Und auch seine Tochter gab sich unbeugsam: Insgesamt 15 Jahre hielt sie das Militär unter Hausarrest, doch Suu Kyi hielt fest an ihrem Ideal einer freien, demokratischen Gesellschaft. Einen ganz hohen Preis zahlten auch viele andere NLD-Politiker. Sie verbrachten während der Militärdiktatur viele Jahre in den berüchtigten Haftanstalten des Landes.

Die NLD und andere Dissidenten machten von innen Druck auf die Militärjunta, die jahrzehntelang herrschte. Von außen kam der Druck durch Sanktionen des Westens, durch Isolation, die Myanmar immer mehr in die Abhängigkeit von China trieb, was für viel Unbehagen sorgte. Schließlich leitete das Militär Reformen ein: Politische Gefangene wurden freigelassen, mittlerweile gibt es Pressefreiheit - und nun die ersten freien Wahlen, bei denen die NLD gleichberechtigt gegen die USDP, in der nun viele ehemalige Generäle im zivilen Gewand sitzen, antritt. Das sind die zwei Großparteien, daneben kandidieren viele kleinere Parteien, vor allem von ethnischen Minderheiten.

"Leute, die behaupten, es gab schon genug Veränderung und wir brauchen keine mehr, sagen das nur, weil sie keinen wirklichen Wandel wollen", rief Suu Kyi bei einer Wahlveranstaltung in der größten Stadt Rangun zehntausenden Anhängern zu.

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Schlagwörter

Myanmar, Burma, NLD, Aung Saan Suu Kyi

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-06 12:08:06
Letzte Änderung am 2015-11-09 19:20:54




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