• vom 07.11.2015, 07:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 07.11.2015, 14:10 Uhr

Mynmar

Stunde der Wahrheit für Myanmar




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Von Klaus Huhold

  • Bei der Parlamentswahl am Sonntag geht es um wesentlich mehr als um Prozente für einzelne Parteien.

Wem gehört die Zukunft? Eine Anhängerin der Regierungspartei (l.) und ein Fan der oppositionellen NLD.

Wem gehört die Zukunft? Eine Anhängerin der Regierungspartei (l.) und ein Fan der oppositionellen NLD.

Rangun/Wien. Es sind Bilder, die vor ein paar Jahren in Myanmar (Burma) noch unvorstellbar gewesen wären. Bürger, die am Bankomaten Geld abheben. Poster der Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, die in Lokalen an der Wand hängen. Ein Parlament, in dem Abgeordnete miteinander debattieren.



Das südostasiatische Land war jahrzehntelang eine abgeschottete Militärdiktatur, es war so isoliert, dass es nicht einmal einen Geldautomaten gab. Das Sammelbecken der Opposition, die Nationale Liga für Demokratie (NLD) war verboten, deren Frontfrau, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, hielten die Militärs unter Hausarrest, andere Dissidenten waren eingekerkert.


Doch dann, vor rund vier, fünf Jahren, begannen die Militärs plötzlich eine Demokratisierung einzuleiten. Sie waren offenbar selbst der Isolation müde, die das rückständige Myanmar immer abhängiger von China machte. Nun gibt es ein Parlament, in dem die NLD die Opposition bildet, politische Gefangene wurden freigelassen, und Myanmar hat sich wieder der Welt geöffnet.

Das hat bereits die ersten großen Investoren in das rohstoffreiche Land gelockt - etwa den US-Multi General Electric. Und auch Exil-Burmesen kamen zurück und suchten Geschäftsfelder. Doch viele von ihnen blieben vorsichtig, immer wieder sagten Rückkehrer, dass sie lieber die Wahl im Herbst 2015 abwarten wollen, bevor sie noch größer investieren.

Nun ist es so weit: Am Sonntag finden die Parlamentswahlen statt. Wie diese über die Bühne gehen, wird entscheidend dafür sein, ob die Reformen eine Fortsetzung finden oder das Land wieder in dunkle Zeiten zurückfällt.

Pragmatiker gegen Idealisten
91 Parteien treten an, die meisten davon sind Kleinparteien, die die verschiedenen ethnischen Gruppierungen in dem Vielvölkerstaat vertreten. Entschieden wird das Match zwischen den beiden großen Bewegungen: der Union für Solidarität und Entwicklung (USDP), in der ehemalige Militärs jetzt im zivilen Gewand sitzen und die derzeit die Geschicke des Landes leitet. Und der NLD, die nun erstmals landesweit gegen die USDP antritt.

Die USDP-Wähler würden ihre Entscheidung eher aus pragmatischen Gründen treffen, "sie sprechen der Partei etwa bürokratisches Geschick zu", erklärt der Südostasien-Experte Wolfram Schaffar vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien. Ein weiteres Argument, das USDP-Wähler nennen: Durch ihre Nähe zum Militär garantiert die USDP, das der Übergang stabil weitergeht.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-11-06 18:05:06
Letzte nderung am 2015-11-07 14:10:44




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