• vom 01.02.2016, 18:29 Uhr

Weltpolitik

Update: 01.02.2016, 18:47 Uhr

Südostasien

Groß ist die Hoffnung




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Von Klaus Huhold

  • Es sind historische Momente für Myanmar: Nach fünf Jahrzehnten Militärdiktatur trat nun erstmals ein frei gewähltes Parlament zusammen. Die Erwartungen an Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi und ihre NLD, die die Mehrheit hat, sind enorm.

Aung San Suu Kyi nach der Parlamentssitzung am Montag. Die NLD dominiert nun das Abgeordnetenhaus.

Aung San Suu Kyi nach der Parlamentssitzung am Montag. Die NLD dominiert nun das Abgeordnetenhaus.© apa/afp/Ye Aung Thu Aung San Suu Kyi nach der Parlamentssitzung am Montag. Die NLD dominiert nun das Abgeordnetenhaus.© apa/afp/Ye Aung Thu

Rangun/Wien. "Ich kann es kaum glauben, dass ich hier bin, aber ich bin auch traurig", sagte die Parlamentsabgeordnete Ma Thandar in Myanmar (Burma) der Zeitung "Irrawaddy". "Viele Menschen haben ihr Leben für diesen Tag lassen müssen."

Ma Thandar ist Mitglied der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) und hat am Montag an einer historischen Zusammenkunft teilgenommen: Nach mehr als 50 Jahren Militärdiktatur und militärnaher Regierung ist in dem südostasiatischen Staat erstmals ein frei gewähltes Parlament zusammengetreten. Die NLD hatte der Militärherrschaft jahrzehntelang die Stirn geboten: Ihre Vertreter wurden rigoros verfolgt, viele von ihnen waren jahrelang eingekerkert. Die charismatische Vorsitzende, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, wurde insgesamt 16 Jahre unter Hausarrest gestellt.



Doch in den vergangenen Jahren haben die Militärs einen demokratischen Wandel eingeleitet - da sie offenbar selbst genug hatten von der Isolation des Landes, das als Paria galt und vom Westen sanktioniert wurde. Mit der Wahl vergangenen Jahres hat sich nun das Blatt gewendet: Die NLD hat mehr als die Hälfte der Parlamentssitze erobert. Damit wird sie die nächste Regierung, die Ende März stehen soll, stellen.


Mit dieser Veränderung gehen in dem bitterarmen Land riesengroße Erwartungen einher. Die Bevölkerung hoffe, "dass jedes Problem automatisch gelöst wird, sobald die NLD die Regierung übernimmt, dass etwa ausländische Direktinvestitionen ins Land fließen", sagt Shwe Mann, einer der prominentesten Politiker des Landes, der zwar aus dem Militär stammt, dem aber auch ein gutes Verhältnis zur NLD und Suu Kyi nachgesagt wird. Die NLD müsse nun "die richtigen Leute für die richtigen Positionen aussuchen". Das werde über den Erfolg ihrer Regierung entscheiden.

Allerdings herrschen erhebliche Zweifel, ob die NLD überhaupt genügend geeignetes Personal besitzt, sagt Wolfram Schaffar vom Institut für Internationale Entwicklung der Universität Wien, der seit Jahren zur südostasiatischen Politik forscht. "Die neuen Parlamentsabgeordneten der NLD sind großteils politische Newcomer", berichtet der Politologe der "Wiener Zeitung". Hinzu kommt, dass viele der hellsten Köpfe sich schon vor Jahren im Streit mit Suu Kyi von der Partei getrennt haben.

Die NLD steht nun vor der Entscheidung, wie weit sie in der Verwaltung auf altes Personal, das noch von der Armee oder der militärnahen Vorgängerregierung eingestellt wurde, zurückgreifen will. Er habe den Eindruck gewonnen, dass es hier "durchaus pragmatische, gutwillige Leute gibt, die ideologisch nicht verbohrt sind", sagt Schaffar, der den öffentlichen Sektor von Fortbildungsprogrammen kennt.

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Dokument erstellt am 2016-02-01 18:32:10
Letzte nderung am 2016-02-01 18:47:42




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