• vom 18.02.2016, 18:24 Uhr

Weltpolitik

Update: 18.02.2016, 21:44 Uhr

Kirchenoberhaupt

Papst ruft zur Solidarität mit Flüchtlingen in aller Welt auf




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  • Zum Abschluss seines Mexiko-Besuches klagte Franziskus vor hunderttausenden Gläubigen über das Schicksal von Migranten.



Ciudad Juarez. Papst Franziskus hat zum Abschluss seines fünftägigen Mexiko-Besuchs zur Solidarität mit Flüchtlingen in aller Welt aufgerufen. "Wir dürfen die Augen nicht vor der humanitären Krise verschließen, die sich in den vergangenen Jahren in der Auswanderung tausender Menschen gezeigt hat", sagte der 79-Jährige am Mittwoch bei einer Messe in der Grenzstadt Ciudad Juarez vor 300.000 Gläubigen.

Die weltweit "erzwungene Migration" sei eine "menschliche Tragödie", beklagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in dem Ort an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas. Nicht nur Mittelamerikaner und Mexikaner riskierten ihr Leben auf der Flucht vor Armut und Gewalt in die USA. Es sei vielmehr ein "globales Phänomen heutzutage". Die Menschen würden wegen "Armut und Gewalt, Drogenhandel und kriminellen Organisationen" ausgeschlossen. Diese Ungerechtigkeit radikalisiere die Jugend, sie fühle sich wie "Kanonenfutter".

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In einer symbolischen Geste legte der Papst an einer Rampe vor dem Rio Grande, der Ciudad Juarez und El Paso teilt, Blumen an einem schwarzen Kreuz nieder. Dabei segnete er die Migranten auf der US-Seite, die ihm zuwinkten. Zehntausende weitere Menschen verfolgten die Messe auf einem Großbildschirm im Stadion von El Paso. Franziskus klagte über die "schrecklichen Ungerechtigkeiten", die viele Migranten aus Lateinamerika in der Grenzregion erleiden müssten. Viele dieser Menschen gerieten in die Hände von Menschenschmugglern und würden "versklavt, verschleppt und erpresst". Armut und Gewalt treffe Jugendliche besonders radikal.

Der Papst erinnerte auch an das Schicksal von Dutzenden ermordeten Frauen in Ciudad Juarez. Bereits bei seiner Ankunft in der Stadt warteten unzählige Frauen und Kinder ganz in Weiß gekleidet auf den Papst. Ihre Botschaft: Wir hoffen auf Frieden. Ciudad Juarez verkörpert wie wenige andere Orte die gravierenden Probleme Mexikos. Die Stadt war jahrelang das Schlachtfeld rivalisierender Drogenbanden; von 2008 bis 2010 galt sie als der gefährlichste Ort der Welt außerhalb von Kriegsgebieten. Mit grausamer Härte rangen dort das berüchtigte Sinaloa-Kartell des jüngst wieder inhaftierten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzman und das Juarez-Kartell um die Vorherrschaft. Derzeit scheint es, als habe die Sinaloa-Gruppe die Kontrolle gesichert.

Donald Trump "ist kein Christ"
Vor der Messe hatte der Papst ein Gefängnis in Ciudad Juarez besucht. Vor rund 700 Häftlingen sowie Vertretern der Regionalbehörden und Angehörigen der Sicherheitskräfte klagte er über die unmenschlichen Zustände in vielen Strafanstalten und forderte eine umfassende Strategie gegen die Gewaltspirale in Mexiko

Während seiner Rückreise warf Franziskus dem republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump eine unchristliche Haltung gegenüber Einwanderern aus Mexiko vor. "Jemand, der Mauern anstelle von Brücken bauen will, ist kein Christ", sagte der Papst. Er bezog sich auf die Ankündigung Trumps, im Fall eines Wahlsiegs eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, um die illegale Einwanderung in die USA einzudämmen. Franziskus betonte, er wolle sich nicht in den US-Wahlkampf einmischen und oder eine Wahlempfehlung für oder gegen Trump abgeben. "Ich sage nur: Wenn er solche Dinge sagt, dann ist dieser Mann kein Christ."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-02-18 18:29:06
Letzte Änderung am 2016-02-18 21:44:04




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