• vom 13.05.2016, 20:31 Uhr

Weltpolitik


China

Die lange Qual der Kulturrevolution




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Von Andreas Landwehr

  • Vor 50 Jahren begann das grausame Treiben, mit dem Mao Zedong China ins Chaos stürzte. Manche verfolgt das Trauma bis heute - wie Zhang Hongbing, der seine Mutter dem Tod auslieferte.

Ein Plakat aus dem Jahr 1966 zeigt, wie damals mit Feinden der Kulturrevolution umgegangen werden sollte. Trotz all der Gräueltaten, die er zu verantworten hat, wird das Andenken an den "Großen Vorsitzende" Mao Zedong bis heute hochgehalten. - © apa/afp/Jean Vincent; Greg Baker

Ein Plakat aus dem Jahr 1966 zeigt, wie damals mit Feinden der Kulturrevolution umgegangen werden sollte. Trotz all der Gräueltaten, die er zu verantworten hat, wird das Andenken an den "Großen Vorsitzende" Mao Zedong bis heute hochgehalten. © apa/afp/Jean Vincent; Greg Baker

Peking (dpa) Als 16-jähriger Rotgardist tat Zhang Hongbing etwas, was er sein Leben lang bereuen sollte. Als seine Mutter den Personenkult um den "Großen Vorsitzenden" Mao Zedong kritisierte und empört seine Bilder verbrannte, meldete der Sohn sie den Behörden in Guzhen in der Provinz Anhui. Nach kurzem Prozess wurde seine Mutter als "Konterrevolutionärin" hingerichtet. Es geschah auf dem Höhepunkt der Kulturrevolution in China, die vor 50 Jahren, am 16. Mai 1966, mit einer Erklärung des Politbüros der Kommunistischen Partei (KP) begann. Heute ist Zhang ein Anwalt in Peking, der mit der Schuld leben muss, aber anders als die meisten Akteure von damals angefangen hat, seine qualvolle Geschichte zu erzählen. "Es war eine Tragödie", berichtet der 63-Jährige. "Wir sollten die Lehren aus der Kulturrevolution ziehen."

Doch bis heute ist die offiziell als "zehnjährige Katastrophe" bezeichnete Kulturrevolution von 1966 bis 1976 in China weitgehend ein Tabuthema. Zhang will mit seinen Enthüllungen helfen, dass nicht auch noch die Erinnerung stirbt. "Ich habe Angst, dass es wieder passieren könnte - nur in anderer Form", sagt Zhang.


Die Kommunistische Partei (KP) traut sich nicht, das dunkle Kapitel ihrer Geschichte offen aufzuklären, weil sie es wohl nicht überleben würde. "Die Wunden sind so tief, dass sie bis heute nachwirken", sagt der kritische chinesische Historiker Zhang Lifan. "Die heutige Führung bezieht ihre Legitimität aus dem Erbe der Generation Maos. Sie fürchtet, ihre Macht zu verlieren, sobald sie die maoistische Ideologie kritisiert oder sogar aufgibt."

Schlimmer noch: Nationalismus und Nostalgie verklären die Erinnerung an Mao und seine ideologische Säuberungskampagne, die schätzungsweise 1,5 bis 1,8 Millionen Menschenleben forderte. Das Land wurde zerrissen - bis in die Familien. So am Abend des 13. Februar 1970, als der Streit zwischen dem glühenden jungen Rotgardisten und seiner Mutter Fang Zhongmei entbrannte, die Mao als "Verräter" beschuldigte, weil er sich gegen den damaligen Präsidenten Liu Shaoqi stellte.

"Ich zerschmettere
deinen Hundekopf"

"Warum macht Mao einen solchen Personenkult um sich? Seine Bilder sind überall", empörte sich Zhangs 44-jährige Mutter. "Ich sagte: ‚Halt’s Maul! Ich zerschmettere deinen Hundekopf, wenn du etwas gegen unseren geliebten großen Führer und Vorsitzenden Mao sagst!‘", erinnert sich der Sohn an seine Worte. "Meine Mutter schüttelte den Kopf: ‚Kind, Du verstehst nichts vom Klassenkampf.‘"

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Dokument erstellt am 2016-05-13 18:08:05




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