• vom 12.08.2016, 17:12 Uhr

Weltpolitik

Update: 24.08.2016, 14:38 Uhr

China

Die Renaissance der Kulturrevolution




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Rote Garden halten am 18. August 1966 am Tiananmen-Platz begeistert Maos Rotes Buch in die Höhe.

Rote Garden halten am 18. August 1966 am Tiananmen-Platz begeistert Maos Rotes Buch in die Höhe.© Getty Images/VCG Rote Garden halten am 18. August 1966 am Tiananmen-Platz begeistert Maos Rotes Buch in die Höhe.© Getty Images/VCG

Rote Garden demütigen ihre Gegner und treiben Tausende in den Selbstmord.

Rote Garden demütigen ihre Gegner und treiben Tausende in den Selbstmord.© Everett Collection/picturedesk.com Rote Garden demütigen ihre Gegner und treiben Tausende in den Selbstmord.© Everett Collection/picturedesk.com



Kritik an Konfuzius wurde in der Kulturrevolution großgeschrieben.

Kritik an Konfuzius wurde in der Kulturrevolution großgeschrieben.© Getty Images/Bettman Archiv Kritik an Konfuzius wurde in der Kulturrevolution großgeschrieben.© Getty Images/Bettman Archiv

Die Maoisten zeigen Flagge
Dass sich die Maoisten in der Partei einiges zutrauen, zeigt ein Ereignis von Anfang Mai, das den oben erwähnten Artikel in der Pekinger Volkszeitung erforderlich machte. Im Zusammenhang mit den Feiern zum 1. Mai wurde in der Großen Halle des Volkes - jenem Ort also, an dem der Nationale Volkskongress zwei Mal im Jahr zusammentritt - ein Konzert mit revolutionären Liedern gegeben. Zum Erstaunen vieler, die sich noch daran erinnern können, stammte ein Großteil des Konzerts aus dem Repertoire der Kulturrevolution. Der Raum war mit einem Banner geschmückt, auf dem die Parole "Nieder mit dem US-Imperialismus" prangte, ein Slogan, der seit der Wiederannäherung zwischen China und den USA in den Siebzigerjahren nicht mehr im Gebrauch war.

Die in Peking zahlreich vorhandenen Nachkommen von Opfern der Kulturrevolution merkten sofort, dass hier die Methode Bo Xilai in Peking zur Anwendung kam und befürchteten, dies sei ein Zeichen, dass die linken Ideologen ihre positive Version der Kulturrevolution nun schon in das Zentrum der Macht getragen hätten. Ein offener Brief wurde verfasst, in dem die Ablehnung der Kulturrevolution eingefordert wurde. Die Antwort war zunächst kläglich: Man habe das Programm des Konzerts gar nicht gekannt, es habe sich ja um eine rein kommerzielle Veranstaltung gehandelt. Man sei von den Veranstaltern getäuscht worden. Politisch sei das alles nicht gewesen. Die aufgeregte Diskussion im Internet zwischen denen, die sich vor einem erneuten Ausbruch von Gewalt unter dem Banner der Kulturrevolution fürchten, und jenen, die ihren Unmut über die soziale Lage in China mit Hilfe einer Verklärung der Kulturrevolution zum Ausdruck bringen, konnte offenbar nur mit einem Artikel in der parteioffiziellen Volkszeitung noch in Grenzen gehalten werden.

Zur AutoRIN

Susanne Weigelin-Schwiedrzik

ist Professorin für Sinologie am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien sowie Dekanin der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät.

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Dokument erstellt am 2016-08-12 17:17:16
Letzte ─nderung am 2016-08-24 14:38:08




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