• vom 20.09.2016, 17:45 Uhr

Weltpolitik

Update: 21.09.2016, 01:12 Uhr

Syrien

"Ein Kriegsverbrechen"




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Mindestens 20 Tote bei Beschuss des Hilfskonvois von UNO und Rotem Halbmond in Syrien - Moskau will nicht schuld sein.

- © Reuters, Ammar Abdullah

© Reuters, Ammar Abdullah

Zerstörte Hilfspakete nach dem Luftangriff.

Zerstörte Hilfspakete nach dem Luftangriff. Zerstörte Hilfspakete nach dem Luftangriff.

Erbil. Es waren dramatische Bilder, die am frühen Dienstagmorgen über die Fernsehschirme flimmerten. Ein Fahrer eines aus mindestens 18 Lkws bestehenden Hilfskonvois für Aleppo stand vor brennenden Autos, lodernden Häusern und einem Lebensmittellager in Flammen. Mitglieder von UNO und Rotem Halbmond waren dabei, Nahrung für Hilfsbedürftige in Syriens größter Stadt aufzuladen, als die Attacke passierte. Insgesamt fünf Luftangriffe sollen auf die Hilfsfahrzeuge geflogen worden sein. Augenzeugen berichteten von Helikoptern, die mehrere Fassbomben auf die Fahrzeuge abgeworfen hätten. Laut dem Roten Kreuz kamen in Urum al-Kubra, wo sich der Konvoi befand, mindestens 20 Personen ums Leben. Unter ihnen Omar Barakat, der lokale Direktor des Roten Halbmondes. Die UNO spricht von Abscheu und Fassungslosigkeit, ihr Sonderbotschafter gar von einem "Kriegsverbrechen", sollte sich der Verdacht bewahrheiten, der Angriff auf den Konvoi sei vom russischen oder syrischen Militär geflogen wurde - was Moskau und Damaskus freilich dementierten.

Der Konvoi war das Ergebnis eines langen Prozesses von Genehmigungen und Vorbereitungen, um eingekesselten Zivilisten zu helfen", sagte der UN-Syrien-Beauftragte Staffan de Mistura in einer ersten Stellungnahme. Tagelang war der Hilfskonvoi an der türkischsyrichen Grenze festgesessen, am Montagnachmittag hatte das Regime von Bashar al-Assad der UNO schließlich grünes Licht gegeben. Die Lebensmittel sollten in umliegende Dörfer von Aleppo gebracht werden, die unter der Kontrolle der Rebellen sind. Etwa 78.000 Menschen würden dort dringend Hilfe brauchen.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Mitglieder von Hilfsorganisationen in Syrien angegriffen werden. Von Anfang an forderte der inzwischen mehr als fünf Jahre dauernde Bürgerkrieg auch Opfer unter den Helfern. Sie wurden gekidnappt, gegen Lösegeld wieder frei gelassen oder getötet, wenn kein Geld bezahlt wurde. Krankenhäuser und Kliniken wurden angegriffen, Patienten und Ärzte getötet, Büros und Wohnhäuser von internationalen Organisationen zerbombt, einzelne Fahrzeuge in Brand gesetzt.

Dass jetzt ein ganzer Konvoi angegriffen wurde, ist jedoch neu und eröffnet eine weitere Dimension der Gewaltspirale. Hilfslieferungen in belagerte Kampfgebiete zu bringen war Hauptziel der Vereinbarungen einer Feuerpause, die die USA und Russland getroffen haben. Nach sieben Tagen sollte eigentlich die nächste Stufe der Vereinbarung umgesetzt werden: Die USA und Russland hatten beschlossen, dann gemeinsam gegen Terrorgruppen wie den "Islamischen Staat" oder Fatah-al-Scham, die frühere Al-Nusra-Front, vorzugehen. Am Wochenende kam es jedoch zu neuen Spannungen zwischen Washington und Moskau, nachdem bei einem US-geführten Luftangriff zahlreiche Soldaten der syrischen Armee getötet worden waren. Washington sprach später von einem Versehen. Doch anscheinend war diese Erklärung nicht sehr glaubhaft. Einige mutmaßen, bei dem Angriff auf den UN-Konvoi handele es sich daher um einen Vergeltungsakt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-20 17:50:06
Letzte ─nderung am 2016-09-21 01:12:07




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