• vom 22.09.2016, 07:17 Uhr

Weltpolitik

Update: 22.09.2016, 07:26 Uhr

Syrien

"Die Zivilisten werden zermalmt"




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Von Michael Schmölzer

  • Nach dem Scheitern des Waffenstillstandes wird erbitterter denn je gekämpft.

Syriens UN-Botschafter Bashar Ja’afari (r.) im Gespräch mit seinem russischen Kollegen Vitali Tschurkin in New York. Moskau weist die Verantwortung für die Bombardierung eines Hilfskonvois zurück.

Syriens UN-Botschafter Bashar Ja’afari (r.) im Gespräch mit seinem russischen Kollegen Vitali Tschurkin in New York. Moskau weist die Verantwortung für die Bombardierung eines Hilfskonvois zurück.© ap Syriens UN-Botschafter Bashar Ja’afari (r.) im Gespräch mit seinem russischen Kollegen Vitali Tschurkin in New York. Moskau weist die Verantwortung für die Bombardierung eines Hilfskonvois zurück.© ap

Wien. Von Waffenstillstand ist keine Rede mehr. Zwei Tage, nachdem die syrische Armee und die Rebellen die von den USA und Russland vereinbarte Feuerpause für beendet erklärt hatten, wurde wieder aus allen Rohren geschossen. An den Fronten bei Aleppo - hier wollen Armee und Rebellen den Krieg militärisch entscheiden - kam es am Mittwoch zu heftigen Kämpfen, der von Rebellen gehaltene Osten der Stadt ist von Regierungssoldaten umstellt. Die Armee wird von der Hisbollah, die dem Iran nahesteht, und russischen Kampfjets unterstützt. Laut einem Sprecher der Rebellen dauerten die Bombardements die ganze Nacht an, um den Bodentruppen den Vormarsch zu erleichtern.

Nach Ansicht des syrischen Anwaltes, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Mazen Darwish hat es die Armee vor Aleppo eilig. Sie versucht, in der verbleibenden Zeit bis zu den US-Wahlen möglichst viel Terrain zu erobern, um die Position des Regimes bei kommenden Verhandlungen zu stärken. Deshalb sei Damaskus an einer Eskalation der Gewalt interessiert.

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Darwish, der auf Einladung des Internationalen Presse Instituts IPI in Wien war, kritisierte vor österreichischen Journalisten, dass die USA in Syrien "keine klare Strategie" hätten. Washington und Moskau hätten kein ernsthaftes Interesse, eine friedliche Lösung zu erreichen, so der Aktivist, der zuletzt als Mitglied der syrischen Zivilgesellschaft an den Friedensgesprächen in Genf beteiligt war. Der Krieg in Syrien finde kein Ende, weil zu viele Mächte Profit aus dessen Fortbestand zögen, vermutet Darwish.

Als Folge der neu aufgeflammten Kämpfe kommen verstärkt Vertreter internationaler Hilfsorganisationen unter die Räder. Nachdem am Montag bei einem Angriff auf einen Konvoi in der Nähe von Aleppo 20 Menschen getötet worden waren, traf es einen Tag später Mitglieder der in Frankreich tätigen Hilfsorganisation UOSSM. Zwei Sanitäter und zwei Ambulanzfahrer sind tot, ein Krankenpfleger ist schwer verletzt. Der Angriff erfolgte angeblich aus der Luft, zunächst hatte es geheißen, dass das Krankenhaus in Khan Touman südwestlich von Aleppo in Schutt und Asche gelegt worden wäre. Diese Meldung wurde später als falsch zurückgezogen.

Meldungen aus Syrien werden oft als Propagandawaffe genutzt und sind daher stets mit Vorsicht zu lesen.

Unklar ist, wer für den Bombenangriff zur Verantwortung gezogen werden kann. In der Region fliegen normalerweise nur Syrien und sein Verbündeter Russland Luftangriffe. Nachdem die syrische Armee am Montagabend die Waffenruhe für beendet erklärt hatte, begannen Kampfjets und Hubschrauber mit heftigen Angriffen auf Stellungen der Rebellen in der Provinz Aleppo. Nach dem Beschuss eines Hilfskonvois stellten die UN und das Rote Kreuz ihre Hilfe aus Sicherheitsgründen ein.

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Schlagwörter

Syrien, Mazen Darwish, Russland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-21 18:23:10
Letzte ─nderung am 2016-09-22 07:26:59




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