• vom 22.09.2016, 13:38 Uhr

Weltpolitik

Update: 22.09.2016, 13:46 Uhr

Right Livelihood Award

Syrische "Weißhelme" - Retter in den Trümmern




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Von Jan Kuhlmann und Julia Wäschenbach, dpa

  • 140 "Weißhelme" kamen bereits ums Leben, Aktivist: Alternativer Nobelpreis macht uns stolz.

"White helmets" ahmen in Beirut eine Rettungsaktion nach.

"White helmets" ahmen in Beirut eine Rettungsaktion nach.© APAweb/AFP, ANWAR AMRO "White helmets" ahmen in Beirut eine Rettungsaktion nach.© APAweb/AFP, ANWAR AMRO

Stockholm/Damaskus.  Vor dem Krieg waren sie Bäcker, Lehrer oder Verkäufer. Jetzt sind sie Feuerwehrleute und Sanitäter - und rücken immer dann aus, wenn auf Rebellengebiete im syrischen Bürgerkrieg Bomben fallen. "Wenn die Bomben herunterregnen, stürmen die 'Weißhelme' heran", heißt es in Syrien. Oft sind sie die ersten an Ort und Stelle, die Verletzte versorgen oder Opfer aus den Trümmern ziehen.

Als die Gruppe 2013 anfing, ihr Leben zu riskieren, um andere zu retten, bestand sie aus einem Dutzend Freiwilliger. Inzwischen engagieren sich in der Organisation, die offiziell Syria Civil Defense heißt, 3.000 Menschen. Der Alternative Nobelpreis ehrte am Donnerstag ihren "herausragenden Mut, ihr Mitgefühl und humanitäres Engagement".

Unterstützung von Clooney

Auch für einen Friedensnobelpreis werden die syrischen Retter gehandelt. Eine Kampagne, unterstützt von Hollywood-Stars wie George Clooney, Daniel Craig und Ben Affleck, dem Sänger Justin Timberlake und seiner Kollegin Alicia Keys, macht sich dafür stark. Die prominente Unterstützung macht die Freiwilligen zwar stolz. Aber, wie Ibrahim al-Hajj von den "Weißhelmen" in der umkämpften Stadt Aleppo im Norden Syriens sagt: "Unser Ziel ist (...) nicht so sehr der Nobelpreis als vielmehr ein Ende des Kriegs in Syrien."

Die Hoffnung darauf ist wieder geschwunden, seit das syrische Militär die Waffenruhe am Montag nach einer Woche für beendet erklärt hat. Als Lastwagen eines Hilfskonvois von Luftangriffen getroffen werden, geht ein Video der Hilfsorganisation aus dem Norden des Bürgerkriegslandes um die Welt. Es zeigt einen Mitarbeiter der "Weißhelme" in dem Ort Urem al-Kubra. Während hinter ihm noch die Flammen lodern, berichtet er, ein syrischer Hubschrauber habe die Fahrzeuge angegriffen.

 Rettungshelfer fehlten

Anhänger der syrischen Regierung werfen den Weißhelmen enge Kontakte zu Rebellen vor. Doch ein Sprecher der Organisation, Abdel Rahman al-Hassan, weist das zurück. Die einzige Aufgabe der "Weißhelme" sei es, Leben zu retten. Dass die meist freiwilligen Helfer nur in Rebellengebieten aktiv sind, geht auf ihre Wurzeln zurück. Sie entstanden 2013 dort, wo es in dem Bürgerkriegsland keine staatlichen Strukturen mehr gab und Rettungshelfer fehlten.

Nach dem Angriff auf den Hilfskonvoi haben die Vereinten Nationen alle Hilfsgütertransporte in Syrien eingestellt. Noch mehr sind die Menschen jetzt auf die Freiwilligen angewiesen, die auch dabei helfen, die zerstörte Infrastruktur in den Städten wieder aufzubauen.

"Sie haben viel Erfahrung darin, Wasser und Elektrizität zwischen den Bombenangriffen wieder zu flicken", sagt der Direktor der Right Livelihood Award Stiftung, Ole von Uexküll. Die Ausbildung organisieren die "Weißhelme" selbst, finanzielle Unterstützung bekommen sie etwa aus den USA, Deutschland und den Niederlanden. "Deshalb gibt es auch Kritiker, die behaupten, die 'Weißhelme' seien der verlängerte Arm der westlichen Regierungen - völliger Quatsch", sagt von Uexküll.

 140 "Weißhelme" kamen bereits ums Leben

Mehr als 140 der zivilen Retter sind bei den Aktionen in den Trümmern schon ums Leben gekommen. Trotzdem wächst ihre Zahl. An 96 Stellen im Land sind sie im Einsatz, graben verletzte Kinder aus dem Schutt, reparieren Stromleitungen. Für viele sei die gefährliche Arbeit "die einzige Art, in dieser absolut unmenschlichen Situation menschlich zu bleiben", sagt von Uexküll. "Vielleicht haben sie auch das Gefühl, dass sie ohnehin nichts zu verlieren haben."

Der Preis, hofft der Schwede, hilft ihnen, "die Nachricht zu verbreiten, dass die syrische Bevölkerung genug von diesem Krieg hat". Er sei "ein Hoffnungsschimmer in den dunklen Tagen, in denen wir leben", sagt "Weißhelm" Hajj.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-22 13:40:35
Letzte nderung am 2016-09-22 13:46:21




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