• vom 07.10.2016, 16:55 Uhr

Weltpolitik

Update: 10.10.2016, 15:44 Uhr

Juan Manuel Santos

Der gute Wille zählt




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Von WZ-Korrespondent Tobias Käufer

  • Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Juan Santos ist politisches Kalkül. Kolumbiens Staatschef bemüht sich darum, gegen massive Widerstände sein Friedensabkommen mit der Guerilla zu retten. Die Auszeichnung soll ihm den Rücken stärken.

Kein Präsident vor ihm hatte versucht, Kolumbiens Guerilla eine politische Perspektive anzubieten: Juan Santos tat es und erhält dafür nun die höchste Auszeichnung. - © afp/Robayo

Kein Präsident vor ihm hatte versucht, Kolumbiens Guerilla eine politische Perspektive anzubieten: Juan Santos tat es und erhält dafür nun die höchste Auszeichnung. © afp/Robayo



Bogota. Selbst die Servietten zum Kaffee sind im Präsidentenpalast in Bogota mit einer Friedenstaube geschmückt. Alles, aber auch wirklich alles soll die Besucher in der Casa Narino an die Mission des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos erinnern. Und dann sind auch noch die drei Worte, die der Sohn einer der einflussreichsten Familien des Landes zum Motto seines politischen Auftrages gemacht hat: "Durchhalten, durchhalten, durchhalten."

Wann immer es schwierig wird beim Projekt seines Lebens, der Befriedung Kolumbiens, ruft er seinen Landsleuten und auch sich selbst diese Botschaft zu. Sie soll Mut machen in stürmischen Zeiten. Und stürmisch ist es wieder einmal Kolumbien. Seit Freitag ist der gelernte Jurist, Journalist und Wirtschaftswissenschafter auch Friedensnobelpreisträger. Damit endet die wohl dramatischste Wochen im Leben des Juan Manuel Santos mit einem politischen Happy End. Frieden herrscht deswegen aber noch lange nicht in dem von einem blutigen Krieg heimgesuchten südamerikanischen Land.

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"Überwältigt"
"Überwältigt" zeigte sich ein aus dem Schlaf gerissener Santos, als ihm Nachricht über die Auszeichnung um 4 Uhr morgens Ortszeit mitgeteilt wurde. "Danke, im Namen aller Kolumbianer und besonders im Namen der Opfer. Jener Million Opfer, die unter diesem Krieg gelitten hat."

Am Sonntagabend stand der Kolumbianer noch mit leeren Händen da und vor den Trümmern seiner Karriere. Entsetzt starrten auch seine Anhänger auf die Bildschirme, als das Ergebnis der Volksabstimmung über den Friedensvertrag zwischen der Santos-Regierung und der linksgerichteten Farc-Guerilla verkündet wurde. Mit 50,2 Prozent setzte sich das Nein-Lager durch, wenn auch äußerst knapp. Angeführt wurde es von Santos’ Vorgänger Alvaro Uribe.

Alles schien verloren, der in vier Jahren ausgehandelte Friedensvertrag mit den Rebellen - mit viel Prominenz und Pathos wenige Tage zuvor in der Kolonialstadt Cartagena voreilig unterschrieben - nur noch Makulatur. Auch die Präsidentschaft war in Gefahr, als sich Santos am Abend seinen Landsleuten stellte. Das Gesicht wirkte erstarrt, die Augen gerötet. Er werde nicht zurücktreten, ließ Santos seine Landsleute wissen. Er habe die Stimmen beider Lager gehört, die der Gegner und der Befürworter seines Friedensvertrages. Es gehe um die Stabilität.

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Dokument erstellt am 2016-10-07 16:59:06
Letzte nderung am 2016-10-10 15:44:09




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