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Weltpolitik

Update: 10.10.2016, 19:13 Uhr

US-Präsidentenwahl 2016

Wir sollten Trump dankbar sein!




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Von Judith Belfkih

  • Trumps Prahlerei mit sexueller Gewalt gegen Frauen stößt auf Empörung, ist aber auch ein grausames Abbild der Realität.

- © apa/afp/Getty Images/Chip Somodevilla

© apa/afp/Getty Images/Chip Somodevilla

"Ich fange einfach an, sie zu küssen. Ich warte nicht einmal. Wenn du ein Star bist, dann lassen sie dich. Du kannst alles machen. Ihnen an die Pussy fassen. Alles." So spricht der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump also über die Frauen. Zumindest in männlicher Gesellschaft, wenn er denkt, die Mikrofone seien nicht aktiv. Er selbst wollte diese Sätze, die auf einem jüngst veröffentlichten Video aus dem Jahr 2005 aus seinem Mund zu hören sind, als eine Art Männergefasel in der Umkleide abtun. Das macht die Sache eher schlimmer als besser, denn sie outet Trumps Blick auf die Frau als einen alltäglichen. Vor allem, weil die Männer rund um ihn auf die herablassende Prahlerei mit sexueller Gewalt nicht nur keinen Einspruch vorbringen, sondern mit zustimmendem Lachen reagieren.

Frauen sind wie ein Korb mit frischen Früchten. Hat der Mann Appetit, greift er einfach zu und beißt genussvoll in die knackigste. Trumps Frauen-Bild ist entwürdigend, aber wenig überraschend. Es passt zu den Eckdaten seines Lebens und den bisherigen Aussagen im Wahlkampf, mit denen er so ziemlich jeden und alles beleidigt hat. Nach seiner Tochter, bei der er nichts dagegen hat, dass sie als Sexualobjekt gehandelt wird, nun eben auch Frauen im Allgemeinen.

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Trump ist mit seinen Beleidigungen bisher ungeschoren davongekommen. Die Umfragewerte sind nicht gerade im Steigen. Stolpern wird er auch über seine letzten Sager nicht wesentlich mehr als über die anderen. Dazu ist der Nährboden zu fruchtbar, auf den seine dumpfe sexistische Weltsicht fällt.

Dass Trumps Genuss- und Besitzanspruch auf Frauen kein Einzelfall ist, sondern ein dunkles Abbild der Realität, zeigt der Aufschrei von Frauen darauf. Als Reaktion auf das prahlerische Video initiierte Autorin Kelly Oxford eine Debatte um sexuelle Angriffe. Auf Twitter forderte sie Frauen dazu auf, die ersten Übergriffe auf sie zu schildern. Millionen - vor allem aus den USA und Kanada - folgten ihrem Aufruf und posteten ihre Erfahrungen im Sekundentakt. Die Vielfalt der Geschichten ist erschreckend. Vom Dermatologen, der eine 14-Jährige nur nackt untersuchen will, über den Herren, der einer 12-Jährigen im Bus grinsend zwischen die Beine fasst, bis zu Belästigungen von Mitschülern auf Schultoiletten und auf offener Straße. Diese Bestandsaufnahme ist verabscheuenswürdig und offenbar doch ein überwältigend großer Teil unserer Realität, ja offenbar sogar der geduldeten Normalität.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-10-10 17:11:04
Letzte ─nderung am 2016-10-10 19:13:16




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