• vom 10.10.2016, 21:03 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.10.2016, 09:06 Uhr

Russland

Putin schafft Fakten




  • Artikel
  • Kommentare (12)
  • Lesenswert (21)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Ines Scholz

  • Abwehrraketen und militärische Dauerpräsenz in Syrien, Atomwaffen in Kaliningrad. Moskau brüskiert den Westen.

Russland Vizeverteidigungsminister Anatoly Antonow rechtfertigt Moskaus Vorgehen in Syrien. Schuld ist immer der Westen. - © reu/Zmeyev

Russland Vizeverteidigungsminister Anatoly Antonow rechtfertigt Moskaus Vorgehen in Syrien. Schuld ist immer der Westen. © reu/Zmeyev

Moskau. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Wladimir Putin nicht mit neuen militärischen Hiobsbotschaften für den Westen aufwartet. Es sind keine Drohgebärden, es sind harte militärische Tatsachen, die der Kremlchef sukzessive schafft. Der Westen wirkt wie ein Zaungast, der dem russischen Treiben außer warnenden Worten kaum etwas entgegenzusetzen hat. Putin fühlt sich dadurch nur noch mehr bestärkt, die Manövrierfähigkeit des Nato-Bündnisses weiter einzudampfen. Eine Spirale, die fatal werden kann.

Syrien liefert das beste Beispiel. Dort ist es Russland mit wenigen Schachzügen gelungen, den Einfluss der Weltmacht USA de facto auszuhebeln. Putin verhinderte nicht nur erfolgreich einen Sturz seines syrischen Verbündeten Bashar al-Assad, mit Hilfe seiner Luftwaffe steht auch der von den Rebellen kontrollierte Ostteil der strategisch wichtigen Stadt Aleppo kurz vor dem Fall. Die Rückeroberung der zweitgrößten Stadt des Bürgerkriegslandes wird Assad die Kontrolle über den gesamten Westen Syriens sichern. Dafür nimmt Putin Kriegsverbrechen in Kauf: Aleppos Osten wird derzeit samt Spitälern und Einwohnern in Schutt und Asche gebombt, wie Grosny im Jahr 2000.

Werbung

Gebiete, die unter Assads Kontrolle stehen, stärken Russlands Einfluss im Nahen Osten - und in Europa. Bisher war das an der Mittelmeerküste gelegene Tartus der einzige russische Luftwaffenstützpunkt im Mittelmeer. Der Vertrag zur Nutzung der Basis wurde bereits 1971 zwischen der Sowjetunion und Syrien unterzeichnet, seit 1977 ist er in Verwendung. Nun entsteht dort ein dauerhafter Marinestützpunkt für Russlands Flotte.

Seit Beginn des Militärengagements an der Seite Assads im September 2015 wurde die Militärbasis mit modernsten Waffensystemen und Kampfjets aufgerüstet. Von dort starten seither regelmäßig die Luftangriffe auf Stellungen der Assad-Gegner, heben russische Kampfjets ab, die ihre panzerbrechenden Bomben und Brandbomben - sogenannte Vakuumbomben - über dem Osten Aleppos abwerfen. Und auch nach einem allfälligen Ende des seit 2011 tobenden Syrien-Krieges mit hunderttausenden Toten wird Moskau im Mittelmeer militärische Präsenz demonstrieren: Die Regierung in Moskau kündigte am Montag an, in Tartus einen dauerhaften Marinestützpunkt einzurichten. Ein entsprechendes bilaterales Abkommen mit Damaskus war am Freitag unterzeichnet worden. Es umfasst die zeitlich unbegrenzte Stationierung von Kriegsschiffen, Hubschraubern, Soldaten, Söldnern und Kampfflugzeugen. Zahlen hält der Kreml geheim. Die Armada ist vielfältig: Moskau flog Angriffe mit Kampfjets vom Typ Suchoi Su-25-SM und Suchoi Su-30SM, Kampfhubschraubern vom Typ Mi-24 und Mi-8-Mehrzweckhubschraubern. Vor der syrischen Küste ankern inzwischen auch zwei russische Kriegsschiffe. Anfang des Monats wurde aus Russland zusätzlich das Raketenabwehrsystem vom Typ S-300 und S-400 nach Tartus und auf die neue russische Militärbasis in Latakia geschafft.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




12 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-10-10 21:08:05
Letzte Änderung am 2016-10-11 09:06:57




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Iraks Gotteskrieger
  2. Chinas Staatspräsident Xi Jinping erhält noch mehr Macht
  3. "Bis jetzt haben wir Glück gehabt"
  4. Hausgroßer Asteroid 2012 TC4 flog knapp an der Erde vorbei
  5. "Atomkrieg könnte jeden Moment beginnen"
  6. Hell gebrannt, schnell verglüht
  7. Trump wies Anschuldigungen von "Apprentice"-Kandidatin zurück


Werbung


Werbung