• vom 18.10.2016, 17:35 Uhr

Weltpolitik


Irak

Koalition erobert bei Sturm auf Mossul 20 Dörfer vom IS zurück




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  • Türkischer Premier mit widersprüchlichen Angaben zu Luftschlägen der türkischen Armee - Donnerstag Mossul-Konferenz in Paris.

Mossul. Noch finden die Kämpfe um die Hochburg der islamistischen Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Vorland der irakischen Metropole Mossul statt. Am zweiten Tag der Großoffensive haben Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben mehrere Gegenangriffe des IS abgewehrt. Ein Militärsprecher erklärte, südlich von Mossul hätten Armee und lokale sunnitische Milizen nahe der Stadt Al-Kayara mindestens drei IS-Vorstöße zurückgeschlagen. Mindestens 30 Extremisten seien dabei getötet worden, hieß es. Angaben über eigene Opfer machte der Militärsprecher nicht.

Das irakische Militär und die kurdische Peschmerga-Miliz haben in den ersten 24 Stunden ihrer Offensive gegen die Extremistenmiliz 20 Dörfer erobert. Die Soldaten rückten von Süden und Südosten auf die 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt vor, die Peschmerga-Kämpfer von Osten aus. Unterstützt werden sie von einer Militärkoalition unter Führung der USA, zu der auch Frankreich, Großbritannien, Kanada und die Türkei gehören. Der Sprecher der US-Streitkräfte erklärte, Armee und Peschmerga hätten ihre Ziele bisher im oder vor dem Zeitplan erreicht. Sollte Mosul vom IS befreit werden, wäre die Terrormiliz im Irak militärisch weitgehend besiegt.

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Verwirrung herrscht um den militärischen Beitrag der Türkei. Erst sagte Premier Binali Yildirim am Dienstag, die Luftwaffe unterstütze den Vormarsch im Rahmen der US-geführten Koalition: "Die, die sagen, die Türkei habe in Mosul nichts verloren, haben ihre Antwort erhalten." Später meinte er, natürlich kenne er die Details der dortigen Operationen nicht, aber wichtig sei, Teil der Koalition zu sein. Hunderte Iraker demonstrierten vor der türkischen Botschaft in der Hauptstadt Bagdad gegen die Präsenz türkischer Truppen im Norden des Landes. In Sprechchören forderten sie den Abzug der Soldaten.

Der bevorstehende Straßen- und Häuserkampf in Mossul dürfte nicht nur eine militärische, sondern auch eine humanitäre Herausforderung werden. Die Vereinten Nationen warnen, dass es einen Exodus von bis zu einer Million Menschen geben könnte. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtet zudem, dass Zehntausende Menschen von den Extremisten als lebende Schutzschilde missbraucht werden könnten. Der IOM-Chef im Irak, Thomas Weiss, sagte, wegen der Gefahr des Einsatzes von chemischen Waffen bemühe sich die Organisation auch um die Beschaffung von Gasmasken.

EU-Sicherheitskommissar Julian King warnte vor einer erhöhten Terrorgefahr in Europa durch den Sturm auf Mossul. "Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen", sagte er der Zeitung "Die Welt". "Das ist eine sehr ernste Bedrohung, auf die wir vorbereitet sein müssen." King sprach davon, dass sich noch 2500 IS-Kämpfer aus EU-Staaten im Irak und in Syrien aufhielten.

Mehr als 500.000 Kinder und ihre Familien in Mossul sind nach Einschätzung des UNO-Kinderhilfswerks Unicef in den kommenden Wochen in extremer Gefahr. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz fordert alle Kriegsparteien auf, die Zivilisten zu schonen und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser nicht anzugreifen. Rund zehn Millionen Menschen seien im Irak auf Hilfe angewiesen und mehr als drei Millionen bereits innerhalb des Landes auf der Flucht, erklärte Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. In Mossul zu bleiben, könnte den sicheren Tod bedeuten, sagt Lise Grande, UNO-Koordinatorin für humanitäre Hilfe im Irak. Gleichzeitig gebe es eine Faustregel bei den Hilfsorganisationen: Wenn mehr als 150.000 Menschen auf einmal fliehen, kann keine Institution der Welt dieses Problem angemessen lösen, warnt Grande.

Pläne für die Zeit nach dem Sieg über den IS werden bereits dieser Tage diskutiert. Am Donnerstag organisieren Frankreich und der Irak ein Treffen in Paris. 20 Außenminister sind dazu geladen. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault sagte, nach dem Sieg in Mossul müsse die internationale Koalition gegen den IS die syrische Stadt Raqqa von den Dschihadisten zurückerobern. "Es wäre ein schwerer Fehler, Raqqa zu übergehen", sagte Ayrault.




Schlagwörter

Irak, Mossul, Islamischer Staat

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Dokument erstellt am 2016-10-18 17:38:03




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