• vom 28.11.2016, 20:00 Uhr

Weltpolitik

Update: 28.11.2016, 20:10 Uhr

Fidel Castro

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  • Kuba nimmt eine Woche lang Abschied von Fidel Castro.

Castro starb in der Nacht auf Samstag im Alter von 90 Jahren. - © Reuters, Osa

Castro starb in der Nacht auf Samstag im Alter von 90 Jahren. © Reuters, Osa

Schlange stehen in Havanna, ...

Schlange stehen in Havanna, ...© Reuters/Garrido Schlange stehen in Havanna, ...© Reuters/Garrido

Havanna. (red/toka) Es wird der umgekehrte Weg der "Karawane der Freiheit" sein, den die Urne von Fidel Castro in den kommenden Tagen zurücklegt.

Nach dem Tod des umstrittenen Revolutionsführers in der Nacht auf Samstag und der Einäscherung wurde die Urne mit seinen sterblichen Überresten am Montag in Havanna im Denkmal für den Nationalhelden José Martí aufgestellt, aber nicht öffentlich präsentiert. Dort können sich die Kubaner nun zwei Tage lang von ihm verabschieden. Für Dienstag ist auf dem Platz der Revolution in Havanna eine Massenkundgebung zu Ehren Castros geplant.

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Dann zieht die Urne weiter: In einem viertägigen Trauerzug soll sie über verschiedene Städte und Ortschaften zur 900 Kilometer von Havanna entfernten Stadt Santiago de Cuba gebracht werden. Das ist die symbolische Route, mit der der verstorbene Castro seine Legende zu Lebzeiten zementiert hat. Denn vor knapp 60 Jahren, im Jänner 1959, zogen unter Castros Führung die Rebellen nach dem Sieg über die Soldaten von Diktator Fulgencio Batista in einem Triumphzug von Santiago de Cuba nach Havanna: die Karawane der Freiheit.

... um Fidel Castro im Denkmal José Martí die letzte Ehre zu erweisen.

... um Fidel Castro im Denkmal José Martí die letzte Ehre zu erweisen.© Reuters/Osa ... um Fidel Castro im Denkmal José Martí die letzte Ehre zu erweisen.© Reuters/Osa

Bekanntermaßen kam alles ganz anders: Castro, der gelobt hatte, nach der Befreiung der Insel nie ein politisches Amt zu bekleiden, wurde Maximo Lider auf quasi Lebenszeit - bis er seinem Bruder Raúl 2006 die Regierungsgeschicke in die Hand legte.

Castro war am Freitagabend im Alter von 90 Jahren gestorben. Er hatte bis zuletzt Staatsgäste in seinem Haus empfangen und sich in der Parteizeitung "Granma" zu Wort gemeldet.

Wenngleich Castro zuletzt nicht mehr in Erscheinung getreten ist, war er für die kubanische Regierung eine wichtige Symbolfigur. Daher wurden die Kubaner nach seinem Tod nun aufgerufen, eine Erklärung zu unterzeichnen, weiterhin für Castros Ideale und den Sozialismus zu kämpfen.

Doch die Ideale von Castro trieben auch noch vergangene Woche die Bootsflüchtlinge, "Balseros", von Kuba auf kleinsten Booten an die Südspitze von Florida. Die Wet-Foot-Dry-Foot-Politik der USA gewährt Kubanern, die es auf US-amerikanischen Boden geschafft haben, einen legalen Aufenthalt.

Trotz des von US-Präsident Barack Obama und Raul Castro eingeleiteten Tauwetters haben in den vergangenen Monaten zehntausende Kubaner mit den Füßen abgestimmt. Sie glauben nicht an einen tiefgreifenden Wandel auf der kommunistisch regierten Insel, auf der selbst kleine Reformen gerne mal Jahrzehnte dauern - und Widerspruch gefährlich ist.

Wie viele der kubanischen "Balseros" seit Jahren unbemerkt und alleine gelassen auf ihrer Flucht übers Wasser in Richtung USA ertrinken ist unbekannt.

Kubas Opposition präsentiert sich nach Castros Tod ausgelaugt und ausgehungert. Ihre wichtigste Führungsfigur, Oswaldo Paya von der christlich-bürgerlichen Befreiungsfront, kam vor vier Jahren bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben. Seitdem kämpft seine Familie, die inzwischen Kuba verlassen hat, darum, dass die internationale Staatengemeinschaft die Umstände seines Todes untersucht. Vergeblich. Die Situation der kubanischen Dissidenten hat sich seit Beginn des Tauwetters sogar verschlechtert: Die Kubanische Kommission für Menschenrechte und nationale Versöhnung (CCDHRN) meldete erst vor wenigen Tagen eine neue Höchstmarke "politisch motivierter, willkürlicher Festnahmen". "Wir prognostizieren, dass die Zahl der Repressionen im laufenden Jahr die 10.000er-Marke überschreiten wird", sagte Direktor Marti Elizardo Sanchez Santa Cruz. Seit sechs Jahren klickten die Handschellen nicht mehr so oft wie in diesem Jahr.




Schlagwörter

Fidel Castro, Begräbnis, Kuba

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-28 18:47:10
Letzte ─nderung am 2016-11-28 20:10:28




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