• vom 29.11.2016, 15:50 Uhr

Weltpolitik

Update: 29.11.2016, 15:55 Uhr

Syrien

Humanitäre Lage in Aleppo spitzt sich zu




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Von WZ Online, APA, AFP

  • 16.000 Menschen nach Niederlage der Rebellen in mehreren Vierteln geflohen.

Angesichts des Vorrückens der Regierungstruppen in Aleppos
Rebellenviertel spitzt sich die humanitäre Lage in der nordsyrischen
Stadt weiter zu. - © APAweb/Reuters, SANA

Angesichts des Vorrückens der Regierungstruppen in Aleppos
Rebellenviertel spitzt sich die humanitäre Lage in der nordsyrischen
Stadt weiter zu.
© APAweb/Reuters, SANA

Alexandria/Damaskus. Angesichts des Vorrückens der Regierungstruppen in Aleppos Rebellenviertel spitzt sich die humanitäre Lage in der nordsyrischen Stadt weiter zu: Nach der Niederlage der Rebellen in mehreren Stadtteilen von Ost-Aleppo seien bis zu 16.000 Menschen aus den Rebellengebieten geflohen, teilte der UN-Direktor für humanitäre Hilfe, Stephen O'Brien, am Dienstag mit.

UN-Sprecher Stephane Dujarric rief die Konfliktparteien eindringlich auf, ihre Angriffe auf Zivilisten in Aleppo einzustellen.

"Die Intensität der Angriffe auf Bezirke in Ost-Aleppo in den vergangenen Tagen hat tausende Zivilisten gezwungen" zu fliehen, erklärte O'Brien. Angesichts der "alarmierenden und schrecklichen Situation" in der syrischen Stadt sei er "äußerst besorgt". Die Lebensmittelvorräte in Ost-Aleppo seien praktisch aufgebraucht, es gebe kein funktionierendes Krankenhaus mehr.

Hunger und Massenflucht

Auch der Sprecher der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme, Ibrahim Abu Laith, sagte, es gebe im Osten Aleppos "weder Essen, noch Wasser, noch Obdach, noch Transportmittel".

O'Brien führte aus, nach Angaben humanitärer UN-Partnerorganisationen seien "bis zu 16.000 Menschen" aus den Rebellengebiete in andere Teile der Stadt geflohen: etwa 10.000 Menschen nach West-Aleppo, das von regierungstreuen Truppen kontrolliert wird, und zwischen 4.000 und 6.000 Einwohner in die kleine kurdische Enklave Scheich Maksud. Helfer warnten, dass die Flüchtlinge aus Ost-Aleppo womöglich als mutmaßliche Feinde verfolgt würden.

Für viele der Flüchtlinge sei die Situation "ungewiss und gefährlich", sagte O'Brien. Es sei mit tausenden weiteren Flüchtlingen zu rechnen.

"Schwerste Niederlage" für die Rebellen

Vor zwei Wochen hatten die Truppen des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad eine Offensive zur vollständigen Eroberung der einstigen Wirtschaftsmetropole begonnen. Am Samstag verkündeten sie die Eroberung des größten Rebellenviertels von Aleppo. Am Montag gaben die Rebellen mehrere Stadtviertel im Nordosten der Stadt auf, so dass das Rebellengebiet in Aleppo in zwei Teile zerfiel.

Übereinstimmenden Berichten zufolge eroberten die Regierungstruppen die Stadtteile Sachur, Haidarija und Scheich Chodr. Kurdische Milizen nahmen das Viertel Scheich Fares ein. Damit hätten die Aufständischen die Kontrolle über den gesamten Nordosten Aleppos verloren, sagte der Leiter der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Dies sei die "schwerste Niederlage" für die Rebellen nach der Eroberung Ost-Aleppos im Jahr 2012.

Unterstützt wird Assad durch Russland. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow, warf dem Westen am Dienstag "Blindheit" bei der Einschätzung der Lage in Aleppo vor. Der Armeeeinsatz dort habe "es in den vergangenen 24 Stunden erlaubt, die Lage radikal zu verändern".

Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault forderte angesichts der "humanitären Katastrophe" in der syrischen Stadt eine "sofortige" Sitzung des UN-Sicherheitsrats, um über Aleppo zu sprechen. "Mehr denn je" müsse für ein Ende der Kampfhandlungen und einen ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe gesorgt werden, erklärte Ayrault.

UN-Sprecher Dujarric hatte am Montag eindringlich alle Konfliktparteien in Aleppo aufgefordert, die "willkürlichen Bombardierungen einzustellen" und Zivilisten sowie die zivile Infrastruktur zu verschonen. Zugleich sei es dringend nötig, dass die Menschen in der Stadt mit Hilfslieferungen versorgt werden könnten.

Die letzten Nahrungsmittellieferungen des Welternährungsprogramms (WFP) seien seit Mitte November aufgebraucht und auch die Hilfen anderer Organisationen gingen allmählich zur Neige, warnte Dujarric. Die in Ost-Aleppo eingeschlossenen rund 275.000 Menschen lebten unter "entsetzlichen Bedingungen".

Die Hilfsorganisation World Vision Deutschland prangerte die Tatenlosigkeit der internationalen Gemeinschaft an: "Während die Welt zuschaut, geht das Sterben weiter", erklärte sie in Berlin.

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Syrien, Aleppo

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-29 15:53:35
Letzte nderung am 2016-11-29 15:55:29




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