• vom 29.11.2016, 16:58 Uhr

Weltpolitik


Aleppo

"Der Widerstand kollabiert"




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  • Kräfte Assads erobern große Teile im Osten Aleppos. Rebellen befinden sich in verzweifelter Lage.

Ein Bub in Aleppo trauert um einen bei einem Bombenangriff getöteten Verwandten. - © afp

Ein Bub in Aleppo trauert um einen bei einem Bombenangriff getöteten Verwandten. © afp

Moskau/Damaskus. Im Osten Aleppos zeichnet sich eine Entscheidungsschlacht ab. Nach russischen Angaben hat die syrische Armee fast die Hälfte des bisher von Rebellen und Extremisten beherrschten Stadtteils zurückerobert. In den vergangenen 24 Stunden sei den Kräften des Regimes ein Durchbruch in dem Kampf gelungen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Diese Meldungen werden von den Rebellen im Wesentlichen bestätigt. Sie versuchen, die drohende Niederlage mit allen Mitteln abzuwenden. Auch am Dienstag wurde erbittert gekämpft, in der Nacht gab es wieder Luftangriffe, bei denen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 18 Menschen getötet wurden.

"Kampf geht weiter"
"Der Kampf geht weiter", meint Usama Abu Seid, Berater der oppositionellen Freien Syrischen Armee FSA. Abu Seid warf dem Westen vor, die belagerten Rebellen in Aleppo im Stich gelassen zu haben. Vor allem von den USA ist man enttäuscht. Der Westen unterstütze die Kurdenmiliz YPG und damit auch das Regime, da beide in Aleppo gemeinsame Sache machten, so Abu Said.

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Tatsache ist, dass bei den Assad-Gegnern das Chaos ausgebrochen ist. Der Sender Al Jazeera zitiert einen Journalisten aus dem Osten Aleppos, der berichtet, dass der Widerstand kollabiere und Viertel um Viertel an das Regime falle. Zudem ist von Rivalitäten und Streit zwischen verschiedenen Rebellenbrigaden die Rede. Die vormarschierenden Kräfte Assads werden von zahlreichen internationalen Truppen verstärkt, es kämpfen unter iranischer Führung Pakistaner, Afghanen, Iraker und libanesische Hisbollah-Milizionäre.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte die syrische und russische Regierung vor der Annahme, mit der Einnahme Aleppos einen entscheidenden Sieg zu erringen. "Dieser Konflikt wird nicht zu Ende gehen - unabhängig davon was gegenwärtig in Ost-Aleppo militärisch passiert", sagte er in Berlin. Steinmeier verwies darauf, dass viele regionale Akteure "in diesen Konflikt investiert" hätten. In dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg verfolgen die Türkei, der Iran, Saudi-Arabien, die USA und Westeuropa sowie Russland unterschiedliche Interessen und unterstützen verschiedene Gruppen. Die Regierung in Berlin fordert deshalb eine umgehende humanitäre Feuerpause.

Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault fordert angesichts der verzweifelten Lage in Aleppo eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates. "Mehr als jemals zuvor müssen wir dringend Maßnahmen ergreifen, um die Feindseligkeiten zu beenden und humanitäre Hilfe ungehindert durchzulassen", erklärte Ayrault.

Für die Zivilbevölkerung bedeutet das alles immenses Leid. Täglich schlagen Fassbomben, Streubomben, Brandbomben oder bunkerbrechende Bomben in Wohnbezirke ein. Wo es möglich ist, versuchen die Menschen, den Kämpfen zu entfliehen. Nach UNO-Angaben wurden bereits bis zu 16.000 vertrieben. In Ost-Aleppo gebe es keine funktionierenden Krankenhäuser mehr, sagte der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe, Stephen O’Brien. Die Reserven an Nahrungsmitteln seien weitgehend aufgebraucht.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hält ungefähr 45 Tonnen Medikamente und medizinisches Material bereit. Die Hilfsgüter könnten mit einem Konvoi innerhalb von 24 Stunden nach Ost-Aleppo gebracht werden, teilte die Organisation mit. Doch trotz anhaltender Bemühungen um die Erlaubnis für einen Transport sei es bisher nicht möglich, Zugang in den Osten Aleppos zu bekommen, wo es "praktisch keine Gesundheitsversorgung mehr" gebe. Höchstens 32 Ärzte seien noch an Ort und Stelle. Viele Krankenwagen seien beschädigt und die Straßen wegen des Schutts durch zerbombte Gebäude unpassierbar.




Schlagwörter

Aleppo, Offensive, Zivilisten, Kämpfe

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Dokument erstellt am 2016-11-29 17:02:08




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