• vom 25.01.2017, 17:59 Uhr

Weltpolitik

Update: 26.01.2017, 14:20 Uhr

Ägypten

Albtraum am Nil




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Svensson

  • Die Revolution ist abgeschafft und Ägypten versinkt im wirtschaftlichen Chaos.



Zuckerverkauf in Kairo: Immer wieder werden Nahrungsmittel knapp, so gab es etwa Ende 2016 keinen Zucker mehr in den Regalen. Zuvor waren es Reis, Öl, Medikamente und Babynahrung gewesen.

Zuckerverkauf in Kairo: Immer wieder werden Nahrungsmittel knapp, so gab es etwa Ende 2016 keinen Zucker mehr in den Regalen. Zuvor waren es Reis, Öl, Medikamente und Babynahrung gewesen.© afp Zuckerverkauf in Kairo: Immer wieder werden Nahrungsmittel knapp, so gab es etwa Ende 2016 keinen Zucker mehr in den Regalen. Zuvor waren es Reis, Öl, Medikamente und Babynahrung gewesen.© afp

Kairo. Mitten auf dem Tahrir-Platz, im Herzen der ägyptischen Hauptstadt Kairo, steht ein Mann in Lederjacke und brüllt zu den wenigen auf dem Gehsteig versammelten Leuten hinüber. In Windeseile löst sich das Grüppchen auf. Zurück bleiben Polizisten, Mitglieder von Spezialeinheiten und vor allem Geheimdienstler. Sie haben die ehemalige Ikone der Revolution am Nil voll in Beschlag genommen. Nur, wer patriotische ägyptische Flaggen verteilt, darf bleiben.

Zwei Männer kommen mit Plakaten, auf denen die "Gefallenen der Revolution" abgebildet sind. Es sind Armeeangehörige oder Polizisten. Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi hatte sie am Tag zuvor in einer Rede gewürdigt. Von toten Demonstranten sprach er nicht. Die Revolution habe ihre Ziele aus den Augen verloren, als sie von speziellen Interessen geleitet wurde, sagte er. Besser kann man die Haltung der Machthaber nicht ausdrücken.


Tahrir-Platz plattgemacht
Es ist "Revolutionstag" in Ägypten. Am 25. Januar vor sechs Jahren gingen erstmals Hunderttausende gegen das verhasste Regime auf die Straße. Eine Welle der Rebellion erfasste das Land, bis der fast 30 Jahre herrschende Husni Mubarak am 11. Februar abdanken musste. Der heutige Tag markiert den Beginn des Aufstandes, es ist ein nationaler Feiertag, doch die Revolution ist abgeschafft. Nichts erinnert mehr daran. Der Tahrir-Platz, wo alles begann, ist plattgemacht und in den Untergrund verlegt. Das gesamte Terrain wurde zur Tiefgarage umfunktioniert. Oben liegen Betonplatten, die mit Sandwegen eingefasst sind. Ein paar Treppen führen nach unten, eine Zahlstation und Luftschächte. In der Mitte weht eine riesige ägyptische Fahne. Der Platz ist blitzsauber, wirkt steril. Zwei Handwerker pinseln noch schnell silberne Farbe an die Laternenmasten, damit kein schlechter Eindruck entsteht, wenn offizielle Gäste zur Gedenkfeier kommen. Sie sind ausgesucht und unterscheiden sich kaum von jenen des alten Regimes. Die jungen Revolutionäre von damals sitzen entweder im Gefängnis oder sind aufs Land gefahren, wie es in Ägypten heißt, wenn man in die Wüste will.

"Wir hatten damals nur die Wahl zwischen einer Militärdiktatur oder einer Religionsdiktatur", sagt Abdal Galil al-Sharnoby. Der 42-Jährige ist Journalist und Mitarbeiter am Ägyptischen Zentrum für Recherche und Studien über religiöse Organisationen und Bewegungen. Das Zentrum ist ein regierungsnaher Thinktank, der mit Mitteln aus den Vereinigten Emiraten ausgestattet wird, die von Anfang an kritisch gegenüber der ägyptischen Revolution und dem Aufstieg der Muslimbruderschaft waren.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-01-25 18:03:10
Letzte ─nderung am 2017-01-26 14:20:07




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