• vom 06.04.2017, 19:03 Uhr

Weltpolitik

Update: 06.04.2017, 19:22 Uhr

USA

Nur nicht das Gesicht verlieren




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  • Nordkorea, Inselstreit und die Handelsbeziehungen sind die Schwerpunkte des Treffens zwischen US-Präsident Trump und Chinas Xi Jinping.

Xi wurde von US-Außenminister Rex Tillerson empfangen.

Xi wurde von US-Außenminister Rex Tillerson empfangen.© reuters Xi wurde von US-Außenminister Rex Tillerson empfangen.© reuters

Washington. (sig) Große Erwartungen waren nicht angebracht vor dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping am Donnerstagabend und Freitag - auch, wenn beide Seiten betonten, wie bedeutend die Gespräche seien. China sei enttäuscht, dass sie nicht im Weißen Haus, sondern in Mar-a-Lago in Florida stattfinden, hieß es von anonymen Quellen aus dem Weißen Haus. Trumps Privatdomizil in Florida fehle es an der nötigen Symbolik.

Es werde ein "sehr schwieriges" Treffen werden, twitterte Trump bereits vorige Woche. Die USA könnten die "massiven Jobverluste", ausgelöst durch die Handelspraktiken Chinas, nicht mehr hinnehmen. Bereits im Wahlkampf hatte Trump einen aggressiven Ton gegen Peking angeschlagen. Nun lässt er alle Handelsbeziehungen der USA überprüfen. Das Land hat ein riesiges Budgetdefizit, vor allem aus China importieren die Staaten viel mehr, als sie dorthin exportieren. Trump hat angedroht, hohe Zölle auf Produkte aus China einzuführen. Doch eine Strategie für künftige Handelsbeziehungen lässt auf sich warten.


Trump fordert von China nicht nur Zugeständnisse im Handelsstreit, sondern auch ein verschärftes Vorgehen gegen Nordkorea. Der US-Präsident hat das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas zur dringlichen Angelegenheit erklärt. Der Umgang mit Pjöngjang sei ein Test für die Beziehungen zwischen China und den USA, sagte ein hoher Beamter des Weißen Hauses zur Nachrichtenagentur Reuters. "Und die Zeit läuft sehr, sehr schnell davon."

Aus Peking heißt es indes, man tue ohnehin, was man könne. Es liege an den USA, das Gespräch mit Nordkorea zu finden. Trump hat angedeutet, das Problem notfalls ohne China zu lösen. Diese Drohung eines US-Alleingangs, der bis zu einem Präventivschlag gegen Nordkorea reichen könnte, hat die Atmosphäre weiter angeheizt.

Inselstreit verschärft
Eine militärische Eskalation liegt auch nicht im Interesse Chinas, denn das könnte Flüchtlingsströme aus Nordkorea zur Folge haben. Zudem würde Pjöngjang auf einen Militärschlag wohl mit heftigen Vergeltungsaktionen antworten, die Südkorea, Japan und damit auch die dort stationierten US-Truppen treffen könnten. Nordkoreas Botschafter in Moskau hat jedenfalls schon angekündigt, dass Pjöngjang bei Provokationen durch die USA zu einem "erbarmungslosen Schlag" bereit sei.

Ein weiteres Thema der Gespräche zwischen den Führern der beiden größten Wirtschaftsmächte war der Inselstreit im Südchinesischen Meer - den die Philippinen einen Tag zuvor weiter angeheizt hatten. Die Regierung in Manila entsandte Soldaten auf von ihr beanspruchte Inseln und Riffe. Manila erhebe Anspruch auf "neun oder zehn" davon, sagte Präsident Rodrigo Duterte bei einem Truppenbesuch. Damit geht Duterte auf Konfrontationskurs mit Peking, das fast das gesamte Südchinesische Meer für sich beansprucht - und bereits künstliche Inseln um die Spratly-Inseln aufgeschüttet hat.

Zu dem geballten Potenzial an inhaltlichen Auseinandersetzungen kam, dass Trump und Xi unterschiedlicher nicht sein könnten: Der zum Narzissmus neigende Trump, Markenzeichen wütende Tweets, wirkt wie das personifizierte Gegenteil des kontrollieren, strikt nach Skript handelnden Xi. Noch mehr als vor einer inhaltlichen Auseinandersetzung fürchteten sich die Chinesen davor, Trump könnte Xi öffentlich blamieren. "Es ist Chinas erste Priorität, dass Xi sein Gesicht nicht verliert", sagte ein chinesischer Beamter vor dem Treffen.




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Dokument erstellt am 2017-04-06 18:18:08
Letzte ─nderung am 2017-04-06 19:22:30




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