• vom 07.04.2017, 21:02 Uhr

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  • Der Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping bei Donald Trump in Florida war von der US-Militärintervention in Syrien überschattet.

Händedruck und Privatflair in Mar-a-Lago. Chinas Präsident Xi und US-Präsident Trump tauschten in Florida vor allem Freundlichkeiten aus. Xis Ehefrau Peng Liyuan (l.) schaute zu. - © Carlos Barria

Händedruck und Privatflair in Mar-a-Lago. Chinas Präsident Xi und US-Präsident Trump tauschten in Florida vor allem Freundlichkeiten aus. Xis Ehefrau Peng Liyuan (l.) schaute zu. © Carlos Barria

PalmBeach/Peking. Schon dass der Empfang nicht im Weißen Haus in Washington, sondern in Donald Trumps Privatanwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida, stattfand, soll beim chinesischen Staatsgast Xi Jinping auf wenig Begeisterung gestoßen sein. Dass das Gipfeltreffen mit Donald Trump schließlich auch noch von den aktuellen Ereignissen in Syrien völlig überschattet worden ist, dürfte auch nicht dazu beigetragen haben, dass sich Xis Laune aufhellt. Als der US-Präsident am Donnerstag in Mar-a-Lago sein Seezungen-Dinner mit dem chinesischen Staatsgast gerade beendet hatte, flimmerten die ersten Bilder des US-Angriffs auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Shairat der syrischen Armee über CNN. Auch Xis letzter Besuchstag am Freitag stand mehr im Zeichen Syriens als im Zeichen der bilateralen Bemühungen, die komplizierten Beziehungen der beiden größten Wirtschaftsmächte der Welt zu ordnen.

Chinas Staats- und Parteichef bemühte sich dennoch, das Beste aus der Visite zu machen. So bekräftigte Xi gegenüber Trump am Freitag seinen Willen, die Kooperation mit US-Präsident Donald Trump zu vertiefen, und streute dem Gastgeber Rosen. Er sei bereit, mit Trump zusammenzuarbeiten, um das Verhältnis "von einem neuen Ausgangspunkt" voranzubringen, zitierte ihn die die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. "Es gibt tausend Gründe, dass die chinesisch-amerikanischen Beziehungen funktionieren, aber keinen, sie auseinanderzubrechen." Trump habe eine Einladung nach China angenommen und hoffe, zu einem frühen Zeitpunkt zu kommen, berichtete Xinhua. Xi Jinping habe ihn zu einem Staatsbesuch in diesem Jahr eingeladen.


Die Konflikte um Handelsungleichgewichte und den richtigen Umgang mit Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm dominierten das erste Aufeinandertreffen der beiden Staatsmänner.

"Wir haben eine Freundschaft entwickelt", sagte Trump zu Beginn der zweitägigen Gespräche am Donnerstagabend (Ortszeit). Allerdings sei es noch nicht zu Ergebnissen gekommen. "Auf lange Sicht werden wir ein sehr großartiges Verhältnis pflegen."

Die USA hatten im Vorfeld des Treffens deutlich gemacht, China stärker in die Pflicht nehmen, um das nordkoreanische Atomprogramm zu beenden. Trump sorgte mit der Ankündigung für Aufsehen, die Krise in Nordkorea notfalls ohne die Zustimmung oder Unterstützung Chinas lösen zu wollen. Seine Drohung, in Nordkorea notfalls auch im Alleingang vorzugehen, wiederholte er nun im Beisein Xis. US-Außenminister Rex Tillerson hatte erklärt, China könne "Teil einer neuen Strategie" sein. China solle seinen Einfluss auf Nordkorea geltend machen. Die Regierung des kommunistischen Landes hatte zuletzt mehrfach mit neuen Raketentests provoziert. Das wurde vom UNO-Sicherheitsrat scharf verurteilt.

Trump hatte auf dem Flug nach Florida die Erwartung geäußert, dass China seine Rolle in dem Konflikt ausbaut. Allerdings hatte dies auch bereits die Regierung Obama erfolglos gefordert.

Die Chinesen hatten zu einer Deeskalation der Lage aufgerufen. Der wichtigste Handelspartner Nordkoreas China trägt zwar alle UNO-Sanktionen mit, er befürchtet aber eine militärische Eskalation oder einen Kollaps des Nachbarn. Als Ergebnis könnten Flüchtlinge nach China strömen.

Neben Nordkoreas Atomprogramm waren Handelsstreitigkeiten das große Thema bei den Gesprächen der Staatschefs. Die USA haben ein riesiges Defizit vor allem im Handel mit China. Sie werfen China, aber auch Deutschland "unfaire" Handelspraktiken zulasten der Amerikaner vor. Zu den Gesprächen war neben Außenminister Tillerson auch Verteidigungsminister James Mattis angereist. Das Treffen endete am Freitagnachmittag (Ortszeit). Eine gemeinsame Pressekonferenz der beiden Staatschef war nicht geplant.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-07 19:09:05
Letzte nderung am 2017-04-07 20:35:05




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