• vom 18.05.2017, 18:03 Uhr

Weltpolitik

Update: 18.05.2017, 22:15 Uhr

Donald Trump

Von Hexen und ihren Jägern




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Von WZ-Korrespondent Klaus Stimeder

  • Die Bestellung von Ex-FBI-Chef Robert Mueller zum Sonderermittler in Sachen "Kremlgate" bringt US-Präsident Donald Trump in schwere Bedrängnis - politisch und möglicherweise gar juristisch.

Robert Mueller gilt als durchsetzungsstark und unbeugsam. Das macht ihn auch für die Demokraten akzeptabel.

Robert Mueller gilt als durchsetzungsstark und unbeugsam. Das macht ihn auch für die Demokraten akzeptabel.© ap Robert Mueller gilt als durchsetzungsstark und unbeugsam. Das macht ihn auch für die Demokraten akzeptabel.© ap

Washington. Zurückhaltung ist eine Tugend, die in bewegten Zeiten hintanstehen muss, selbst im Todesfall. Mal hinter vorgehaltener Hand, mal offen: Das Urteil der professionellen Analystenklasse der US-Innenpolitik am Tag nach der Bestellung eines Sonderermittlers, der sich der Verbindungen zwischen Donald Trump, seinem Wahlkampfteam und Russland annehmen wird, lautete eindeutig. Roger Ailes, der Erfinder und langjährige Chef des konservativen Propagandasenders Fox News, habe seinem letzten politischen Schützling mit seinem Tod einen letzten Dienst erwiesen. Der im vergangenen Jahr wegen dutzender Vorwürfe der sexuellen Belästigung entlassene Ailes starb 77-jährig in Palm Beach, unweit von Mar-a-Lago, Trumps Luxusanwesen am Ostrand Floridas.

Die Nachricht vom Dahinscheiden des TV-Zampanos, der Fox News von Anbeginn erfolgreich als Sprachrohr des rechten (und mitunter rechtsradikalen) Amerika etablierte, überlagerte am Donnerstag fast alles - nicht zuletzt, weil darüber Einigkeit herrscht, dass es einen Präsidenten Trump ohne Ailes’ Einfluss und Hilfe nie gegeben hätte. Ersterer konnte derartige Ablenkungen, so kurz sie auch sein mögen, nie besser gebrauchen als derzeit. Nach fast 24 Stunden Twitterpause gewährte Trump am Donnerstag wieder einmal Einblick in sein Seelenleben und wie immer kam er dabei mit 140 Zeichen aus: Was da gerade in der Hauptstadt passiere, stelle nicht weniger als "die größte Hexenjagd in der amerikanischen Geschichte" dar, anders als "bei illegalen Akten, die unter Clinton und Obama passierten", würde ihm ein Sonderermittler vorgesetzt.

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Aber alles Jammern hilft nichts, auch wenn sich Trump wie gewohnt von den Medien und der Justiz extrem ungerecht behandelt fühlt. Wie am Mittwochabend Ortzeit bekannt wurde, geht die Affäre um die Verbindungen zwischen dem Präsidenten, seiner Wahlkampftruppe und Wladimir Putins Russland jetzt in eine neue, vorentscheidende Runde. Rod Rosenstein, der Vizechef im Justizministerium, bestellte den ehemaligen FBI-Chef Robert Mueller zum "Special Counsel", zum mit nahezu allen Vollmachten ausgestatteten Sonderermittler in Sachen "Kremlgate".

Trump kommentierte Muellers Ernennung damit, dass dies ein "schrecklicher Schlag gegen unser Land" sei. Und dies zeige auch, "dass wir ein geteiltes, und nicht einheitliches Land sind".

Von allen Seiten respektiert
Während es seit langem als gesicherte Erkenntnis gilt, dass Russland mit allen möglichen legalen und illegalen Mitteln on- und offline für Trump wahlkämpfte, soll Mueller der Frage nachgehen, inwiefern die Wahlkampftruppe des Republikaners und möglicherweise er selber aktiv mit Putins Leuten zusammengearbeitet hat, um die Wahl Hillary Clintons zu verhindern. Von April bis November 2016 soll es laut ehemaligen und gegenwärtigen US-Regierungsvertretern in mindestens 18 Fällen entsprechende Telefonate oder E-Mails gegeben haben.

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Dokument erstellt am 2017-05-18 18:09:06
Letzte nderung am 2017-05-18 22:15:04




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