• vom 30.06.2017, 18:00 Uhr

Weltpolitik


Hongkong

Hongkongs nächste Feier: 2047




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Von Thomas Seifert

  • China zelebriert den 20. Jahrestag der Rückgabe der Ex-Kronkolonie Hongkong an Peking. Nicht allen ist zum Feiern zumute.

Nicht unbedingt eine Romanze zwischen Hongkong und Festlandchina.

Nicht unbedingt eine Romanze zwischen Hongkong und Festlandchina.© Anthony Wallace/afp Nicht unbedingt eine Romanze zwischen Hongkong und Festlandchina.© Anthony Wallace/afp

Hongkong. In einem kleinen Palais im früheren französischen Sektor von Shanghai empfing der Vizepremierminister und Außenminister der Volksrepublik China, Marschall Chen Yi, den österreichischen Journalisten Hugo Portisch. Portisch hat die Begegnung in seinem 1965 erschienen Buch "So sah ich China" dokumentiert. Nach der formalen Begrüßung forderte Chen Yi Portisch auf, in den großen Polsterstühlen des Empfangssalons Platz zu nehmen. Tee wurde serviert, anschließend Eiscreme. Marschall Chen Yi kam dann auf außenpolitische Themen zu sprechen: "Taiwan, Hongkong und Macao sind Enklaven der Imperialisten in unserem Land. Es sind Teile unseres Landes. Sie werden befreit werden", erzählte Chen Portisch. "In der nächsten Minute aber zeigte der Außenminister von China, dass er ein Realist ist. Es käme nicht darauf an, ob sie jetzt oder in 15 Jahren befreit würden. ‚Solche Fragen löst die Zeit‘, meinte er", schrieb Portisch in seinem China-Bestseller im Jahr 1965.

Am 1. Juli 1997, kurz nach Mitternacht des 30. Juni, war es so weit. Im Hongkong Convention and Exhibition Centre in Wan Chai wurde die chinesische Flagge gehisst. Dieser Moment markierte das Ende der 156 Jahre währenden britischen Kolonialherrschaft in Hongkong. Für das Reich der Mitte ging eine Epoche, die in China als "Jahrhundert der Erniedrigung" bekannt ist, zu Ende. Das Reich der Mitte war nach den Opiumkriegen 1840 unter anderem dazu gezwungen worden, Hongkong an London abzutreten und die Häfen für Produkte des britischen Empire - darunter auch Drogen - zu öffnen.

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Seither gilt die Devise: Ein Land, zwei Systeme. Mit dem Ende der Kolonialherrschaft der Briten wurde 1997 auch fixiert, dass Hongkong für weitere 50 Jahre Souveränitätsrechte eingeräumt werden sollen. Im Artikel fünf des ersten Kapitels des Hongkong Basic Law, dem Verfassungsdokument Hongkongs, ist festgehalten: "Das sozialistische System und sozialistische Politik sollen in der Sonderverwaltungsregion Hongkongs nicht angewandt werden, das bisherige kapitalistische System und die bisherigen Lebensweise soll für 50 Jahre unangetastet bleiben." Bisher hat sich Peking bedeckt gehalten, wie es mit Hongkong im Jahr 2047 weiter gehen wird.

Die Vergangenheit seit der Übergabe der Macht von London an Peking war jedenfalls wechselvoll: Hongkong konnte in den Jahren nach der Rückgabe an China vom beispiellosen Wirtschaftsboom auf dem Festland profitieren, die Stadt wird als Wirtschaftsstandort geschätzt, Häfen und Flughafen sind hocheffizient, Hongkong ist das wichtigste Finanzdienstleistungszentrum der Region, Investoren schätzen die Effizienz des Rechtsstaats und der Regulierungsbehörden. Und Hongkong ist ohne jeden Zweifel jener Ort in China mit dem höchsten Grad an bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechten, Journalisten in Festlandchina beneiden ihre Kolleginnen und Kollegen um ihre Arbeitsbedingungen. Die "South China Morning Post" ist eine der wichtigsten Quellen für Beobachter Chinas, die freche Boulevardzeitung "Apple Daily" ist das Sprachrohr der Peking-kritischen Demokratiebewegung.

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Dokument erstellt am 2017-06-30 18:06:06




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