• vom 07.08.2017, 18:29 Uhr

Weltpolitik


Venezuela

Verliert Maduro den Rückhalt der Armee?




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  • Venezuelas Präsident gibt "Terroristen aus Miami und Kolumbien" Schuld an Angriff auf Kaserne.



Caracas. Nach einem Gefecht auf dem Militärstützpunkt Paramacay scheint die Unterstützung von Präsident Nicolas Maduro durch die Streitkräfte nicht mehr bedingungslos zu sein. Eine rund 18 Mann starke bewaffnete und uniformierte Gruppe war Sonntagmorgen in die Militärbasis nahe der Stadt Valencia eingedrungen und hat sich dort einen Kampf mit Mitgliedern der Armee geliefert. Präsident Maduro nutzte seinen sonntäglichen Fernsehauftritt, um seine Sicht der Dinge zu schildern. Eine Gruppe von "Söldnern" habe die Militärbasis im Norden des Landes überfallen. Regierungstreue Militärs hätten vorbildlich reagiert und den Überfall erfolgreich niedergeschlagen. Dabei seien zwei Mitglieder der Gruppe getötet und acht verhaftet worden. Die Restlichen hätten flüchten können und würden nun intensiv gesucht.

Hier gibt sich Maduro gewohnt selbstbewusst: "Nach denjenigen, die geflohen sind, wird aktiv gesucht, und wir werden sie fassen."

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Für Maduro und seine Anhänger ist der Angriff ein Anschlag auf die Revolution. Der stellvertretende Sozialisten-Chef Diosdado Cabello nannte die Mitglieder der Gruppe "Terroristen". Die verhafteten Aufständischen hätten bereits gestanden, von der Opposition beauftragt worden zu sein. Maduros persönliche Schuldzuweisung klang geradezu nach Verschwörungstheorie. Der Angriff sei von "Terroristen aus Miami und Kolumbien" verübt worden, die vom "US-Imperium" bezahlt geworden seien.

Die Devise der Regierung scheint Beharrlichkeit zu sein. "Diese Angriffe, die von irren Köpfen in Miami geplant werden, stärken die Moral unserer Streitkräfte und des revolutionstreuen Volkes nur", beteuerte Elias Jaua von der sozialistischen Regierungspartei auf Twitter.

Anscheinend hatte es die Gruppe auch auf Waffen abgesehen: unter anderem seien 93 russische Sturmgewehre und vier Granaten aus dem Waffenlager der Militärbasis gestohlen worden. Allem Anschein nach wollte die Gruppe nicht getarnt vorgehen. Vor dem Angriff hatte sie nämlich in einem Internet-Video ihre "Operation David Carabobo" präsentiert. Der ehemalige Hauptmann der Nationalgarde, Juan Caguaripano, stellte sich als Kommandant vor und forderte, von seinen Anhängern umringt, einen landesweiten Aufstand gegen Maduro, eine Übergangsregierung und freie Wahlen. Im Wortlaut: "Wir befinden uns im legitimen Aufstand, heute stärker vereint als jemals zuvor, mit dem tapferen Volk von Venezuela, um die mörderische Tyrannei von Nicolas Maduro zu bekämpfen. Wir stellen klar, dass dies kein Staatsstreich ist. Es handelt sich um eine Aktion von Bürgern und Militärs, um die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen."

Abhängig von Generälen
Caguaripano war 2014 aus der Nationalgarde entlassen worden. Außer ihm sollen noch zwei weitere Mitglieder der "Operation David Carabobo" Militärs gewesen sein, wie die Zeitung "El Universal" berichtete. Die Regierung betont, dass zur Zeit des Vorfalls im Rest des Landes alles ruhig verlaufen sei und dass in "allen anderen Militäreinheiten im Land absolute Normalität" geherrscht hätte. Anders schildert das Carolina Herrera aus Valencia. Dort seien hunderte Menschen auf die Straße gegangen, um einen Aufstand gegen Maduro zu unterstützen. Die Regierung hätte Militärhubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge geschickt und es seien Schüssen gefallen. Die Demonstrationen seien mit Tränengas aufgelöst worden. Das Mitte-Rechts-Oppositionsbündnis Mesa de la Unidad Democrática (MUD) verlangte am Montag die volle Aufklärung des Vorfalls und die Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung.

Beides scheint meilenweit entfernt. Nach der ersten Tagung der umstrittenen verfassungsgebenden Versammlung am Samstag wurde bereits die wichtigste Gegnerin des Präsidenten, Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, ihres Amtes enthoben.

Die Positionierung des Militärs ist jetzt entscheidend. Maduro hat bisher eine konsequente Militarisierung von Staat und Gesellschaft vorangetrieben und ist auf die Gunst der Generäle angewiesen. Die Opposition versuchte bereits, Maduro zu Fall zu bringen, indem sie an das Militär appellierte, der Verfassung treu zu sein, statt dem Präsidenten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-07 17:34:08
Letzte nderung am 2017-08-07 17:36:17




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