• vom 08.08.2017, 17:48 Uhr

Weltpolitik

Update: 08.08.2017, 18:09 Uhr

Venezuela

Widerstand gegen Maduro reißt nicht ab




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Obwohl die Opposition in Venezuela schwächelt und die Regierung den Umbau des Staates vorantreibt, sitzt der Präsident nicht fest im Sattel.

Die Vereinten Nationen verurteilten die von der Regierung angewandte "maßlose Gewalt" im Umgang mit Protesten, die willkürlichen Verhaftungenund die Verantwortung der Regierung an 73 Todesfällen seit Beginn der Unruhen im April. - © APA, ap, Ariana Cubillos

Die Vereinten Nationen verurteilten die von der Regierung angewandte "maßlose Gewalt" im Umgang mit Protesten, die willkürlichen Verhaftungenund die Verantwortung der Regierung an 73 Todesfällen seit Beginn der Unruhen im April. © APA, ap, Ariana Cubillos

Caracas. (lse) Nicolas Maduro versuchte es zuletzt mit Hurrapatriotismus. Inmitten der anhaltenden Staatskrise kam dem venezolanischen Präsidenten die Leichtathletik-Weltmeisterschaft sehr gelegen. In höchsten Tönen lobte Maduro auf Twitter die zwei erfolgreichen Sportlerinnen Yulimar Rojas und Robeilys Peinado, die im Drei- und im Stabhochsprung jeweils die Gold- und Bronzemedaille gewonnen hatten. Genutzt hat dem Präsidenten der Triumph der Athletinnen vorerst allerdings nicht: Es gelang ihm damit weder, sein Land hinter sich zu vereinen, noch von der politischen Abwärtsspirale im Land abzulenken.

Seit dem Aufstandsversuch auf einer Militärbasis unter der Leitung eines ehemaligen Hauptmannes der Nationalgarde am Sonntag wird intensiv nach rund zehn geflohenen Aufständischen gesucht. Sie waren dem angerückten Militär entkommen und nahmen über neunzig Waffen mit. Auch eine andere Widerstandsgruppe, die die Möglichkeiten des Computerzeitalters zu nutzen weiß, machte von sich reden: ein Hackerkollektiv namens "Binäre Wächter". Die Gruppe hackte nach eigenen Angaben insgesamt vierzig staatliche Internetseiten, unter anderem jene der Wahlbehörde CNE, die das Referendum für die Verfassungsversammlung organisiert hatte. Auf die gehackten Seiten stellten die "Binären Wächter" eine Erklärung, in der sie ihre Unterstützung für die Aufständischen verkündeten, sowie einen Ausschnitt aus Charlie Chaplins Film "Der große Diktator". Dabei handelt es sich um die Szene, in der Chaplin Soldaten zum Ungehorsam gegenüber autoritären Systemen aufruft.


Schwache Opposition
Die offizielle Opposition im Land muss sich indes Vorwürfe anhören, sie sei ineffizient und gespalten. Viele Regierungskritiker in der Bevölkerung sind enttäuscht, weil angekündigte Demonstrationen verschoben wurden und weil nach der umstrittenen Wahl zur Verfassungsversammlung einige Oppositionsparteien keine Kandidaten für die Gouverneurswahlen im Dezember aufstellen wollen. "Wir müssen aufhören, an die Oppositionskoalition zu glauben. Wir können nur an uns selbst glauben", so bringt es ein junger Regierungskritiker aus dem Bundesstaat Tachira auf den Punkt.

Aller Kritik zum Trotz kann Maduro den autoritären Umbau des Staates vorerst weiter vorantreiben. Bereits am Samstag war es ihm gelungen, seine schärfste Kritikerin, Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, absetzen zu lassen. Am Dienstag verurteilte dann der Oberste Gerichtshof einen prominenten regierungskritischen Bürgermeister zu 15 Monaten Haft. Für die Opposition beweist das Urteil, dass der Oberste Gerichtshof nur mehr ein Instrument der Sozialistischen Partei ist.

Der Staatsapparat schart sich ostentativ um den Präsidenten: Verteidigungsminister und Armeechef Vladimir Padrino beteuerte am Montag im Staatsfernsehen, dass die Streitkräfte vereint und mit "sehr guter Moral" hinter Maduro stünden. Medien zeigten einen Aufmarsch von rund 2000 Regierungstreuen vor dem Kongressgebäude in Caracas.

Internationale Kritik
Das Image Maduros und seiner Anhänger wird das nicht retten können. Die Vereinten Nationen verurteilten die von der Regierung angewandte "maßlose Gewalt" im Umgang mit Protesten, die willkürlichen Verhaftungen und die Verantwortung der Regierung an 73 Todesfällen seit Beginn der Unruhen im April. Aus Washington hieß es, dass bereits diese Woche neue Sanktionen gegen mehrere ranghohe Personen aus Maduros Umfeld verkündet werden könnten.




Schlagwörter

Venezuela, Nicolás Maduro, Krise

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-08 17:54:03
Letzte nderung am 2017-08-08 18:09:35




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der gestrauchelte Überlebenskünstler
  2. Dunkle Wolken über Erdogan
  3. Duell um Südafrikas Zukunft
  4. Trumps Steuerreform vor dem Finish
  5. Starköchin mit Skibrille - Erster Stern für Bangkoks Street Food
  6. Auf den Hund gekommen
  7. Odebrecht könnte den Weg für Fujimoris Tochter Keiko ebnen


Werbung


Werbung