• vom 09.08.2017, 17:46 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.08.2017, 12:14 Uhr

USA

Angst vor dem fatalen Fehler




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Klaus Huhold

  • Wenn eine Seite auch nur einmal überreagiert, kann dies einen Flächenbrand auslösen.

Nordkorea drohte mit einem Angriff auf die Pazifikinsel Guam. Das Thema beherrschte die südkoreanischen Nachrichten. - © afp/Jung Yeon-Je

Nordkorea drohte mit einem Angriff auf die Pazifikinsel Guam. Das Thema beherrschte die südkoreanischen Nachrichten. © afp/Jung Yeon-Je

Pjöngjang/Wien. Sehr viel mehr Eskalation geht nicht mehr. Zumindest verbal. Wenn Nordkorea seine Drohungen fortsetze, werde diesen mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat" begegnet, sagte Donald Trump am Mittwoch. Dass sich ein US-Präsident derart äußert, ist schon lange her. Von einem "Regen der Zerstörung aus der Luft, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat", hatte am 6. August 1945 der damalige Präsident Harry Truman gesprochen, als er den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima verkündete. Trumps Verbalausbruch war die Meldung vorausgegangen, dass Nordkorea laut Geheimdiensten einen Atomsprengkopf entwickelt hat, der klein genug für den Einsatz in seinen Interkontinentalraketen ist - was das Bedrohungsszenario noch einmal steigert.

Nordkoreas Antwort kam prompt und war heftig. Die Streitkräfte zögen einen Angriff auf Guam - einen militärischen Vorposten der USA, auf dem diese Truppen stationiert haben - "ernsthaft in Erwägung", verkündet die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Sobald Staatschef Kim Jong-un dies befehle, würde das Militär die 3500 Kilometer von Nordkorea entfernte Pazifikinsel angreifen. Dass die Nordkoreaner ein konkretes Ziel eines möglichen Angriffes nennen und mit einem Erstschlag drohen - auch das gibt dem Konflikt eine neue Qualität.


Ist damit die Kriegsgefahr noch einmal gestiegen? Auf den Börsen schlägt sich schon eine derartige Furcht nieder. Deshalb haben Investoren am Mittwoch Aktien in großem Stil verkauft. Sie griffen stattdessen bei als sicher geltenden Anlagen wie Gold oder dem Schweizer Franken zu. Weltweit gingen Börsen ins Minus.

Allerdings: Es kamen aus den USA auch andere Signale. Demokratische und republikanische Politiker kritisierten Trump wegen seines verbalen Wutausbrauchs. Und Außenminister Rex Tillerson meinte gar, dass man sich trotz der speziellen Rhetorik keine Sorgen machen müsse.

Druck auf China
Dass sich die USA die militärische Option offenhalten, gehört seit Trumps Amtsantritt zu ihrer Politik. Das hat auch strategische Gründe: Erstens wollen die USA damit Nordkorea, das bereits Atombomben getestet hat und dessen Raketen eine immer größere Reichweite besitzen, zu Verhandlungen zwingen. Zweitens soll damit der Druck auf China erhöht werden, stärker gegen das kommunistische Nachbarland vorzugehen. Zumindest zweiteres geht auf. Der UN-Sicherheitsrat hat kürzlich verschärfte Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen, und Peking hat angekündigt, diese voll mitzutragen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-09 17:51:13
Letzte ─nderung am 2017-08-11 12:14:25




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Afghanischer Minister fordert weniger Rückschiebungen
  2. "Fünf Jahre sind genug"
  3. Acht Tote und 32 Verletzte bei Bus-Kollision in Malaysia
  4. Glück geht auch ohne Demokratie
  5. UNO stellt sich auf mehr als eine Million Rohingya-Flüchtlinge ein
  6. Unruhe vor dem Sturm
  7. Mugabe wird doch kein Sonderbotschafter


Werbung


Werbung