• vom 11.08.2017, 08:38 Uhr

Weltpolitik

Update: 11.08.2017, 09:10 Uhr

Venezuela

Ortega fürchtet um ihr Leben




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Von WZ Online, APA, Reuters, dpa

  • Entlassene Staatsanwältin wechselt einmal pro Tag ihren Unterschlupf. Das Land steht vor der Pleite.

Louisa Ortega Diaz ist auf der Flucht. - © APAweb / Reuters, Carlos Garcia Rawlins

Louisa Ortega Diaz ist auf der Flucht. © APAweb / Reuters, Carlos Garcia Rawlins

Caracas. Die entlassene Generalstaatsanwältin Venezuelas, Luisa Ortega fürchtet um ihr Leben und ist auf der Fluch. Sie werde in ihrem Kampf für Demokratie und Freiheit in Venezuela nicht nachlassen, sagte Ortega der Nachrichtenagentur Reuters.

Sie hatte im März mit Präsident Nicolas Maduro gebrochen und wurde zu einer scharfen Kritikerin des Staatschefs, der mit der Installation einer neuen Verfassungsversammlung das Parlament aushebelte, in dem seit der letzten Wahl die Opposition die Mehrheit hatte.

"Ich weiß nicht, welche dunklen Absichten und Pläne sie womöglich haben, um mich nicht nur meiner Freiheit zu berauben, sondern mir auch das Leben zu nehmen", sagte sie. Die 59-jährige Juristin lebt versteckt und wechselt mindestens einmal am Tag ihren Unterschlupf. Sie fühle sich permanent verfolgt, klagte sie.

Dennoch arbeite sie weiter für das Land, sagte Ortega. Sie stehe im Kontakt zu Staatsanwälten und anderen Institutionen in Venezuela und in anderen Ländern. Genauer wollte sie sich dazu nicht äußern. "Ich bin die Generalstaatsanwältin Venezuelas", betonte sie. Ihre Rechte würden ihr aber vorenthalten.

UN fordern Schutzmaßnahmen

Die Vereinten Nationen (UN) forderten inzwischen Maßnahmen zum Schutz der regierungskritischen Generalstaatsanwältin. Ortega stammt aus dem sozialistischen Lager und stand anfangs auf Maduros Seite. Sie wurde aber in den vergangenen Monaten zu seiner ärgsten Gegnerin, seit es immer wieder zu Massenprotesten gegen die Regierung kam. Mehr als 120 Menschen wurden dabei getötet. Ortega wirft Maduro Menschenrechtsverletzungen vor und beschuldigt die Regierung, Angaben über die Beteiligung an der Wahl der Verfassungsversammlung gefälscht zu haben.

Das von einer dramatischen Krise erschütterte Venezuela steht womöglich am Rande einer Staatspleite. Kritisch werde es im Oktober und November, sagte der Präsident der Banco Venezolano de Credito, German Garcia-Velutini, der Deutschen Presse-Agentur. "Dann sind jeden Monat rund zwei Milliarden Dollar zurückzuzahlen."

Ein Land vor dem Staatsbankrott

Das Land hat bereits große Mengen der Goldreserven und Anteile an Ölfeldern verkauft, um die Schulden noch bedienen zu können. Seit Monaten kämpft die sozialistische Regierung von Präsident Maduro gegen den Ruin, angesichts der monatelangen Unruhen und des weiterhin niedrigen Ölpreises ist die Lage nun besonders kritisch.

Die Konsequenzen könnten verheerend sein, das Land ist im Ausland hoch verschuldet. Nach Einschätzung der Opposition ist der Mangel an Lebensmitteln und Medizin auch deshalb so groß, weil die hohen Schulden bedient werden müssen. Viele Sozialisten sollen Anleihen des Ölkonzerns PDVSA besitzen und würden bei einer Pleite viel verlieren.

Maduro hatte zuletzt Maßnahmen eingeleitet, die Venezuela in eine sozialistische Diktatur umwandeln können. Eine Pleite könnte das Land mit den größten Ölreserven vollends ins Chaos stürzen. Der frühere Planungsminister Ricardo Hausmann schrieb in einem Beitrag für das "Project Syndicate", dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2013 pro Kopf um rund 40 Prozent gesunken. "Die Wirtschaftskatastrophe in Venezuela ist schlimmer als jede andere in der Geschichte der USA, Westeuropas oder des übrigen Lateinamerikas", betonte Hausmann.

Durch die enorme Inflation, die höchste der Welt, seien viele Bürger in die Armut abgestürzt. Laut einer Studie hätten fast 75 Prozent der Venezolaner seit 2014 zudem deutlich an Gewicht verloren.





Schlagwörter

Venezuela, Luisa Ortega

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-11 08:46:27
Letzte nderung am 2017-08-11 09:10:16




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