• vom 14.08.2017, 08:06 Uhr

Weltpolitik

Update: 14.08.2017, 09:16 Uhr

USA

Trumps rechtsextremer Anhang




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Von WZ Online, Martin Bialecki (dpa)

  • Amerikas ultrarechte Szene ist zersplittert, aber fanatisch und gefährlich.

Ein Anhänger des Ku Klux Klan in Charlottesville: Präsident Trump hat eine klare Distanzierung von dieser rassistischen Bewegung vermieden. 

Ein Anhänger des Ku Klux Klan in Charlottesville: Präsident Trump hat eine klare Distanzierung von dieser rassistischen Bewegung vermieden. © APAweb / AFP, Andrew Caballero-Reynolds Ein Anhänger des Ku Klux Klan in Charlottesville: Präsident Trump hat eine klare Distanzierung von dieser rassistischen Bewegung vermieden. © APAweb / AFP, Andrew Caballero-Reynolds

Washington. Charlottesville hat ein Schlaglicht auf die rechte Szene in den USA geworfen. Von der Meinungsfreiheit geschützt, kann sie offen operieren. Unter Trump hat sich das Klima zu ihren Gunsten geändert.

Die Zusammenstöße bei einer Rassisten-Demonstration in Charlottesville offenbarten am Wochenende den Fanatismus, die Militanz und den hohen Organisationsgrad der Rechtsextremen. Dennoch bilden die amerikanischen "White Power"-Gruppierungen keinen geschlossenen Block. Die rechte Szene ist zerfasert, ideologiegetränkt, unübersichtlich und gefährlich.

Glaube an die weiße Rasse

Weiße Suprematisten sind überzeugt, dass es so etwas wie eine weiße Rasse gibt. Sie verwenden diesen Begriff synonym für Menschengruppen bestimmter Hautfarbe, Abstammung oder Zugehörigkeit. Suprematisten wie die "Aryan Nations" glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit von Menschen europäischen Ursprungs. In multiethnischen Ländern wie den USA sind sie von einer natürlichen Hierarchie überzeugt, an deren Spitze die Weißen stehen.

In Charlottesville waren auch Suprematisten der Gruppierung "Vanguard America" (Avantgarde, Vorreiter) vertreten, sie trugen schwarze Schilde mit weißem Kreuz.

Amerikanische Nationalisten denken ähnlich und stehen den Suprematisten nahe, unterscheiden sich aber in einer wichtigen ideologischen Komponente. Ihr Ziel ist ein rein weißer Staat.

"Sieg Heil!"-Rufe sind legal

Gerade in Deutschland oder Österreich ist es irritierend zu sehen, wie Neonazis in den USA Hakenkreuzfahnen offen durch die Straßen tragen, oder dass "Sieg-Heil"-Rufe und braune Nazi-Uniformen nicht verboten sind. Gedeckt wird das von der in der US-Verfassung festgeschriebenen Meinungsfreiheit, sie ist den Amerikanern ein besonders hohes Gut.

Amerikanische Neonazis haben Ideologie und Symbolik der Nationalsozialisten übernommen. NS-Diktator Adolf Hitler gilt ihnen Visionär, Vorbild und Held. Sie hetzen gegen Juden, Nicht-Weiße, Homosexuelle oder Behinderte. Ende der 60er Jahre wurde eine amerikanische Nazi-Partei gegründet, sie hatte aber keinen Erfolg.

"Heute agieren Hass-Webseiten wie "Stormfront" als ein dezentralisierter Hub für neonazistische Ideen und Debatten", schreibt "The Atlantic". Das National Socialist Movement (NSM) ist eine der größten Neonazivereinigungen der USA.

In Charlottesville marodierten auch Anhänger des Ku Klux Klan. In einer Art dritten Auflage entstand der KKK in den 60er Jahren aufs Neue als Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. Auf das Konto des Klans gehen zahlreiche Gräueltaten und Morde. Ein bekannter Führer war David Duke. Im Wahlkampf 2016 widerstrebte es Donald Trump, sich klar von dem rechtsradikalen Hetzer zu distanzieren. Der KKK wird auf 5.000 bis 8.000 Mitglieder geschätzt.

"Friedliche ethnische Säuberung"

Den Begriff Alt-Right prägte Richard Spencer 2008. Er verbrämt als so etwas wie "Alternative Rechte" das neonazistische, rechtsradikale und rassistische Gedankengut der Bewegung - so redete Spencer einer "friedlichen ethnischen Säuberung" der USA das Wort. Die "Alt Right" ist eng verzahnt mit Suprematisten und Nationalisten, agiert aber oft verdeckter. Der Autor und Aktivist Milo Yiannopoulos ist in dieser Szene eine prominente Figur.

Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center SPLC verweist auf zahlreiche junge und gut etablierte Mitglieder der Bewegung. Sie versuche erfolgreich, offen im rechtskonservativen Spektrum zu fischen.

Die Alt Right-Szene ist in sich zerfasert. Allerdings eint sie ihre Frontstellung gegenüber Muslimen, Einwanderung, Feminismus, Gleichstellung und pluralen Gesellschaften. Sehr viele Anhänger sind Antisemiten. Sie sehen sich auf einem Feldzug gegen Linke, einige auch gegen die liberale Demokratie als solche. Begeistert unterstützten sie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Trumps nationalistische Koalition

Im "New Yorker" führte Evan Osnos den Beweis, wie offen und wie früh Donald Trump Rechte in seine nationale Koalition einreihte. Als Chef von Breitbart News bezeichnete Steven Bannon seine Publikation als "Sprachrohr der Alt-Right"". Heute wirkt Bannon als politischer Chefstratege im Weißen Haus.

Den "alten Süden" tragen die Neo-Konföderierten im fanatisierten Herzen, unter der Flagge der Konföderierten wollen sie zurück zu Geist und Leben der Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65). Sie sehen sich als Opfer des Nordens, der die Sklaverei abschaffte. Sie sind antidemokratisch, schwulenfeindlich und rassistisch. Ihr historischer Bezug unterscheidet sie ideologisch von anderen Rechtsextremen, wenn es auch Schnittmengen mit Suprematisten gibt.

In Charlottesvile steuerte ein Mann ein Auto in eine Menschenmenge. Verdächtigt wird James Fields, 20 Jahre alt. Die Seite "Buzzfeed" berichtete danach zuerst von Fields Facebook-Seite. Dort veröffentlichte er früher Propagandabilder, die einen weiten Bogen durch die amerikanische Rechte schlagen und sich wie ein Kondensat ausmachen. So zeigte Field Bilder der Alt-Right-Bewegung und ihrer Prominenten, von Neonazis in Uniform, auch von Hitler als Kind. Daneben zeigt er eine Zeichnung von Donald Trump. Er sitzt auf einem Thron, und er trägt eine goldene Krone.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-14 08:07:23
Letzte ńnderung am 2017-08-14 09:16:09




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