• vom 17.08.2017, 17:25 Uhr

Weltpolitik

Update: 17.08.2017, 21:51 Uhr

Algerien

Eine stille Revolution




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Von Lisa Settari

  • In Algerien kämpft eine Initiative gegen rigide Kleidungsvorschriften für Frauen an Stränden.


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Algier/Wien. Islam, Frauen, Bademode - alle Zutaten für eine brisante Debatte schienen vorhanden. Was Frauen in der Öffentlichkeit tragen dürfen, erhitzte bereits im vergangenen Sommer während der Burkini-Debatte an der Côte d’Azur die Gemüter. Badeanzüge und Bikinis sorgen nun auf der anderen Seite des Mittelmeers, in Algerien, für Diskussionsstoff. Im Juli erweckte ein Artikel in der algerischen Tageszeitung "Le Provincial" den Anschein, es bahne sich eine neue Revolution an, in der progressive Frauen gegen die selbsternannte islamistische Moralpolizei aufbegehrten. In der Küstenstadt Annaba hätten sich mehr als dreitausend Frauen auf einer Facebook-Gruppe zusammengetan, um gemeinsam im Badeanzug oder Bikini an den Strand zu gehen und diese freizügigen Outfits somit salonfähiger zu machen.

Die Geschichte wurde schnell von Blättern wie dem französischen "L’Obs", dem italienischen "Corriere della Sera" oder dem britischen "Independent" aufgegriffen. Doch dann wurde in algerischen Massenmedien verlautbart, dass es diese Initiative nur auf Facebook gäbe, an den algerischen Stränden eine Revolution weder sichtbar noch nötig wäre. Westliche Medien hätten eine Polemik aus dem Netz aufgegriffen und zu einem feministischen Aufstand unterdrückter Frauen in Algerien stilisiert. Tatsächlich findet eine stille Revolution statt. Dass diese nach den ganz eigenen Vorstellungen ihrer Protagonistinnen abläuft, macht die Revolution jedoch unkonventionell und weniger offensichtlich.

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Aufruf zur Denunziation
Tatsache ist, dass eine junge Frau aus Annaba Ende Juni eine Facebook-Gruppe gegründet hat, in der sich Frauen aus der Umgebung am Strand verabreden. Die Gründerin nennt sich in dem einzigen Interview, das sie der Zeitung "Le Provincial" gegeben hat, Sara. Ziel der Initiative sei es, dass sich Frauen auch im Badeanzug oder Bikini an den Strand trauen können, ohne mit unangebrachten Blicken, sexistischen Sprüchen oder anderen Belästigungen rechnen zu müssen. Gegenüber "Le Provincial" sagte Sara, dass Frauen oft Schikanen ausgesetzt wären, wenn sie im Badeanzug oder Bikini an den Strand gingen, obwohl das gesetzlich nicht verboten ist. Ein Schlüsselerlebnis war für Sara eine Aktion von Ultrakonservativen, die zur Denunziation von Frauen in westlicher Bademode aufgerufen hätten. Wer eine Frau am Strand sieht, deren Kleidung gegen islamische oder algerische Werte verstoße, solle sie fotografieren und das Foto auf den sozialen Netzwerken veröffentlichen.

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Dokument erstellt am 2017-08-17 17:31:07
Letzte ─nderung am 2017-08-17 21:51:05




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