• vom 18.08.2017, 18:33 Uhr

Weltpolitik


Terrorismus

Eine Wurzel des Terrorismus




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Was der Sturm auf die Große Moschee in Mekka 1979 mit den heutigen Attentaten zu tun hat.

Wien. (klh) "Alle Terroristen, die wir heute haben, gehen auf Dschuhaiman zurück." Das soll laut dem Magazin "Geo Epoche" 2006 ein saudischer Offizier gesagt haben. Und es kann auch eine Spur von Dschuhaiman al-Utaibi bis zum Islamischen Staat und damit auch zum Attentat in Barcelona gelegt werden.

Wer aber war Dschuhaiman al-Utaibi? Der 1936 geborene Beduine war ein fanatisierter Eiferer, der das saudische Herrscherhaus hasste. Dafür, dass es die Anwesenheit westlicher Ausländer und damit Ungläubiger in Saudi-Arabien tolerierte, dass es Kino zuließ, dass es seiner Ansicht nach die reine Lehre des Islams verraten hatte. Er sammelte eine Schar Anhänger um sich, die ihn als Erlöser verehrten. Und er verübte eines der folgenschwersten islamistischen Attentate im 20. Jahrhundert. Am 20. November 1979 stürmte Dschuhaiman al-Utaibi mit seinen Gefolgsleuten die Große Moschee in Mekka und verlangte die Umwandlung Saudi-Arabiens in einen Gottesstaat nach seinen Vorstellungen. Das Königshaus eroberte nach schweren Kämpfen, die mehrere hundert Tote forderten, die Moschee zurück und ließ al-Utaibi enthaupten - dieser bleibt aber Vorbild künftiger Terroristen.


Doch um die heilige Stätte überhaupt militärisch stürmen zu dürfen, benötigte das Königshaus die Zustimmung des Klerus. Und die erzkonservativen Geistlichen ließen sich ihre Zustimmung teuer abkaufen: Sie verlangen die Beschneidung weltlicher Rechte im Inneren und Geld für ihre Missionierungstätigkeit im Ausland.

Intolerante Prediger
Von da an predigten weltweit viel mehr Geistliche eine wahhabitische und damit äußerst rigide Auslegung des Islams und veränderten vielerorts das Gesicht dieser Religion. Auch wenn wahhabitische Geistliche Terrorakte immer wieder verurteilen, dienen doch Wahhabismus und auch Salafismus (die Übergänge zwischen diesen beiden Strömungen sind fließend) mit ihrer Verteufelung und Ausgrenzung Ungläubiger vielen Terroristen als Inspirationsquelle.

Und noch ein Ereignis, das Ende der 1970er seinen Ausgang nahm, wirft bis heute seine Schatten: der Afghanistan-Krieg. Dort kämpften die Mudschaheddin gegen die Sowjet-Truppen. Finanziell kräftig unterstützt wurden die Gotteskrieger von Saudi-Arabien - und von westlichen Staaten. Diese sahen in den Mudschaheddin vor allem anti-kommunistische Kämpfer. Außerdem sieht der Westen bis heute Saudi-Arabien und auch andere Golfstaaten, die zum Aufstieg des Fundamentalismus beigetragen haben, als enge Verbündete in der Region an und macht mit diesen gemeinsame Politik und gemeinsame Geschäfte.

Doch nachdem der Afghanistan-Krieg beendet war und die Sowjets besiegt waren, setzten einige Dschihadisten ihren Kampf fort - und wandten sich gegen ihre einstigen Förderer. Einer von ihnen war der Saudi Osama bin Laden, der dann Al-Kaida gründete. Und von dort führt die Spur wiederum zum Islamischen Staat, der in Europa mehrfach Attentate verübt hat. Denn auch wenn er bald mit Al-Kaida verfeindet war, war er zunächst eine Abspaltung der Al-Kaida.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-18 18:39:10




Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Einsamer Tod
  2. Chaos im US-Flugverkehr
  3. Ein Milliardär wird Präsident
  4. Republikaner greifen Sonderermittler an
  5. UNO-Sicherheitsrat prüft Resolutionsentwurf
  6. Starköchin mit Skibrille - Erster Stern für Bangkoks Street Food
  7. Der gestrauchelte Überlebenskünstler


Werbung


Werbung